Die Banken und der Elefant

Von Ralf Keuper

Wenn Menschen versuchen, ein für sie unbekanntes Phänomen in die eigene Erfahrungs- und Begriffswelt zu überführen, dann kann geschehen, was in dem Gleichnis Die blinden Männer und der Elefant beschrieben wird.

Im Gleichnis Die blinden Männer und der Elefant untersucht eine Gruppe von Blinden – oder von Männern in völliger Dunkelheit – einen Elefanten, um zu begreifen, worum es sich bei diesem Tier handelt. Jeder untersucht einen anderen Körperteil (aber jeder nur einen Teil), wie zum Beispiel die Flanke oder einen Stoßzahn. Dann vergleichen sie ihre Erfahrungen untereinander und stellen fest, dass jede individuelle Erfahrung zu ihrer eigenen, vollständig unterschiedlichen Schlussfolgerung führt (Quelle: Wikipedia).

Für den einen, der den Rüssel untersuchte, war ein Elefant ein langer Arm, währenddessen ein anderer, der sich um das Ohr kümmerte, der Meinung war, ein Elefant sei ein Fächer. Jeder der fünf Männer kam zu einem anderen Ergebnis. Das Phänomen Elefant an sich vermochte keiner zu fassen.

Mit Blick auf die Plattformökonomie oder BigTech lässt sich feststellen, dass die Banken bis heute eifrig bemüht sind, dieses unbekannte Wesen zu deuten. Für die einen handelt es sich um irgendeine Form von Datensammelstelle, für die anderen um neutrale Vermittler ohne weitere Ambitionen auf das Bankgeschäft, die nächsten wiederum erkennen darin Anbieter von Mobiltelefonen oder sozialen Netzwerken, wohingegen eine andere Gruppe sie als Zahlungsdienstleister interpretiert. Ganze Heerscharen von Beratern und Medienvertretern beteiligen sich an der Untersuchung. In einem sind sie sich jedoch einig: Es handelt sich um keine Bank, um keinen Artgenossen, womit für viele die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema endet. Unterdessen setzt der Elefant unbeirrt seinen Weg bzw. sein Werk fort.

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