Pay­Pal hat zwei Jahr­zehn­te lang die digi­ta­le Check­out-Inter­me­dia­ti­on kon­trol­liert. Mit der Ent­ste­hung von Agen­ten-Pro­to­kol­len wie AP2 droht dem Unter­neh­men eine dop­pel­te Dis­in­ter­me­dia­ti­on – von oben durch KI-Assis­ten­ten, von unten durch stan­dar­di­sier­te Pay­ment-Pro­to­kol­le. Pay­Pal hat die stra­te­gi­sche Fra­ge bereits beant­wor­tet: nicht durch Inte­gra­ti­on in frem­de Pro­to­kol­le, son­dern durch Auf­bau eige­ner Agen­ten-Infra­struk­tur. Ob die­se Ant­wort trägt, hängt davon ab, ob Pay­Pal schnel­ler Fak­ten schaf­fen kann als Goog­le Stan­dards setzt.


Fünf zen­tra­le Erkennt­nis­se: Pay­Pals Stra­te­gie im agen­ti­schen Handel

1. Dop­pel­te Dis­in­ter­me­dia­ti­on bedroht Pay­Pals Geschäftsmodell

Pay­Pal wird gleich­zei­tig von zwei Sei­ten unter Druck gesetzt: Von oben über­neh­men KI-Agen­ten die Kauf­ent­schei­dung und Zah­lungs­mit­tel­wahl vom Nut­zer – Pay­Pal wird zu “einer Opti­on unter vie­len” statt zur prä­fe­rier­ten Lösung. Von unten stan­dar­di­sie­ren Pro­to­kol­le wie Goo­gles AP2 den Zah­lungs-Hand­shake zwi­schen Agen­ten und ver­schie­de­nen Pay­ment-Rails – Pay­Pals pro­prie­tä­re Check­out-Kon­trol­le ver­schwin­det. Die struk­tu­rel­le Par­al­le­le: Genau so, wie Pay­Pal einst zwi­schen Nut­zer und Händ­ler trat, tritt jetzt der Agent zwi­schen Nut­zer und PayPal.

2. Pay­Pal wählt den Weg der Händ­ler-Midd­le­wa­re statt Protokoll-Integration 

Anders als Revo­lut, das sich in Goo­gles AP2 inte­griert, baut Pay­Pal mit Agent Rea­dy und Shop Sync eine eige­ne “One-to-Many”-Infrastruktur. Händ­ler inte­grie­ren ein­mal über Pay­Pal und sind auto­ma­tisch auf allen ange­bun­de­nen KI-Platt­for­men (Per­ple­xi­ty, ChatGPT, Gemi­ni) sicht­bar. Pay­Pal posi­tio­niert sich nicht als “ver­füg­ba­re Zah­lungs­op­ti­on” inner­halb frem­der Pro­to­kol­le, son­dern als Orchestra­tor der Händ­ler-Sicht­bar­keit in Agen­ten-Öko­sys­te­men. Das ist kein defen­si­ver Rück­zug, son­dern der Ver­such, eine neue Inter­me­dia­ti­ons­ebe­ne zu kontrollieren.

3. Stra­te­gi­scher Kon­trast: Revo­lut akzep­tiert Goog­le als Orchestra­tor, Pay­Pal will es bleiben 

Revo­lut bin­det sich an Goo­gles AP2-Pro­to­koll, akzep­tiert Goog­le als Orchestra­tor der Zah­lungs­flows und sichert sich dafür einen Slot im ent­ste­hen­den Stan­dard-Stack. Pay­Pal baut eige­ne Midd­le­wa­re, die platt­form-agnos­tisch mit ver­schie­de­nen KI-Öko­sys­te­men kom­pa­ti­bel sein soll. Revo­lut wird “eine Opti­on”, Pay­Pal will “die Infra­struk­tur” sein. Die­se Stra­te­gie ist ris­kan­ter, aber poten­zi­ell lukra­ti­ver – vor­aus­ge­setzt, Pay­Pal kann Händ­ler schnel­ler inte­grie­ren als Goog­le Stan­dards setzt.

4. Pro­prie­tä­re Midd­le­wa­re vs. offe­ne Pro­to­kol­le: Eine his­to­risch fra­gi­le Wette 

Pay­Pals Stra­te­gie basiert auf der Annah­me, dass KI-Platt­for­men bereit sind, mit Pay­Pals pro­prie­tä­rer Lösung zu arbei­ten, statt eige­ne Stan­dards durch­zu­set­zen. His­to­risch haben sol­che Stra­te­gien sel­ten funk­tio­niert – die Macht liegt bei denen, die Nut­zer kon­trol­lie­ren, nicht bei denen, die Infra­struk­tur bereit­stel­len. Pay­Pals Vor­teil: 400 Mil­lio­nen Accounts sind selbst eine Nut­zer-Sei­te, die KI-Platt­for­men nicht igno­rie­ren kön­nen. Das Timing ent­schei­det: Wenn Pay­Pal bis Ende 2026 signi­fi­kan­te Händ­ler-Inte­gra­ti­on erreicht, könn­te die Stra­te­gie tra­gen. Wenn Goog­le AP2 vor­her als domi­nan­ten Stan­dard eta­bliert, wird Pay­Pals Midd­le­wa­re nachgelagert.

5. Die Goog­le-Pay­Pal-Alli­anz ist stra­te­gisch inkonsistent

Pay­Pal koope­riert mit Goog­le bei klas­si­schen Check­outs (Goog­le Cloud, Play Store), fehlt aber als Part­ner in Goo­gles AP2-Pro­to­koll für Agen­ten-Zah­lun­gen. Die­se Inkon­sis­tenz zeigt: Ent­we­der will Pay­Pal mit Agent Ready/​Shop Sync eine von Goog­le unab­hän­gi­ge Lösung – oder Goog­le sieht in Pay­Pal kei­nen stra­te­gi­schen Part­ner für die nächs­te Com­mer­ce-Gene­ra­ti­on. Bei­de Inter­pre­ta­tio­nen sind pro­ble­ma­tisch für Pay­Pal. Die Alli­anz ver­schärft zudem die Markt­kon­zen­tra­ti­on ohne Pay­Pal in die Agen­ten-Zukunft ein­zu­bin­den. Pay­Pal ist Part­ner für ges­tern, aber nicht zwin­gend für morgen.

Die Aus­gangs­la­ge: Inter­me­dia­ti­on als Geschäftsmodell

Pay­Pal ver­dient sein Geld damit, zwi­schen Käu­fer und Ver­käu­fer zu ste­hen. Das Unter­neh­men redu­ziert Check­out-Frik­ti­on, abs­tra­hiert Zah­lungs­mit­tel, bie­tet Käu­fer­schutz und mone­ta­ri­siert die­se Posi­ti­on durch Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren, Float auf Gut­ha­ben und zuneh­mend durch Kre­dit­ver­ga­be. Mit rund 400 Mil­lio­nen akti­ven Accounts hat Pay­Pal eine der größ­ten instal­lier­ten Basen im digi­ta­len Zah­lungs­ver­kehr aufgebaut.

Die­se Posi­ti­on basier­te auf zwei struk­tu­rel­len Vor­tei­len: Ers­tens kon­trol­lier­te Pay­Pal den Moment der Kauf­ent­schei­dung – der „Pay with PayPal”-Button war die Schnitt­stel­le, über die Zah­lungs­mit­tel­wahl und Trans­ak­ti­ons­rou­ting statt­fan­den. Zwei­tens war Pay­Pal schnel­ler und rei­bungs­är­mer als Alter­na­ti­ven, ins­be­son­de­re als manu­el­le Kar­ten­ein­ga­ben oder Banküberweisungen.

Bei­de Vor­tei­le erodieren.

Dis­in­ter­me­dia­ti­on von oben: Die Agen­ten übernehmen

Mit der Ent­ste­hung von KI-Agen­ten – sei es Goog­le Assistant, Ale­xa, ChatGPT-basier­te Shop­ping-Bots oder spe­zia­li­sier­te Com­mer­ce-Assis­ten­ten – ver­schiebt sich die Kon­trol­le über den Kauf­pro­zess. Der Nut­zer dele­giert nicht mehr nur die Zah­lungs­ab­wick­lung an Pay­Pal, son­dern den gesam­ten Kauf­vor­gang an einen Agen­ten. Die­ser Agent wählt dann die Zah­lungs­me­tho­de nach eige­nen Kri­te­ri­en: Kos­ten, Geschwin­dig­keit, Rewards, Verfügbarkeit.

In die­sem Sze­na­rio wird Pay­Pal zu „einer Opti­on unter vie­len”. Nicht mehr die Nut­zer-Gewohn­heit („ich zah­le immer mit Pay­Pal”) ent­schei­det, son­dern die Opti­mie­rungs­lo­gik des Agen­ten. Wenn ein Agent sys­te­ma­tisch die kos­ten­güns­tigs­te Rail bevor­zugt – etwa Account-to-Account-Zah­lun­gen via SEPA Instant statt Pay­Pal mit 2–3% Gebüh­ren –, bricht Pay­Pals Volu­men ein.

Die struk­tu­rel­le Par­al­le­le ist offen­sicht­lich: Genau so, wie Pay­Pal einst zwi­schen Nut­zer und Händ­ler trat und die direk­te Bezie­hung intermediie…