Die VR Plus Alt­mark-Wend­land eG trennt sich von vier ihrer fünf Geschäfts­fel­der. Was als stra­te­gi­sche Neu­aus­rich­tung kom­mu­ni­ziert wird, ist in Wahr­heit ein erzwun­ge­ner Rück­bau unter auf­sichts­recht­li­chem Druck – und ein Lehr­stück über die Gren­zen des gemischt­wirt­schaft­li­chen Genossenschaftsmodells.


Der Fall

Mit­te März 2026 teil­te der Vor­stand der VR Plus Alt­mark-Wend­land auf einer Mit­ar­bei­ter­ver­samm­lung mit, dass die Berei­che Tech­nik, Ener­gie, Agrar und Markt (TEAM) abge­sto­ßen wer­den. Übrig bleibt das Kern­ge­schäft Bank. Rund 600 der gut 800 Beschäf­tig­ten sind betrof­fen – sie wer­den zum Jah­res­en­de einen neu­en Arbeit­ge­ber haben oder auf dem Arbeits­markt einer struk­tur­schwa­chen Regi­on nach Alter­na­ti­ven suchen müs­sen. An über 40 Stand­or­ten in vier Bun­des­län­dern betreibt die Genos­sen­schaft Bau­märk­te, Tank­stel­len, Land­tech­nik­werk­stät­ten und Agrar­la­ger, die nun Käu­fer oder Nach­fol­ger fin­den müssen.

Die offi­zi­el­le Erzäh­lung und ihre Lücken

Die Bank betont, die Neu­struk­tu­rie­rung habe nichts mit der BaFin-Rüge vom Okto­ber 2024 zu tun. Das ist for­mal mög­li­cher­wei­se kor­rekt – und sub­stan­zi­ell unglaub­wür­dig. Die BaFin hat­te nach einer Son­der­prü­fung zusätz­li­che Eigen­mit­tel­an­for­de­run­gen ange­ord­net und Män­gel in der Geschäfts­or­ga­ni­sa­ti­on gemäß § 25a KWG fest­ge­stellt. Im Dezem­ber 2025 ver­wei­ger­ten die Mit­glie­der auf der Gene­ral­ver­samm­lung Vor­stand und Auf­sichts­rat die Ent­las­tung; der Ver­bands­prü­fer attes­tier­te erneut schlech­te Noten, das Betriebs­er­geb­nis galt als unzu­rei­chend. Zuvor war der Vor­stand mehr­fach umge­baut wor­den – ein klas­si­sches Mus­ter insti­tu­tio­nel­ler Erosion.

Der jet­zi­ge Vor­stand for­mu­liert es immer­hin ehr­li­cher als sei­ne Vor­gän­ger: Man sei nicht immer am Puls der Zeit gewe­sen und in einen Abwärts­stru­del gera­ten. Die Frist, die Schief­la­ge bis Ende 2026 zu kor­ri­gie­ren, lässt wenig Raum für Deu­tun­gen: Hier han­delt eine Bank unter Zeit­druck, nicht aus stra­te­gi­scher Weitsicht.

Gemischt­wirt­schaft­lich­keit: His­to­ri­sche Logik, regu­la­to­ri­sche Kollision

Die VR Plus war ein Uni­kum im deut­schen Genos­sen­schafts­sek­tor. Gegrün­det 1917 als dörf­li­che Spar- und Dar­le­hens­kas­se, wuchs sie durch eine Serie von Fusio­nen und Inte­gra­tio­nen – Vieh­ver­mark­tung, Bezugs- und Absatz­ge­nos­sen­schaf­ten, Bau­stoff­han­del, Land­tech­nik – zu einem gemischt­wirt­schaft­li­chen Gebil­de mit rund einer Mil­li­ar­de Euro Bilanz­sum­me. Die Logik die­ses Modells war regio­nal ver­an­kert: In einer dünn besie­del­ten Agrar­re­gi­on zwi­schen Wend­land und Alt­mark über­nahm die Genos­sen­schaft die Funk­ti­on eines uni­ver­sa­len Infra­struk­tur­ver­sor­gers. Wo kein pri­va­ter Anbie­ter hin­geht, springt die Genos­sen­schaft ein – das war der impli­zi­te Gesellschaftsvertrag.

Die­ses Modell steht nun in einem dop­pel­ten Spannung…