Die BBBank meldet für 2025 Rekordwerte. Im Oktober kamen wir auf Bankstil zu der Einschätzung, das Institut sei eine Durchgangsstation ohne strategische Identität: Widerlegen die Zahlen die These – oder bestätigen sie sie auf andere Weise?
Im Oktober 2025 lautete die Diagnose an dieser Stelle[1]Das Ende der Genossenschaftsromantik: Die BBBank ist keine Bank mit Vision, sondern eine Fusionsdrehscheibe auf dem Weg zur Bedeutungslosigkeit oder zur fremdbestimmten Übernahme. Das „Dilemma der Mitte” wurde als strukturelles Urteil formuliert – zu groß für echte Nischenstärke, zu schwach für systemrelevante Wirkung.
Nun liegen die Jahreszahlen vor[2]BBBank meldet Rekordergebnis nach Fusion mit PSD Bank. Das operative Ergebnis stieg auf 110,9 Millionen Euro, der Zinsüberschuss auf 285 Millionen Euro, der Jahresgewinn auf 20,6 Millionen Euro. Vorstandschef Oliver Lüsch verweist auf 36.000 neu gewonnene Kunden, eine starke Zunahme der Kundeneinlagen und ein gewachsenes Kreditneugeschäft. Das klingt nach breiter Dynamik. Die Frage ist berechtigt: Muss die Diagnose vom Oktober revidiert werden?
Was die Zahlen beweisen – und was nicht
Die Antwort ist nüchtern: Die Zahlen beweisen operative Kompetenz. Sie beweisen, dass ein Fusionsprozess reibungsärmer als erwartet verlaufen kann. Sie beweisen, dass das Zinsumfeld der vergangenen Jahre dem Institut zugutekam. Was sie nicht beweisen, ist eine Überwindung des strukturellen Problems.
Denn der Sprung bei Zinsüberschuss und operativem Ergebnis ist zu erheblichen Teilen fusionsbedingt. Die Zusammenführung mit der PSD Bank Berlin-Brandenburg brachte Bilanzsumme, Einlagen und Kundenzahlen in die Konzernrechnung – und damit die Grundlage für höhere Zinserträge: Mehr Einlagen bedeuten mehr Refinanzierungsvolumen, mehr Kreditvergabepotenzial und bei positiver Zinsmarge entsprechend mehr Zinsüberschuss. Was sich in der GuV als Wachstum darstellt, ist bilanztechnisch zunächst Konsolidierung – der Ausweis zweier zusammengeführter Ertragsströme als einer. Das gilt auch für die in der dpa-Meldung kommunizierten 36.000 neuen Kunden: Einlagen- und Kreditwachstum lassen sich nicht ohne weiteres als organische Marktgewinne verbuchen, solange unklar bleibt, welcher Anteil davon schlicht die Integration des übernommenen Instituts abbildet.
Die These bleibt – aber sie wird differenzierter
Dennoch wäre es falsch, die Oktober-Diagnose unverändert stehen zu lassen. Ein Punkt bedarf der Korrektur: Die Einschätzung, die BBBank verfüge nicht über die Managementqualität für ein komplexes Fusionsgeschäft, war schärfer formuliert als die verfügbare Evidenz erlaubt. Die vorliegenden Zahlen sprechen gegen eine operative Überforderung – zumindest bislang. Integrationskomplexität zeigt sich erfahrungsgemäß erst mit Verzögerung, aber das Ergebnis des ersten vollen Fusionsjahres ist kein Beleg für Scheitern.
Was bleibt: Das Kernproblem ist nicht behoben. Die BBBank ist größer geworden – aber nicht anders. Ihr Profil ist dasselbe wie im Oktober: solide, konservativ, unauffällig. Eine Bank für Beamte und klassische Sparer, die sich durch Konsolidierung statistisch bedeutsamer gemacht hat, ohne dabei strategisch erkennbarer zu werden. Größe ist kein Ersatz für Positionierung.
Konsolidierung als Selbstzweck
Die angekündigte Fusion mit der PSD Bank Hessen-Thüringen verlängert das Muster. Damit erhärtet sich eine Beobachtung, die im Oktober noch als Verdacht formuliert wurde: Die Konsolidierungsstrategie der BBBank folgt weniger einer offensiven Wachstumslogik als einer defensiven Absorption von Instituten, die unter eigener Regie nicht mehr tragfähig sind.
Das ist keine Kritik an der Entscheidung selbst – sie ist unter den gegebenen Sektorbedingungen rational. Aber es ist eine andere Geschichte als die, die in Pressemitteilungen erzählt wird. Wer schrumpfende Nischenbanken übernimmt, gewinnt Volumen, aber auch deren strukturelle Altlasten: heterogene IT-Systeme, auslaufende Zielgruppenbindungen, Mitglieder ohne echte Identifikation mit dem neuen Verbund.
Das Zinsproblem steht noch bevor
Hinzu kommt ein makroökonomisches Risiko, das die Rekordmeldung überlagert: Das Zinsergebnis der BBBank profitierte vom Zinsanstieg der Jahre 2022 bis 2024. Mit den seither eingeleiteten EZB-Zinssenkungen dürfte dieser Rückenwind nachlassen. Genossenschaftliche Privatkundenbanken mit starkem Einlagengeschäft sind davon strukturell besonders betroffen. Die eigentliche Belastungsprobe für das fusionierte Institut steht also noch aus.
Synthese: Besser als erwartet, aber nicht gut genug
Was bleibt von beiden Perspektiven? Die Oktober-These war in ihrer Schärfe stellenweise überzogen – die operative Leistung verdient Anerkennung. Die Grunddiagnose jedoch hält: Die BBBank hat das Dilemma der Mitte nicht überwunden, sie hat es nur teurer gemacht.
Größe schafft Zeit. Sie schafft Spielraum für Skaleneffekte, für IT-Konsolidierung, für schrittweise Professionalisierung des Managements. Aber Zeit ist keine Strategie. Die entscheidende Frage, die das Institut bislang nicht beantwortet hat, lautet: Was ist die BBBank in zehn Jahren – und warum sollte ein Kunde, ein Mitglied, ein Mitarbeiter das erstrebenswert finden? Oder ist sie irgendwann durch Fusionen so groß geworden, dass sie für den Sektor der Genossenschaftsbanken dann schon systemrelevant ist – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt?
Solange diese Fragen offen bleiben, bestätigen auch Rekordjahreszahlen nur, dass die Fusionsdrehscheibe sich dreht. Nicht, dass sie ein Ziel hat.
Ralf Keuper
References
