Elon Musk ver­spricht das Ende der Alters­vor­sor­ge: In zehn bis zwan­zig Jah­ren wür­den KI und Robo­ter einen sol­chen Über­fluss schaf­fen, dass Spa­ren für die Ren­te irrele­vant wird. Jeder kön­ne alles haben, was er braucht – kos­ten­lo­se Gesund­heits­ver­sor­gung, Bil­dung, Güter. Eine Welt ohne Knapp­heit, ohne die Not­wen­dig­keit indi­vi­du­el­ler Vor­sor­ge. Der “gehei­lig­te Traum eines Mil­li­ar­därs”, wie Kri­ti­ker es nen­nen, klingt ver­traut: Es ist Jere­my Rif­kins “Null-Grenz­kos­ten-Gesell­schaft” aus den 2010er Jah­ren, nur mit KI statt Inter­net der Din­ge. Die Drit­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on, die nie kam, wird als KI-Revo­lu­ti­on neu verkauft.

Das Mus­ter ist alt, die Ent­täu­schung vor­her­seh­bar. Rif­kins Uto­pie schei­ter­te nicht an man­geln­der Tech­no­lo­gie, son­dern an der Ver­tei­lungs­fra­ge: Wer kon­trol­liert die Infra­struk­tur? Wer pro­fi­tiert von den Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­nen? Die letz­ten vier­zig Jah­re zei­gen deut­lich: Tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt führt nicht auto­ma­tisch zu Über­fluss für alle, son­dern ver­stärkt Ungleich­heit, wenn die Eigen­tums­ver­hält­nis­se unge­klärt blei­ben. Musks Visi­on wie­der­holt die­sen metho­di­schen Feh­ler – sie ver­spricht tech­no­lo­gi­schen Sozia­lis­mus, um rea­le Umver­tei­lung zu vermeiden.

Die Ent­kopp­lungs­phan­ta­sie ist der Kern jeder Tech-Uto­pie: Wohl­stand kön­ne von Ver­tei­lungs­kon­flik­ten, von Macht­ver­hält­nis­sen, von poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen abge­kop­pelt wer­den. Doch Tech­no­lo­gie ist kei­ne neu­tra­le Erlö­sungs­kraft. Phy­si­sche Res­sour­cen­gren­zen blei­ben real, mensch­li­che Pro­duk­ti­vi­tät bleibt zen­tral, und ohne demo­kra­ti­sche Kon­trol­le über die Pro­duk­ti­ons­mit­tel führt Auto­ma­ti­sie­rung nicht zu Über­fluss, son­dern zu kon­zen­trier­ter Macht. Musks Rat, das Spa­ren auf­zu­ge­ben, ist nicht nur indi­vi­du­ell ris­kant – er ist ein Legi­ti­ma­ti­ons­nar­ra­tiv für gegen­wär­ti­ge Kapi­tal­al­lo­ka­ti­on, das von den not­wen­di­gen Ver­tei­lungs­kämp­fen der Gegen­wart ablenkt.

Wer für die Ren­te spart, han­delt nicht alt­mo­disch, son­dern rea­lis­tisch. Er erkennt an, dass auch dies­mal die Uto­pie schei­tern wird – nicht aus Pes­si­mis­mus, son­dern aus nüch­ter­ner Ana­ly­se struk­tu­rel­ler Rea­li­tä­ten. Die Geschich­te lehrt: Tech-Revo­lu­tio­nen ver­spre­chen viel, lie­fern aber nur, was poli­tisch erkämpft wird.

Die Ver­hei­ßung vom Ende der Knappheit

Elon Musk pro­gnos­ti­ziert das Ende einer öko­no­mi­schen Grund­kon­stan­te: In zehn bis zwan­zig Jah­ren, so sei­ne The­se im Pod­cast “Moonshots with Peter Dia­man­dis”, wird Spa­ren für die Ren­te irrele­vant. Fort­schrit­te in künst­li­cher Intel­li­genz, Robo­tik und Ener­gie­pro­duk­ti­on wür­den ein Zeit­al­ter des Über­flus­ses schaf­fen, in dem mas­si­ve Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen ein uni­ver­sel­les hohes Ein­kom­men ermög­li­chen und Knapp­heit als öko­no­mi­sches Prin­zip been­den. KI und Robo­ter, so Musk, wür­den Res­sour­cen in sol­chem Über­fluss pro­du­zie­ren, dass medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, Bil­dung und Güter kos­ten­los ver­füg­bar wären. Jeder kön­ne alles haben, was er braucht – eine Welt ohne Man­gel, ohne die Not­wen­dig­keit indi­vi­du­el­ler Vorsorge.

Die Radi­ka­li­tät die­ser Aus­sa­ge liegt nicht nur in ihrer öko­no­mi­schen Dimen­si­on, son­dern in ihrem Anspruch, eine anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te außer Kraft zu set­zen: die Not­wen­dig­keit, für die Zukunft vor­zu­sor­gen. Musk ver­kauft hier nicht bloß ein…