Das Regio­nal­prin­zip war einst die gro­ße Stär­ke der Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken. Heu­te erweist es sich als insti­tu­tio­nel­le Fal­le. War­um die Ver­bund­struk­tu­ren genau das ver­hin­dern, wofür sie geschaf­fen wur­den – und wes­halb eine Trans­for­ma­ti­on die Iden­ti­tät des Sys­tems selbst in Fra­ge stel­len würde.


I.

Wer ver­ste­hen will, war­um das deut­sche Spar­kas­sen- und Genos­sen­schafts­ban­ken­sys­tem trotz offen­sicht­li­cher Effi­zi­enz­pro­ble­me so beharr­lich an sei­nen Struk­tu­ren fest­hält, muss tie­fer gra­ben als die übli­che Kri­tik an ver­krus­te­ten Insti­tu­tio­nen. Hier wirkt kei­ne blo­ße Reform­un­fä­hig­keit, kein ein­fa­cher Man­gel an Inno­va­ti­ons­be­reit­schaft. Hier zeigt sich viel­mehr ein Mus­ter­fall von Pfad­ab­hän­gig­keit, des­sen Mecha­nis­men so eng mit der Iden­ti­tät des Sys­tems ver­wo­ben sind, dass jede ernst­haf­te Trans­for­ma­ti­on einer Selbst­auf­lö­sung gleichkäme.

Georg Schrey­ögg und Jörg Sydow haben in ihren weg­wei­sen­den Arbei­ten zur orga­ni­sa­tio­na­len Pfad­ab­hän­gig­keit ein ana­ly­ti­sches Instru­men­ta­ri­um ent­wi­ckelt, das über die ursprüng­li­che öko­no­mi­sche Theo­rie – etwa bei Paul David oder Bri­an Arthur – hin­aus­geht. Ihr Drei-Pha­sen-Modell unter­schei­det die Prä­for­ma­ti­ons­pha­se, in der ver­schie­de­ne Hand­lungs­op­tio­nen noch offen ste­hen, von der For­ma­ti­ons­pha­se, in der sich durch selbst­ver­stär­ken­de Mecha­nis­men ein domi­nan­ter Pfad her­aus­bil­det, und schließ­lich der Lock-in-Pha­se, in der der Hand­lungs­kor­ri­dor so ver­engt ist, dass Abwei­chun­gen selbst dann unter­blei­ben, wenn sie objek­tiv vor­teil­haft wären. Das deut­sche Ver­bund­ban­ken­sys­tem durch­läuft die­se Pha­sen gera­de­zu lehrbuchhaft.

Die Prä­for­ma­ti­ons­pha­se die­ses Pfa­des reicht ins 19. Jahr­hun­dert zurück. Das Regio­nal­prin­zip – jede Spar­kas­se für ihr Gebiet, jede Genos­sen­schafts­bank für ihre Mit­glie­der – war kei­ne admi­nis­tra­ti­ve Not­lö­sung, son­dern Aus­druck eines spe­zi­fi­schen Ver­ständ­nis­ses von Finanz­we­sen als loka­ler Daseins­vor­sor­ge. Die kom­mu­na­len Trä­ger­schaf­ten der Spar­kas­sen, die genos­sen­schaft­li­chen Struk­tu­ren der Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken schu­fen insti­tu­tio­nel­le Ver­an­ke­run­gen, die weit über öko­no­mi­sche Funk­tio­na­li­tät hin­aus­gin­gen. Sie waren, und sind bis heu­te, emo­tio­nal und poli­tisch codiert: loka­le Ver­an­ke­rung als Iden­ti­täts­kern, Mit­ar­bei­ter­loya­li­tät über Gene­ra­tio­nen, Gre­mi­en­struk­tu­ren mit kom­mu­na­ler Reprä­sen­ta­ti­on, die Ver­flech­tung mit dem ört­li­chen Ver­eins­we­sen, der regio­na­len Wirt­schafts­för­de­rung, dem Selbst­ver­ständ­nis gan­zer Landstriche.

II.

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