Die dwp­bank kün­digt mit WP3 eine cloud-nati­ve Wert­pa­pier­platt­form für zwei Drit­tel deut­scher Ban­ken an – mit Micro­ser­vices, Bare-Metal-Kuber­netes und Acti­ve/Ac­ti­ve-Betrieb. Die Ankün­di­gung folgt dem bekann­ten Mus­ter der deut­schen Finanz-IT: tech­no­lo­gisch ambi­tio­niert, archi­tek­to­nisch über­zeu­gend, insti­tu­tio­nell fra­gil. Eine Ana­ly­se der struk­tu­rel­len Hür­den zwi­schen Kon­zept und Umsetzung.


Die Ankün­di­gung als Symptom

Die dwp­bank posi­tio­niert ihre WP3-Platt­form als Ant­wort auf jene Pro­ble­me, an denen Finanz Infor­ma­tik und Atru­via seit Jah­ren labo­rie­ren: Lega­cy-Ablö­sung, Moder­ni­sie­rung mono­li­thi­scher Struk­tu­ren, regu­la­to­ri­sche Agi­li­tät. Cloud-nati­ve Archi­tek­tur, Micro­ser­vices auf Bare-Metal-Kuber­netes, zwei Rechen­zen­tren im Acti­ve/Ac­ti­ve-Betrieb – die tech­ni­sche Road­map liest sich wie ein Lehr­buch­bei­spiel zeit­ge­mä­ßer Infrastruktur-Strategie.

Bemer­kens­wert ist nicht die tech­no­lo­gi­sche Ambi­ti­on, son­dern der insti­tu­tio­nel­le Kon­text. WP3 ope­riert im glei­chen Öko­sys­tem genos­sen­schaft­li­cher und spar­kas­sen­na­her IT-Dienst­leis­ter, das struk­tu­rell für Kon­sens­zwän­ge, Gover­nan­ce-Kom­ple­xi­tät und risi­ko­aver­se Ent­schei­dungs­pro­zes­se bekannt ist. Die Fra­ge ist nicht, ob die Archi­tek­tur theo­re­tisch funk­tio­nie­ren kann, son­dern ob sie im prak­ti­schen Betrieb die Ver­spre­chun­gen ein­löst – oder ob sich hier erneut die “PR-Sche­re” öff­net zwi­schen kom­mu­ni­zier­ter Inno­va­ti­on und ope­ra­ti­ver Realität.

Archi­tek­to­ni­sche Ver­spre­chen und ope­ra­ti­ve Risiken

Active/​Active als Prüf­stein: Der ange­kün­dig­te Betrieb zwei­er Rechen­zen­tren im Acti­ve/Ac­ti­ve-Modus mit auto­ma­ti­sier­tem Fail­over “im Minu­ten­be­reich” mar­kiert eine kri­ti­sche Schwach­stel­le. Ech­te Acti­ve/Ac­ti­ve-Archi­tek­tu­ren auf Kuber­netes mit Sta­te-Syn­chro­ni­sa­ti­on erfor­dern Mil­li­se­kun­den-Latenz, kon­sis­ten­te Daten­hal­tung über Rechen­zen­tren hin­weg und feh­ler­freie Split-Brain-Prä­ven­ti­on. “Minu­ten” als Zeit­rah­men deu­tet auf manu­el­le Ein­grif­fe oder semi-auto­ma­ti­sier­te Pro­zes­se hin – ein Hin­weis dar­auf, dass zwi­schen Archi­tek­tur-Dia­gramm und Pro­duk­tiv­be­trieb erheb­li­che Kom­pro­mis­se liegen.

Mikro­ser­vices ohne Trans­ak­ti­ons­gren­zen: Die Zer­le­gung mono­li­thi­scher Struk­tu­ren in Micro­ser­vices ist archi­tek­to­nisch sinn­voll – schei­tert aber regel­mä­ßig an der Rea­li­tät ver­teil­ter Trans­ak­tio­nen. Wenn die neue Ser­vice-Archi­tek­tur wei­ter­hin auf zen­tra­le, rela­tio­na­le Daten­ban­ken zugreift oder wenn die Trans­ak­ti­ons­gren­zen nicht sau­ber zwi­schen Ser­vices gezo­gen sind, ent­steht ein “ver­teil­ter Mono­lith”: äuße…