Bitcoin: Getrennte Welten

Von Ralf Keuper

Das ist schon ein tiefer Einschnitt: Die Kryptowährung Bitcoin hat sich in zwei Varianten gespalten: in Bitcoin und Bitcoin Cash. In der Fachsprache bezeichnet man diesen Vorgang auch als Hard Fork. Das ist für die Verfechter der reinen Lehre so etwas wie ein Sündenfall, also quasi der Worst Case.

Diese Entwicklung zeichnete sich schon länger ab, nur waren viele Beobachter davon ausgegangen, dass es ohne Hard Fork gehen würde. Anfang vergangenen Jahres sorgte ein langjähriger Bitcoin-Mitstreiter mit seinem offenen Brief The resolution of the Bitcoin Experiment für Irritation in der Szene (Vgl. dazu: Ist das Bitcoin-Experiment gescheitert?).

Schon damals hielt Nathaniel Popper dazu fest:

The current dispute, though, is a reminder that the Bitcoin software — like all computer code — is an evolving product of the human mind, and its deployment is vulnerable to human frailties and divergent ideals.

Treiber hinter der Abspaltung waren dem Vernehmen nach chinesische Miner, die hinter Bitcoin Cash stehen. In den ersten Analysen räumten die Kommentatoren Bitcoin Cash nur geringe Chancen ein. Mittlerweile jedoch ist der Bitcoin-Cash-Kurs explodiert, wie in Bitcoin Cash: Neues Kryptogeld mit Kursexplosion nach Abspaltung zu erfahren ist.

Die Aufspaltung und der ihr vorausgegangene Streit zeigen, so Franz Nester, dass Bitcoin als Zahlungsmittel ungeeignet ist. Der Währung fehle ein wichtiges Charakteristikum: Berechenbarkeit bzw. Verlässlichkeit:

Berechenbarkeit ist ein wichtiges Gut für eine Währung: Für die Wirtschaft und für die Menschen, die mit ihr zahlen. Genau deswegen wird der Bitcoin niemals ein echtes Zahlungsmittel werden. Denn niemand kann für die Zukunft versprechen, dass nicht wieder eine Aufspaltung kommt (in: Der Bitcoin wird nie echtes Zahlungsmittel)

Das gilt natürlich für andere Währungen, wie den Euro, ebenfalls. Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass der Euro eines Tages nicht doch ersetzt wird oder zusammenbricht. Beispiele für Währungen, die zusammengebrochen sind, gibt es genügend. Jedoch handelt es sich bei Kryptowährungen wie Bitcoin insofern um ein neues Phänomen, da hier ein relativ kleiner Kreis, der eine große Rechenleistung und beträchtliches (Investitions-)Kapital auf sich vereint, die Spaltung der Währung durchsetzen kann. Ein Vorgang, der sich jederzeit wiederholen kann; aus unterschiedlichen Motiven, jedoch meistens von eigenen Interessen geleitet. Jedenfalls dürften die chinesischen Miner einen großen Einfluss auf Bitcoin Cash haben. Ob diese dann mit denen der anderen Marktteilnehmer übereinstimmen, ist keinesfalls sicher.

Als im vergangen Jahr die DAO-Community vor der Frage stand, ob man einen Hard Fork durchführen solle, bemerkte Kyle Torpey in The DAO Disaster Illustrates Differing Philosophies in Bitcoin and Ethereum:

Whether the Ethereum community is making the right decision or not, it’s undoubtedly true that the state of any blockchain is only valid if it’s accepted socially. These networks are about much more than computer code.

So unterschiedlich sind die Philosophien von Bitcoin und Ethereum scheinbar nicht.

Die Zukunft der Kryptowährungen könnte deutlich profaner aussehen, als viele noch annehmen. Einen Ausblick darauf gab vor einiger Zeit Robert S. Shiller. Kryptowährungen als Wertmesser bzw. Indikatoren:

I believe that electronic forms of money could give us better pricing, contracting and risk management.

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2 Kommentare zu Bitcoin: Getrennte Welten

  1. Pingback: Finanzblogroll - Schulterblick - Finanzartikel KW 31 / 2017

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