Der digitale Yuan und die neuen Währungssysteme

Von Ralf Keuper

Seit einiger Zeit arbeiten die chinesische Regierung, die Zentralbank, die Geschäftsbanken und die Technologiekonzerne Alibaba und Tencent an dem digitalen Yuan (Vgl. dazu: Alibaba, Tencent, chinesische Großbanken und die Zentralbank bringen eigene Digitale Währung). 2020 soll er schrittweise eingeführt werden, wobei die bestehende Zahlungsinfrastruktur genutzt wird, wie in Say Goodbye to Banking as We Know It zu erfahren ist.

The consensus is that the token will be a private blockchain, a peer-to-peer network for sharing information and validating transactions, with the People’s Bank of China in control of who gets to participate. To begin with, the currency will be supplied via the banking system and replace some part of physical cash. That won’t be hard, given the ubiquitous presence of Chinese QR code-based digital wallets such as Alipay and WeChat Pay.

Der digitale Yuan könnte das bestehende Bankensystem umkrempeln. Korrespondenzbanken und damit auch zahlreiche Geschäftsbanken könnten überflüssig werden. Mit der Einführung digitaler Währungen könnten die Zentralbanken auch die Kreditvergabe übernehmen. Ebenso würde die Geldpolitik vereinfacht werden, da die Zentralbanken die Geschäftsbanken umgehen könnten. Wenngleich Libra seiner Zeit womöglich voraus war, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass demnächst Tokens, deren Wert von einem Währungskorb gedeckt ist, für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bzw. Vermögenstransfer eingesetzt werden. Pseudoanonyme Tokens ersetzen das Bargeld – die Anonymität des Bargelds verschwindet. Eine übergeordnete, staatliche Stelle kann prinzipiell jede Transaktion mit einer echten Person verbinden, was – wie im Fall China – zur vollständigen Überwachung der Bevölkerung führen kann. Für die USA wird es künftig schwieriger, die eigene Währung als Machtinstrument einzusetzen. Staaten, die auf der schwarzen Liste stehen, könnten mit digitalen Währungen bzw. Tokens Sanktionen umgehen.

Das Szenario ist durchaus plausibel. Bereits vor einigen Jahren regte Heinrich Fendt in Bankless Banking 2030 an, dass die Finanzagentur künftig die Abwicklung der Bankgeschäfte übernehmen könnte (Vgl. dazu: Bankless Banking mit der bundeseigenen Finanzagentur? & (Bankless) Banking im Jahr 2030). Das Geld, darauf weist u.a. Ernst-Wilhelm Händler in seinem neuen Roman hin, verändert sein Wesen fundamental. Auf diesem Blog wurde dieser Wandel vor einigen Jahren in dem Beitrag Der Formwandel des Tausch- und Zahlungsmittels “Geld” und seine Auswirkungen auf das Banking beschrieben. Mit Marshall McLuhan könnte man auch von einer neuen Informationsbewegung sprechen.

In einem aktuellen Interview sagt Christian Piska von der Uni Wien, dass er sich die Vermischung von dezentralem Geld, hybriden Währungen wie Libra und digitalen Zentralbankwährungen gut vorstellen könne.

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