Erfolgsfaktoren bei der Einführung von Standardsoftware in Banken

Von Ralf Keuper

Anders als in der Industrie, wo sich vor allem SAP als Standardsoftware durchgesetzt hat, konnte sich in der Finanzbranche bis heute kein vergleichbares Produkt etablieren. Viele Banken ziehen es vor, für ihre Kernprozesse eigene Software zu entwickeln, wie die Santander mit Partenón. Die Deutsche Bank wollte mit dem Magellan-Projekt auf SAP wechseln – das Vorhaben geriet jedoch, u.a. wegen des Zick-Zack-Kurses bei der Integration der Postbank, ins Stocken. Die Erfahrungen anderer Banken liefern ein ähnliches Bild: Die Erfolgsbilanz ist bestenfalls durchwachsen.

An Studien, die versuchen, die Ursachen von Fehlschlägen bei der Einführung von Standardsoftware/Kernbankensysteme zu ermitteln, hat es in der Vergangenheit nicht gefehlt. Beispielhaft dafür ist Success Factors in the Introduction of Standard Software in Core Processes of Banks aus dem Jahr 2004/2005.

Die Banken sind in gewisser Hinsicht Opfer ihrer Vorreiterrolle bei der Einführung neuer Informationstechnologien:

… the financial services industry had been an early adopter of software support in its core business processes, which has resulted in many legacy applications still being in use today.

Die Einführung eines neuen Kernbankensystems ist technisch durchaus anspruchsvoll, die eigentlichen Herausforderungen liegen jedoch auf der organisatorischen Ebene, im Auswahlprozess und auf der Investitionsseite:

Critical challenges can often be found in organizational rather than in technical aspects. The first major decision concerning the introduction of standard software is the vendor selection. Brenner (1990) identifies three major types of selections of standard software: strategic selection, selection according to corporate policies and standards and selection of an isolated solution. The first type is a selection that a company only makes once. If a strategic decision concerning a vendor has already been made, subsequent solutions can only attempt to comply with the standard or to select an isolated solution. The latter is only recommended in a few cases.

Die Wahl eines Kernbankensystem hat eine hohe strategische Bedeutung; sie zieht eine Reihe weiterer Entscheidungen und Weichstellungen nach sich, die auf die Organisationsstruktur und die Unternehmenskultur einwirken. Erfolgt die Wahl überwiegend aus politischen Gründen, dann ist der Misserfolg in den meisten Fällen vorprogrammiert.

In der erwähnten Studie untersuchten die Autoren Einführungsprojekte bei der Postbank, der Wfa (WestLB), der DZ Bank und der Münchener Hyp; auf den ersten Blick ein guter Querschnitt der deutschen Bankenlandschaft: Eine bundesweit aktive Retail-Bank (Postbank), das Spitzeninstitut einer Regionalbankengruppe (DZ Bank), eine Spezialbank bzw. öffentlich-rechtliche Bank (Wfa) und eine mittlere Regionalbank (Münchenener Hypothekenkbank).

Folgende Problemfelder konnten identifiziert werden:

  • greater testing efforts than initially planned
  • more functionality requirements than covered by the standard software,
  • leading to greater customization efforts than expected,
  • ensuring operational business functionality during the project
  • greater data migration complexity than expected, and
  • general resistance to changes in the employee body, which required specific change management measures.

Das dürften auch heute noch die größten Knackpunkte sein.

Als Erfolgsfaktoren wurden ermittelt:

  • Top management support,
  • High motivation of project staff
  • Rigid project management,
  • Early involvement of business units,
  • Mixed teams including IT and business functions,
  • Management of expectations, and
  • Open communication.

Success factors not identified as such in studies on other industries and thus apparently specific to core banking software introduction were mainly:

  • Step-by-step introduction to control complexity and risk,
  • Thorough definition of requirements and target architecture,
  • Extensive test management,
  • Cross-project coordination to reflect the complex interdependencies typical of banking software support processes across business units,
  • Release management coordinating the roll-out of new releases across multiple modules and business units,
  • Good cooperation with the implementation partners, and
  • Process redesign reflecting the standard processes as supported by the standard software

Auch das dürfte noch weitgehend aktuell sein.

Dennoch reißen die Meldungen, die von fehlgeschlagenen, deutlich über den Plan liegenden oder fehlerhaften Einführungsprojekten von Standard-Software berichten, nicht ab, wie im Fall der Raiffeisenbank in der Schweiz. Für internationale Schlagzeilen sorgte kürzlich das “Migrationsdebakel” der britischen TSB Bank.

Wie es aussieht, hält die Suche nach den Erfolgsfaktoren an – bzw. die Beherzigung derselben lässt weiter auf sich warten.

Als Fazit ihrer Studie hielten die Autoren fest:

To improve the findings’ empirical generalizability, more case studies and more detailed data are needed. Further research will therefore strive to broaden the empirical basis of the academic analysis. Subsequently, those results need to be reconciled with and compared to findings from ERP research conducted in other industries. This may lead to a better understanding of how standard application software in an enterprise’s business critical core processes is selected, introduced and managed.

Unterdessen sind die Anforderungen an Standardsoftware im Banking nicht geringer geworden, wie das Beispiel TSB zeigt. Es stellt sich die Frage, ob die Banken sowohl technisch wie auch organisatorisch noch in der Lage sind, die Komplexität des (online) Banking abzudecken. Wenn dann noch der Informationsaustausch mit Dritten über Offene Schnittstelle, Open Innovation, Echtzeitverarbeitung, Künstliche Intelligenz/Sprachassistenten, Digitales Onboarding und weitere Aspekte hinzu kommen, erscheint es fraglich, ob die Banken das bisherige Spektrum an Funktionen und Dienstleistungen aufrecht erhalten können. Das Konzept der Universalbank stösst auch in der IT an fundamentale Grenzen.

Bemerkenswert auch, dass selbst Genossenschaftsbanken nicht immer die IT-Systeme der gruppeneigenen IT-Dienstleister wählen, wie bei der Apobank, die sich gegen die Fiducia & GAD und für Avaloq entschieden hat.

Bei der Fiducia & GAD IT sollen die bislang getrennt von einander bestehenden Kernbankensysteme agree und Bank 21 bis zum Jahr 2019 auf eine gemeinsame Plattform, agree, migriert werden. Ob sich die Fiducia & GAD mit dem Wechsel auf agree einen Gefallen getan hat, und vielleicht doch besser Bank21 genommen oder gleich ein neues System entwickelt hätte, darüber kann man durchaus geteilter Meinung sein (Vgl. dazu: Dauerbaustelle Bank-IT).

Ende offen. Fortsetzung folgt.

Weitere Informationen:

What can banks learn from the TSB IT disaster?

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Bargeldsymposium 2018: Bargeld, Giralgeld, Vollgeld – Martin Hellwig

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“Banken und Finanzdienstleistern durch kreative Ideen einen echten Vorsprung verschaffen” – Interview mit Frank Wolff (fincrowd.one)  

Frank Wolff

Wenn es um die Zukunft ihres Geschäftsmodells geht, tun sich die Banken für gewöhnlich schwer, Impulse von außen aufzunehmen. In Zeiten, in denen sich das Wettbewerbsumfeld in bislang nicht gekanntem Ausmaß ändert, ist diese Haltung waghalsig. Die Fintech-Startups sind eine Antwort auf die Versäumnisse der Vergangenheit. Branchenfremde Mitbewerber wie Google oder Amazon sind durchaus in der Lage, mit den Banken in direkte Konkurrenz zu treten. Die Plattformökonomie hat ihre eigenen Gesetze, denen sich die Banken nicht (mehr) entziehen können. Geschlossene Systeme, die im eigenen Saft schmoren, werden bald vom Markt verschwinden oder in den Hintergrund gedrängt. Die Zufuhr frischer Ideen, die Bereitschaft die eigenen Annahmen infrage zu stellen, ist der Kern von Open Innovation. Entsprechende Initiativen im Banking sind noch rar gesät. Eine Ausnahme in fincrowd.one in der Schweiz. Im Gespräch mit Bankstil erläutert Frank Wolff (Foto), Gründer von CROWDWERK.net, welche Vorteile Open Innovation Communities für Banken und deren Kunden bieten, welche Vorreiter es in der Schweiz auf dem Gebiet bereits gibt, wie die Banken ihre Rolle als Intermediäre erneuern können und inwieweit sich das Banking in den nächsten Jahren verändern wird. 

  • Frank, was ist fincrowd.one, welche Motivation steht dahinter?

fincrowd ist eine Open Innovation-Community speziell für Banking, Finance und Fintech – es geht also darum, mit einer grossen Gruppe von Leuten Ideen zu entwickeln für die brennenden Fragestellungen aus diesem Segment. Das geschieht in offenen sogenannten Crowdstormings, bei denen die besten Ideen anschliessend mit einer Prämie verdankt werden. Nicht ausgeschlossen ist, dass es im Anschluss an die Crowdstormings zu weiteren Kontakten und Projekten zwischen Auftraggeber und Ideengeber kommt. fincrowd basiert auf der CROWDWERK-Plattform mit rund 1’300 Mitgliedern und jeder kann sich der Community anschliessen.

  • Warum ist das Thema Open Innovation für das Banking relevant – was haben Banken, deren Kunden und die Ideengeber davon?

Das Banking steckt – auch wenn das nicht alle Bänker so sehen – in einer fundamentalen Krise: Derzeit kann keiner sagen, ob es morgen Banken heutiger Machart noch geben wird. So wie die Herausforderungen selbst kommen wohl auch die Lösungen dafür nicht von innen, weil es nicht in den Genen von Banken liegt ihre eigenen Geschäftsmodelle über den Haufen zu werfen. Es braucht Ideen von aussen – am besten von Menschen, die (wie Henry Ford das mal gesagt hat) “noch nicht wissen, was nicht geht”.

  • Wie kann man sich ein Projekt vorstellen – welche Varianten gibt es?

Am Anfang eines Projektes steht eine klar formulierte Aufgabenstellung – ein Beispiel könnte die Frage nach der künftigen Gestaltung der Grossstadt-Bankfiliale einer Retailbank sein. Dazu wird die Prämie für die besten Ideen sowie die Siegbedingung festgelegt – und dann startet die Crowd mit der Entwicklung von Ideen. Das ganze kann für alle sichtbar oder verdeckt, ausführlich oder stichwortartig und mit beliebiger Laufzeit und frei wählbarem Teilnehmerkreis stattfinden. Besonders spannend ist es, Crowdstormings gezielt mit verschiedenen Gruppen durchzuführen – eine Ideensammlung mit einer buntgemischten Gruppe beispielsweise und einer anschliessenden Evaluation der Ideen durch eine Expertengruppe von Retailbänkern.

  • Besteht nicht die Gefahr, dass hier ein ausgelagertes Betriebliches Vorschlagswesen entsteht, das eine Alibi-Funktion übernimmt?

Augelagertes betriebliches Vorschlagswesen: ja, Alibi-Funktion: hoffentlich nein. Tatsächlich hat ein internes Vorschlagswesen oft eine Alibi-Funktion – vielleicht ist es aber gerade der Schritt nach draussen, der ein grösseres Mass an Ernsthaftigkeit und Umsetzungswillen mit sich bringt. Hat man erst einmal die Öffentlichkeit in die Ideenfindung eingebunden, steigt auch der Anreiz für eine pubikumswirksame Umsetzung.

  • Verfügen die Banken überhaupt über eine entsprechende Diskussionskultur bzw. Aufnahmefähigkeit- und bereitschaft – gibt es positive Beispiele?

Ja, es gibt solche positiven Beispiele: Hier in der Schweiz haben wir mit der “Hypi Lenzburg”, der Glarner Kantonalbank und neuerdings auch der Bank Cler einige Beispiele, die bereit sind bestehende Modelle in Frage zu stellen und für neue Lösungen Opfer zu bringen. Bei vielen anderen Banken dagegen haben Digitalisierungsprojekte einen ganz offensichtlichen Feigenblatt-Charakter: Man kann es sich nicht leisten nichts zu tun – also mischt man irgendwie mit. Bewegt wird dadurch aber gar nichts.

  • Die Rolle der Banken als Informations- und Finanzintermediäre ist in Auflösung begriffen – welche alternativen Geschäftsmodelle bleiben da noch?

Spannende Frage, mit der sich jede Bank beschäftigen sollte! Die Antwort ist alles andere als trivial und sollte wohl auf den Stärken von heute beruhen: Vertrauen und bestehende Kundenkontakte. Wir gehen genau dieser Frage in einem gerade laufenden Crowdstorming auf der Plattform nach. Aktuelles Zwischenfazit: An kreativen Ideen mangelt es nicht!

  • Die Schweizer Banken stehen für ein besonders hohes Maß an Diskretion – wie kann dieser Standortvorteil in die digitale Ökonomie überführt werden?

Davon bin ich überzeugt. Vertrauen und Vertraulichkeit werden im digitalen Zeitalter eine noch viel stärkere Rolle spielen. Hier haben die Schweizer Banken – nicht zuletzt wegen ihres Standortes auf einer “europäischen Insel” – beste Voraussetzungen, die es nun in die neue Welt zu übertragen gilt.

  • Könnte die Einführung eines Eigentums an den Daten, sowohl für Personen wie auch für Unternehmen, zu neuen Formen des Banking führen?

Wenn wir davon ausgehen, dass Daten eine der zentralen Ressourcen der Zukunft – eigentlich schon der Gegenwart – sind, wäre eine Art Data Banking durchaus die konsequente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells von Banken. Ganz von alleine wird sich das allerdings nicht einstellen: Die wirklich grossen Datenpools sind heute nicht bei den Banken sondern bei ganz anderen Gebilden zu finden. Die Banken brauchen clevere Modelle um sich hier eine Funktion als Intermediär zu sichern.

  • Frank, wie könnte das Banking in fünf Jahren aussehen – welchen Beitrag will fincrowd.one dazu leisten?

Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten fünf Jahren einen deutlichen Schrumpfungsprozess vor allem im Retail- und Filialbanking sehen – vorerst sorgen aber träge Kunden und (paradoxerweise) die strikte Regulierung noch für ein Weiterbestehen der Banken. Die fernere Zukunft sehe ich aber so: einerseits viele hochspezialisierte Serviceprovider, die einzelne Dienstleistungen (Kontoführung, Zahlungsverkehr, Portfolio Management usw.) extrem effizient, kostengünstig und vernetzt anbieten – und andererseits einige Finanzportale als Bindeglied zum Kunden, die dabei unterstützen die richtigen dieser Serviceprovider auszuwählen, für den Kunden zu bündeln und den Datenfluss zu koordinieren. Was wollen wir als fincrowd auf diesem Weg beitragen? Erstens Banken und Finanzdienstleistern, etablierte und neu gegründete, durch kreative Ideen einen echten Vorsprung auf dem Weg in die Zukunft zu verschaffen und zweitens allen fincrowdies, aktuellen und zukünftigen, die Möglichkeit geben einen aktiven Beitrag zur Transformation der Finanzbranche zu leisten.

  • Frank, besten Dank für das Gespräch.
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Bargeldsymposium 2018: Die Freiheit des Bürgers über sein Geld – Udo Di Fabio

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Banken als Information Fiduciaries

Von Ralf Keuper

Banken genießen bei den Kunden in puncto Datenschutz noch großes Vertrauen. Bis jetzt haben die Banken es nicht vermocht, daraus Kapital zu schlagen. Fairerweise muss man einräumen, dass die Kunden – bislang jedenfalls – in der Praxis dem Schutz ihrer Daten, wenn es um Bequemlichkeit geht, keinen allzu hohen Rang einräumen. Mit dem “Cambridge-Analytica – Skandal” und der DSGVO sowie demnächst der ePrivacy-Verordnung könnte die Sensibilität für das Thema auf Kundenseite zunehmen. Wenn dann noch Daten als Vermögenswerte behandelt werden, wird sich das Verhältnis der Privatpersonen und Unternehmen zu ihren Daten wandeln.

Wenn in den folgenden Ausführungen von Banken die Rede ist, dann sind damit Institutionen gemeint, wie es sie heute noch nicht gibt. Die neuen Banken könnten so etwas wie Information Fiduciaries sein. Interessanterweise führt das Rechenzentrum der Genossenschaftsbanken, die Fiducia GAD & IT AG, die Bezeichnung in ihrem Firmennamen.

Was kann man sich unter einem Information Fiduciary vorstellen? In Information Fiduciaries and the First Amendment erfahren wir:

Generally speaking, a fiduciary is one who has special obligations of loyalty and trustworthiness toward another person. The fiduciary must take care to act in the interests of the other person, who is sometimes called the principal, the beneficiary, or the client. The client puts their trust or confidence in the fiduciary, and the fiduciary has a duty not to betray that trust or confidence.

Fiduciaries often perform professional services or else manage money or property for their principals, beneficiaries, or clients. In almost every case, however, fiduciaries also handle sensitive personal information. That is because, at their core, fiduciary relationships are relationships of trust and confidence that involve the use and exchange of information.

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Treuhänder und seinen Klienten ist ein besonderes. Der Kunde kann und darf voraussetzen, dass der Treuhänder die Informationen, die ihm aus der Geschäftsbeziehung zukommen, nicht gegen ihn verwendet oder ohne sein explizites Einverständnis weiter gibt oder veräußert.

Because most professional relationships are fiduciary relationships, most professionals are also information fiduciaries. And that means, in particular, that professionals have duties to use the information they obtain about their clients for the client’s benefit and not to use the information to the client’s disadvantage.

Auch wenn sie nicht alle Verfahren offen legen können, müssen Organisationen, welche die Informationen, Daten und Identitäten der Klienten verwalten, durch ihr Verhalten beweisen, dass sie stets die Interessen ihrer Kunden im Blick haben:

By presenting themselves as trustworthy collectors and keepers of our individual data, and by emphasizing that, for reasons of security and competitiveness, they cannot be fully transparent, digital organizations induce relations of trust from us, so that we will continue to use their services,

Angesichts der “Macht der Algorithmen” auf die Entscheidungsfindung der Menschen, sind die Ansprüche an Information Fiduciaries den neuen Gegebenheiten anzupassen. Nur auf die Kräfte des Marktes zu vertrauen, reicht nicht:

.. we can no longer rely on the notion of special fiduciary relationships between individuals and companies to regulate the use and abuse of data. Instead, we must ask what duties of good faith and ethical conduct in the collection, analysis, use, sale and distribution of data are owed to the members of society as a whole. That is, our focus will shift from duties of confidentiality and loyalty to particular end-users to obligations of trustworthiness and fair play with respect to the general public. As we move from the world of the Internet to the Algorithmic Society, the horizons of our concern must expand accordingly.

Banken könnte dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Ihre Aufgabe wäre es, sich zu Daten-Banken weiter zu entwickeln oder gleich mit Ziel an den Start zu gehen. Die Daten, Identitäten und anderen digitalen Vermögenswerte (z.B. Technische Objekte) ihrer Kunden (Privatpersonen, Unternehmen, Öffentliche Institutionen) sicher zu verwahren, vor unberechtigtem Zugriff zu schützen, nicht gegen die Interessen der Kunden einzusetzen und eine auskömmliche Datendividende zu realisieren, ohne dabei zu spekulieren – so in etwa könnte das Aufgabenfeld aussehen. Der Bedarf an Institutionen oder Rollen, wie die eines Information Fiduciaries oder einer Datengenossenschaft, wird in den nächsten Jahren steigen. Die Kunden benötigen eine vertrauenswürdige Instanz, die ihre Interessen gegenüber den großen digitalen Plattformen wie Google, Amazon, facebook oder Alibaba vertreten.

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„Bancassurance: Versicherungs- und Finanzprodukte, die sich um den Kunden kümmern“ – Interview mit Jan Wichmann, Co-Founder @ BANKSapi

Jan Wichmann

Wie lassen sich die Verfahren der künstlichen Intelligenz so einsetzen, dass Kunden und Unternehmen unter dem Strich einen Vorteil daraus ziehen können? Diesen Spagat will das Münchener Startup BANKSapi vollziehen. Mittels Bancassurance 2.0 soll der Kunde ein “finanzielles Blutbild” aus einer Hand erhalten. Ausgangspunkt ist der Kontoauszug: sozioökonomische Daten, erweitert um kontextuelle Informationen. Auf Basis der Diagnose kann der Kunde zusammen mit seiner Bank und/oder seinem Versicherer Schritte einleiten, um seine Finanzen an seine Lebenssituation anzupassen und möglichen Engpässen in der Zukunft vorzubeugen.  Im Gespräch mit Bankstil erläutert Jan Wichmann (Foto), Co-Founder von BANKSapi, u.a. welche Anwendungsfälle schon existieren, an welchen Stellen die künstliche Intelligenz zum Zuge kommt, was BANKSapi von anderen Datenaggregatoren unterscheidet und warum das Unternehmen mit “Datenschutz made in Germany” wirbt. 

  • Herr Wichmann, was genau macht BANKSapi?

BANKSapi GmbH ist ein Banking-as-a-Service Provider aus München. Wir stellen eine API bereit, mit der User auf ihre Konten, Kreditkarten, Bausparkassenverträge und Depots mittels der Frontend-Anwendungen unserer Lizenznehmer zugreifen können: BANKS/Connect und WEALTH/Connect.

Mit INSUR/Connect klassifizieren wir Kontoumsätze nach Versicherungsprodukten, reichern diese automatisiert um Versicherungsumsätze an und erstellen volldigital einen Versicherungsordner. Versicherer und Finanzvertriebe profitieren mit unserem Software-as-a-Service- Modell von der PSD2 und können ihren Endkunden somit innovative digitale Services anbieten.

Durch die automatisierte Extraktion des Versicherungsordners aus den Kontoumsätzen erhalten Versicherer einen Überblick über die aggregierte Finanzsituation ihrer Endkunden. Voraussetzung dafür ist deren Zustimmung. Absicherungs- und Versorgungslücken können leichter identifiziert werden. So lässt sich das finanzielle Blutbild der Endkunden ermitteln.

Wir glauben fest daran, dass das Thema Bancassurance durch die PSD2 eine ganz neue Dynamik erhält: Digitale kundenzentrierte Versicherungs- und Finanzprodukte entstehen – Produkte, die sich um den Kunden kümmern. Hier setzt BANKSapi an.

  • Was ist Ihre Rolle und welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Ich bin Co-Founder von BANKSapi. Ich verantworte den Vertrieb, verzahnt mit dem Business Development und Marketing. Dabei arbeite ich eng mit meinem Kollegen Reinhard Tahedl in den Themen Strategie- und Produktentwicklung zusammen.

Vor der Gründung von BANKSapi war ich Manager bei KPMG im Bereich FinTech & Innovation. Mein Fokus lag in der Strategie- und Prozessberatung von Finanzinstituten und FinTech-Start-ups. Ich kenne also das Zusammenspiel von alter und neuer Welt. Ich bin gelernter Versicherungskaufmann im Außendienst. Meinen BWL Master habe ich an der Universität Passau gemacht, meinen MBA an der Corvinus University Budapest.

  • Wer sind Ihre Kunden?

Banken, Versicherungen, unabhängige Finanzdienstleister, FinTechs und Telkos. Sie erhalten durch unsere Lösungen die Möglichkeit, Banking-Leistungen neu zu definieren – ihre Kunden ganzheitlich digital zu beraten. Wir denken, dass der Kunde sein finanzielles Blutbild aus einer Hand haben möchte: sprich Bancassurance 2.0 – beispielsweise eine automatisierte Altersvorsorge, angepasst an das tatsächliche Gehalt. Google hat geniale Daten, die Kontoinformationen sind aber noch genialer. Denn mit den Kontodaten lassen sich Versorgungslücken bestimmen, neue Produkte anhand von Lebensereignissen anbieten, Unter- und Überversicherungen erkennen oder aber Liquiditätsüberschüsse automatisiert in Fonds beziehungsweise Aktien platzieren – um nur einige wenige Anwendungen zu nennen.

Bancassurance schafft Transparenz. Transparenz auf zwei Seiten: auf Seiten der Endkunden und der Finanzdienstleister.

Vergangene Woche haben wir etwa unseren gemeinsamen Use-Case mit der Alten Leipziger Hallesche auf der Bitkom Digital Banking Konferenz vorgestellt.

  • Worin unterscheidet sich BANKSapi von anderen Datenaggregatoren?

Wir glauben an die Möglichkeit, ein finanzielles Blutbild von Endkunden durch Analytics der Kontoumsätze erstellen zu können. So können Endkunden in Echtzeit ihr finanzielles Leben verbessern. Auf Basis unserer Machine-Learning- Kompetenz helfen wir unseren Lizenznehmern, die Säulen Bank und Versicherungen aufzubrechen, um damit digitale – insbesondere kundenzentrierte – Services für unsere Lizenznehmer zu entwickeln.

Machine Learning und Artificial Intelligence wird unser tägliches Leben verändern, auch im Finanzdienstleistungssektor. Unsere Lizenznehmer sitzen auf enormen Datenbergen. Datenberge, die auf unsere APIs und vortrainierte Machine-Learning-Modelle treffen. Mit Hilfe von Daten und fortgeschrittenen Analysemethoden lassen sich kundenzentrierte und innovative Produkte entwickeln.

Beispiel: Versicherungen mit festen Laufzeiten. Möchte sich der Kunde noch für drei bis fünf Jahre binden? Traditionelle Muster brechen auf und lassen dynamische und nutzungsbasierte Versicherungsprodukte entstehen – hierfür sind die Kontoinformationsdaten mehr als perfekt. Auf Basis der Kontoinformationsdaten kann der Versicherer dem Kunden einen optimalen Versicherungsschutz zusammenzustellen, genau auf dessen Bedürfnisse zugeschnitten. Wir gehen mit INSUR/Connect nun den ersten Schritt der digitalen Verschmelzung – Bancassurance – von Bank und Versicherung.

  • Welchen Vorteil haben die Banken, Versicherer und FinTechs sowie deren Kunden von Ihren Lösungen?

Unsere Lizenznehmer können mit Hilfe von BANKSapi ihre Online-Services intelligent ausweiten, ohne dabei den eigenen technischen Entwicklungsaufwand zu übernehmen.

Stellen Sie sich Ihren eigenen Kontoauszug vor: sozioökonomische Daten, erweitert um kontextuelle Informationen – das finanzielle Blutbild. Diese Daten können digital bei Bonitätsanfragen für Kredite genutzt werden oder aber für die Risikobewertungen zur Anpassung von Versicherungsprämien, sie können die Schadensbewertungen vereinfachen und beschleunigen. Kurz um: Wir helfen dabei, Produkte und Prozesse digital zu vereinfachen, und denken für unseren Lizenznehmer zwei Schritte voraus – Aspekte, die in neuen Bank- und Versicherungsprodukten, die auf künstlicher Intelligenz basieren, fest verankert sein werden. Aber auch negative Entwicklungen lassen sich auf Basis der Kontoinformationen frühzeitig erkennen, um finanziellen Verlusten vorzubeugen.

Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Unsere Lizenznehmer profitieren von neuen kundenzentrierten Geschäftsmodellen, trainierten APIs, die sich aus der Kombination der Daten ergeben. Endkunden profitieren von Angeboten, die zunehmend auf sie zugeschnitten werden, sprich: von Finanzprodukten, die sich um den Kunden kümmern, nicht umgekehrt.

  • Womit verdient BANKSapi sein Geld?

Die variablen Kosten orientieren sich an den monatlich aktiven Usern unserer Lizenznehmer, hinzukommen monatliche operative Kosten, also Lizenzgebühren. Unser Preismodell ist sehr kompetitiv und wird positiv angenommen.

  • Sie werben unter anderem mit “Datenschutz made in Germany” – warum ist Ihnen das so wichtig?

Die Datenspeicherung, zum Beispiel von Login-Daten, kundenbezogenen Daten oder Produktdaten, erfolgt in Tier-4 Hochsicherheitsrechenzentren der DATEV eG. Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) garantiert dem Endkunden den vollen Besitz seiner Daten, der Regulator überarbeitet Modelle im Finanzsektor zur vollen Transparenz und Verantwortung. Bei „Datenschutz made in Germany“ geht es uns um die Symbiose von Technologie und Sicherheit, bei gleichzeitigem Kundenfokus. Das liefern wir.

  • Wo will BANKSapi in fünf Jahren stehen?

Kurzfristig wird sich BANKSapi nach erfolgreicher Registrierung als Zahlungsauslöse- und Kontoinformationsdienst insbesondere auf die intelligente Aufarbeitung von Daten konzentrieren. Ziel ist es, unseren Lizenznehmern Use Cases auf Basis des finanziellen Blutbilds anbieten zu können. Wir werden unsere Kapazitäten im Segment Data Mining / Künstliche Intelligenz / Machine Learning deutlich ausbauen.

Daten und Analysetools werden wesentliche Kerntreiber einer erfolgreichen Umsetzung der digitalen Transformation unserer Lizenznehmer sein – wir liefern hierzu das Puzzelstück.

Langfristig soll sich BANKSapi als führender B2B-Enabler für Use Cases rund um das finanzielle Blutbild mittels Nutzung von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning entwickeln. Das Ziel erreichen wir durch stetige Marktbeobachtung von Kundenbedürfnissen, die Nutzung hochmoderner Technologien, bei gleichzeitigem kontinuierlichem Montitoring neuer Technologien.

  • Herr Wichmann, besten Dank für das Gespräch!

Herr Keuper, vielen Dank.

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Blockchain und Smart Contracts. Technologien, Forschungsfragen und Anwendungen (Fraunhofer-Positionspapier)

Dieses Positionspapier analysiert die Blockchain-Technologie aus wissenschaftlicher und anwendungsorientierter Sicht der Fraunhofer-Gesellschaft. Es untersucht relevante Technikaspekte und damit verbundene Forschungsfragen. Dabei zeigt sich, dass die Technik in allen Bereichen noch grundlegende Forschungs- und Entwicklungs-Herausforderungen aufweist. Diese liegen beispielsweise in der Modularisierung einzelner Blockchain-Konzepte sowie deren Kombination und Integration für anwendungsspezifische Blockchain-Lösungen. …

Link / Quelle: Blockchain und Smart Contracts. Technologien, Forschungsfragen und Anwendungen

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Strategische Wendepunkte im Banking: Die Warnsignale wurden zu lange ignoriert

Von Ralf Keuper

Die größten Gefahren einer Branche sind Selbstzufriedenheit und der Glaube an die eigene Unabkömmlichkeit. Die Zukunft wird als Fortsetzung der Gegenwart interpretiert, hin und wieder von der einen oder anderen Unwucht begleitet; am eigenen Status vermag der Lauf der Geschichte indes nicht zu rütteln. Mitbewerber kommen und gehen, Technologien werden, sofern nötig, adaptiert, der Zeitgeist wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, die Kontakte zur Politik und Lobbyismus sorgen dafür, dass sich Veränderungen in der äußeren Umwelt, die für andere Unternehmen und Privatpersonen existenzbedrohend sein mögen, weitestgehend außen vor halten lassen.

Eine solche Haltung führt mit der Zeit dazu, dass Wendepunkte, welche die eigene Rolle sowie lieb gewordene Vorstellungen infrage stellen, geflissentlich übersehen oder aber uminterpretiert werden. Demgegenüber war Andy Grove, langjähriger Chef von Intel, davon überzeugt, dass eine gewisse Paranoia nützlich sei, um nicht in Selbstgefälligkeit zu verfallen.

Für die Diagnose empfiehlt Grove in seinem Buch Nur die Paranoiden überleben den Bedingungsrahmen des eigenen Geschäfts fortlaufend zu überprüfen. Drei Fragen sind für ihn dabei zentral:

  1. Ändert sich ihr Hauptkonkurrent?
  2. Ändert sich etwas bei dem Hauptanbieter von Komplementärprodukten? (Branchenstruktur)
  3. Haben ihre Kollegen und Mitarbeiter nicht mehr alles im Griff? d.h. haben Sie den Kontakt zum Markt und den Kunden verloren?

Zu 1) Hauptkonkurrenten der Banken sind die großen digitalen Plattformen wie Google, Apple, Amazon, Alibaba, Tencent, SoftBank, Samsung, facebook, Baidu & Co, die mittels ihrer Hardware, Software und sozialen Netzwerken einen Lock-In-Effekt erzeugen und die Kunden auch mit Bankservices bespielen können. Mit z.T. deutlichen Abstrichen folgen die diversen Fintech-Startups und Paypal.

Zu 2) Die Branchenstruktur hat sich insofern gravierend gewandelt, als dass Bankservices von mehr oder weniger branchenfremden Anbietern als einer von mehreren offeriert werden können. Die neuen Mitbewerber verfügen über einen Daten- und Informationsstand, der den der Banken deutlich übertrifft und die Banken in ihrer angestammten Rolle als Finanz- und Informationsintermediäre weitestgehend obsolet machen. Sollten sich die Blockchain-Technologie und digitale Währungen im Banking durchsetzen, ist die Rolle der Banken als Finanz- und Informationsintermediäre weitgehend Geschichte.

Zu 3) Der Kontakt der Banken zu den Kunden, die sich überwiegend im Internet mittels Smartphone und sozialen Netzwerken bewegen, ist über die Jahre deutlich lockerer geworden; z.T. ist er verloren gegangen. Der Markt, wie im Bereich IoT, entwickelt sich an den Banken vorbei. Den intensivsten Kontakt haben inzwischen die großen Plattformen, die alles aus einer Hand anbieten können.

Fehlschläge häufen sich

Bei dem Versuch, verloren gegangenen Boden wieder gut zu machen, haben die Banken in der jüngeren Zeit ausschließlich Rückschläge erlitten; allen voran Paydirekt. Das Thema digitale Identitäten dürfte sich erledigt haben, da die Branche sich auf keinen einheitlichen Standard festlegen konnte oder wollte. Initiativen wie Yomo sind auf dem Abstellgleis gelandet. Der Bereich Payments droht demnächst ganz an Paypal, Amazon, Google, Apple und die diversen Messagingdienste verloren zu gehen.

Warnhinweise in der Vergangenheit

An entsprechenden Hinweisen hat es in der Vergangenheit nicht gefehlt – auch aus den eigenen Reihen. In den 1980er Jahren gab der damalige Deutsche Bank – Vorstand Eckhart van Hooven zu Protokoll, dass die Banken sich in “gigantische Kommunikationsunternehmen” wandeln müssten. Wesentliche Funktion einer Bank sei es, zuverlässige Daten zu kommunizieren, also Auskunft zu geben über alles, was den Umgang mit Geld betrifft (Vgl. dazu: Financial Services: Als der Warenhauskonzern Sears Roebuck in das Stammgeschäft der Banken drängte).

Im Jahr 1986 gaben die mm-Autoren Günter Heismann und Stefanie von Viereck die Warnung aus:

Sollte die Automation so rasch vorangetrieben werden, dass das Know-how des Bankfachmannes zweitrangig wird, hätten Elekronikkonzerne und Softwarehäuser beträchtliche Chancen, dem Kreditgewerbe durchaus lukrative Segmente des Stammgeschäftes streitig zu machen.

Zu dem Zeitpunkt lag das (kommerzielle) Internet noch in der Zukunft; Google, Amazon und facebook sollten erst etliche Jahre später gegründet werden.

Technologieplattformen tauchten bereits 2000 auf dem Radar auf

Von Technologieplattformen und der Rolle, die sie auch im Banking übernehmen könnten, war bereits, soweit ich recherchieren konnte, um das Jahr 2000 die Rede.

In der Studie The Norwegian Financial Services Industry schrieben die Autoren:

The financial services in the future must be an integral part of the new Internet economy, which calls for the swift creation of value added services. This means heavy emphasis on the development of expertise and new technology. Customer relations will also become more important in a world where global competition challenges customer loyalties in every dimension. Multiplicity is becoming more important than imitation, differentiation is becoming more important than size, and strong branding and reputation is becoming important competitive parameters.

Einige Zeilen zuvor ist zu lesen:

 The great challenge for financial companies is to find their place in the new global world of electronic commerce. While some smaller and specialized firms may focus on any one of the financial verticals, the future for large-scale retail financial service providers is to offer a web-based hub that will include a complete range of products and services.

Das entspricht in etwa dem, was heute unter Banking as a Plattform bekannt ist.

Die größte Veränderung für die Branchenstruktur, so die Autoren damals, könnte von common technological platforms ausgehen (Hervorhebungen RK):

The driving force behind this trend is the convergence of different markets as a consequence of a common technological platform or infrastructure to offer products, caused by technological development. Typically, this infrastructure consists of different physical networks that are connected; like computer networks, telecommunication networks, broadcasting networks, electricity networks, etc. This implies that corporations connected to such networks have the opportunity to offer all kinds of products and services that can be transferred through these networks. Thus, the biggest challenge for the “traditional” financial corporations is to cope with the competition from new none-financial actors that will offer financial services, provide market positions in the new electronic financial markets, and to adapt one’s strategic market and structural thinking to conglomerate formations.

Banken für die digitale Ökonomie nicht mehr relevant

Der Befund trifft mittlerweile zu: Die Banken sind kein integraler Bestandteil der digitalen Ökonomie. Die relevanten Technologie-Plattformen in der digitalen Ökonomie sind in den Händen branchenfremder Mitbewerber, für die das Bankgeschäft nur eines von vielen – und nicht einmal das profitabelste- ist. Die wichtigsten Industrie- und Technologiestandards werden ebenfalls von den großen Technologiekonzernen gesetzt, die darüber hinaus noch über das dominante Design verfügen. Zu glauben, die Banken könnten über die Etablierung eigener Technologieplattformen ihre alte Bedeutung zurückzugewinnen, ist angesichts der beschriebenen Entwicklungen sowie der aktuellen Branchenstruktur und mit Blick auf die Expertise der Banken in dem Bereich bestenfalls noch Wunschdenken, das aus z.T. nachvollziehbaren Gründen von Beratern und Medienvertretern genährt wird. Der Rückstand ist jedoch schon zu groß.

Die Warnhinweise, die strategische Wendepunkte wurden zu lange ignoriert. Die Banken haben sich – schlafwandlerisch – aus dem Markt manövriert.

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Technologie- und Industriestandards beschleunigen die “Bankendämmerung” #3

Von Ralf Keuper

Die wohl letzte große Chance der Banken, auch in Zukunft noch eine halbwegs relevante Rolle in der digitalen Ökonomie zu spielen, ist das Thema Digitale Identitäten. Auf diesem Gebiet sind zahlreiche Initiativen entstanden, die das Ziel verfolgen, sich als ein de-facto-Standard zu etablieren. Exemplarisch dafür sind die Decentralized Identity Foundation, die fido alliance, ID2020, kantara und die eID. Im Banking ist die BankID in Norwegen und Schweden einer der Vorreiter. In Deutschland wollen YES (Sparkassen) und CAS (Genossenschaftsbanken) das Thema Digitale Identitäten adressieren. VERIMI positioniert sich als branchenübergreifende Initiative. Eine große Chance wurde von der Bankenbranche nach Ansicht von Andreas Windisch verspielt, als man sich bei Paydirekt nicht auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Lancierung einer Digitalen Identität einigen konnte oder wollte.

Blockchain könnte die Kerntechnologie und ein Quasi-Standard für digitale Identitäten werden

Die derzeit besten Aussichten, so etwas wie einen technologischen Standard für die Digitalen Identitäten zu bilden, hat die Blockchain-Technologie. Einer der Haupttreiber ist neben IBM der amerikanische Softwarekonzern Microsoft, der sich langsam aber sicher zu einem Hub für Digitalen Identitäten entwickelt. Momentan arbeiten zahlreiche Startups an Lösungen für die Verwaltung Digitaler Identitäten, wovon die Liste Blockchain and Identity eine Vorstellung gibt. Die Nutzer sollen in Zukunft ihre digitalen Identitäten weitestgehend eigenverantwortlich verwalten, d.h. die Zeit mehr oder weniger zentralisierter Plattformen oder Systeme, wie sie für die Bankenbranche typisch sind, läuft ab.

Google, facebook, Apple und WeChat setzen bislang den Standard 

Der Erfolg der großen digitalen Plattformen, wie Google, facebook oder WeChat/Tencent basiert im großen Umfang darauf, dass es ihnen gelungen ist, die Nutzer daran zu gewöhnen, sich mit ihren Social-Logins (Gmail, Alipay, YouTube-ID, facebook Connect, Apple ID, WeChat-ID), im Internet anzumelden. Die daraus entstandenen Netzwerkeffekte schaffen Fakten, die von Banken und anderen Unternehmen nicht ignoriert bzw. umgangen werden können. Die Internetkonzerne können die IDs der Nutzer mit den jeweiligen Geräten/Devices verbinden. Ein weiterer strategischer Vorteil.

Industrie 4.0 – Sichere Digitale Identitäten 

Die wohl entscheidende “Schlacht” beim  Thema digitale Identitäten wird im Internet of Things bzw. der Industrie 4.0 ausgetragen. Sollte es Amazon, Google, Apple und Alibaba gelingen, ihre Vormachtstellung im Geschäft mit den Endverbrauchern auf die Industrie zu übertragen, dann sieht es nicht nur für die Banken eher schlecht aus. In Deutschland ist das Deutsche Institut für Normung (DIN) und seine Tochtergesellschaft DKE  u.a. in dem Projekt Sichere Digitale Identitäten dabei, einen Standard für sichere Digitale Identitäten in der Industrie zu schaffen. Banken kommen in dem Szenario bislang nicht vor. Die Rolle von Banken könnte die einer Clearingstelle für Digitale Identitäten der technischen Objekte und Maschinen sein.

IOTA und Streamr läuten die nächste Stufe ein

Unterdessen leiten IOTA und Streamr bereits die nächste Phase der “Machine Economy” ein. Die deutsche Industrie versucht mit MOBI, VERIMI, GENIVI, IUNO dem International Data Spaces und weiteren Initiativen dagegen zu halten. Im Vergleich zur Industrie sind die Bemühungen der Banken, sich auf einheitliche Standards zu einigen oder Konsortien zu bilden, schwach ausgeprägt.

Sollte die Machine Economy Wirklichkeit werden und Autos, Maschinen und andere technische Objekte in der Lage sein, sich gegenseitig zu beauftragen und zu bezahlen, dann wird sich das Rollenmodell der Banken deutlich verändern, sofern sie überhaupt noch benötigt werden.

Banken verlieren den Bezug zur digitalen Wirtschaft

Es wird immer offensichtlicher, dass die Banken den Bezug zur digitalen Wirtschaft verlieren. Die Finanzkrise von 2007/2008 ist auch darauf zurückzuführen. Die Banken bewegen sich weiterhin in ihren geschlossenen Systemen, die jedoch für den Rest der Wirtschaft und Gesellschaft an Relevanz kontinuierlich verlieren. Unter diesen Voraussetzungen sind Banken dazu verleitet, Gewinne durch Eingehen hoher Risiken zu realisieren, die irgendwann unkalkulierbar werden. Noch können die beiden Welten nebeneinander existieren, wenngleich die Transmission von deutlichen Brüchen gekennzeichnet ist. Digitale Identitäten hätten ein Mittel sein können, sich in den neuen Kreislauf einzuklinken.

Banken genießen beim Datenschutz besonderes Vertrauen – na und?

Solange dieser Zustand anhält, ist der Hinweis darauf, Banken würden in Sachen Datenschutz das größte Vertrauen der Nutzer besitzen, witzlos. De facto vertrauen die Nutzer ihre Daten den Internetkonzernen bereitwillig an – ganz gleich, was sie in den diversen Studien zu Protokoll geben. Um die Rolle als Treuhänder und Wächter wahrnehmen zu können, müssten die Banken auf dem Spielfeld als relevante Akteure wahrgenommen werden. Das ist aber nicht der Fall. Es fehlt an den dazu nötigen Zutaten: Digitale Souveränität, eigene de facto-Standards und die Fähigkeit, Plattformen mit unterschiedlichen Teilnehmern aus verschiedenen Branchen zu managen.

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“Fintech ist erwachsen geworden, mit allem was dazu gehört” – Interview mit Maik Klotz

Maik Klotz

Die Fintech-Szene in Deutschland ist nach einer stürmischen Anfangsphase Teil des “Establishments” geworden. Die große “Disruption” blieb derweil aus. Dennoch haben die zahlreichen Fintech-Startups in den vergangenen Jahren das Gesicht des Banking verändert; sie werden von den Banken ernst(er) genommen. Was können wir in Zukunft noch – nicht nur von den Fintech-Startups – an Impulsen für das Banking erwarten, welche technologischen und gesellschaftlichen Trends sind wichtig oder gewinnen künftig an Bedeutung? Auf diese und weitere Fragen zur Zukunft des Banking antwortet Maik Klotz (Foto), Fintech-und Banking-Experte, Speaker, Autor und für die Unternehmenskommunikation von YES zuständig, im Interview mit Bankstil. Maik Klotz schreibt u.a. für Paymentandbanking. Daneben betreibt er noch die Webseite Klotzbrocken. Er gilt als einer der besten Kenner der Fintech-Szene hierzulande. 

  • Maik, du verfolgst die deutsche Fintech-Szene von Beginn an – was sind aus deiner Sicht die spannendsten Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre?

Aus meiner Sicht spannend ist die Tatsache, das FinTechs inzwischen erwachsen werden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Mit dem Erwachsenwerden geht manchmal leider auch eine Gewisse „jugendliche Leichtsinnigkeit“ verloren, auf der anderen Seite zeigt es aber eben auch, dass diese Unternehmen in der Realität angekommen sind. Und damit meine ich vor allem die Realität aus Konsumentensicht. Ein Konto bei einer der Challenger-Banken zu haben ist nichts aussergewöhnliches mehr und FinTechs kommen in der breiten Masse an. Besonders spannend sind die Entwicklungen in den letzten Monaten im Bereich Robo Advisery und Identity. Spannend sicher auch die Nicht-Entwicklung im Bereich mobiler Bezahlverfahren. Das liegt weiterhin brach und wird auch sicher so bleiben.

Auch die Entwicklungen im Bereich Kryptowährungen und Blockchain dürfen nicht unerwähnt bleiben und hier sehen wir eine Gewisse Beruhigung nach dem ein oder anderen Hype, der nun hoffentlich zu handfesten (Produkt)entwicklungen führt.

Und natürlich Themen wie PSDII und XS2A, die neue Anwendungsbereiche ermöglichen.

  • Nach der Sturm-und Drangphase vermittelt die Fintech-Szene mittlerweile einen eher gesetzten Eindruck – die Ruhe vor dem nächsten Sturm oder Beginn der Normalität?

Naja, es kommt ja immer irgendwas neues. Die jungen Wilden von einst sind heute die alten Säcke. Das ändert sich ja nicht und es werden immer wieder neue Startups kommen. Ich denke die Entwicklungen bei den Tech-Giganten im Finanzbereich wird uns sicher in Zukunft mehr beschäftigen und eine Google, Facebook oder was auch immer Bank wird sicher für mehr Aufregung sorgen als das was wir heute sehen.

  • Die größte Herausforderung der Fintech-Startups ist – neben der Frage der Finanzierung – die der Skalierung, das sog. Henne-Ei-Problem – ein auflösbares Dilemma? 

Ich bin ja ein bekennender Produktmensch und glaube sehr stark an die Kraft des Produktes. Instagram, Snapchat, Whatsapp und Co haben ja auch bei Null angefangen. Ich bin davon überzeugt das wenn ein Produkt ein Problem dort draußen bei vielen Menschen löst, wird es seinen Markt finden. Binsenweisheit und sicher sehr schwarz-weiß gemalt und am Ende braucht es mehr Faktoren als „nur“ ein gutes Produkt. Aber damit fängt es an. Und diese Denkweise vermisse ich persönlich immer wieder.

  • Einige Beobachter bemängeln, die Mehrzahl der Fintech-Startups strebe entweder Kooperationen mit den Banken an oder beschränke sich auf White Label – Angebote. Den Mut zur Marke hätten dagegen nur noch wenige. Trifft die Aussage zu?

Oder umgekehrt. Vielleicht sind nicht FinTechs die Geisterfahrer sondern Banken. Ich glaube, dass FinTechs oft sehr viel offener sind, was Kooperationen betrifft. FinTechs sind aber auch nicht doof und wollen sich nicht die Wurst vom Brot nehmen lassen, sondern auf Augenhöhe mit Banken sprechen. Letzteres ist dann vielleicht eher ein Problem traditioneller Banken als bei FinTechs. Aber, und das muss man sagen, es gibt heute viel mehr Kooperationen zwischen Banken und FinTechs als noch vor wenigen Jahren und die Tendenz ist steigend.

  • Wie bewertest du das Thema ICO im Allgemeinen und den Fall Savedroid im Besonderen?

ICOs sind ein wichtiges Werkzeug für Startups um Kapital einzusammeln. Das Problem ist nicht der ICO, also das Werkzeug, sondern die Art und Weise wie es eingesetzt wird. Und da wird sich in Zukunft zeigen, ob das in manchen ICO angelegte Geld gut angelegt war. Es ist ein wenig wie mit einem Kickstarter-Projekt. Da weiß man auch nicht, ob das Produkt jemals kommen wird. Zu Savedroid ist alles gesagt worden und ich würde die Aktion abschließend als „mittelgut“ bezeichnen.

  • Du bist u.a. für die Unternehmenskommunikation von YES zuständig – was gibt es Neues zu berichten, welche weiteren Schritte sind geplant?

Ein Großteil der Entwicklung dreht sich um das Produkt. Wir bei yes! wollen mit einem Produkt starten, das weder den Kunden, die Bank noch den Drittanbieter, welche yes! einsetzen werden, enttäuscht. yes! soll vom ersten Moment einen deutlichen Kundennutzen bringen, was auch der Grund ist warum wir aktuell noch nicht über Features sprechen. Die Kommunikation findet daher weniger öffentlich statt.

  • Fintech-Startups unterschätzen für gewöhnlich den Wert der Unternehmenskommunikation bzw. der Außendarstellung und vertrauen stattdessen auf ihre technische Kompetenz – täuscht der Eindruck?

Ich glaube das kann man nicht verallgemeinern und gute Kommunikation gibt es genauso bei kleinen Startups wie es schlechte Kommunikation in großen Konzernen gibt. Vor allem sollte Kommunikation immer ehrlich sein und in Richtung Konsumenten immer die Probleme der Nutzer ernst nehmen. Auch hier gibt es gute und schlechte Beispiele. Eine gute Unternehmenskommunikation zeigt sich vor allem immer in Krisenzeiten. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

  • Fintech ist für viele Verbraucher als Begriff zu techniklastig und schwer zugänglich. Eher ein Thema für Nerds. Wie kann die Fintech-Szene dieses Image ablegen – oder ist das nur eine Frage der Zeit?

Das ist eine Frage der Zeit. Vieles, was wir als FinTech bezeichnen, ist im Mainstream längst angekommen. Niemand denkt bei Paypal z.B. an ein Fintech. Das wird in Zukunft auch für andere Unternehmen gelten. Fintech ist angekommen und immer mehr Lösungen werden auch in der Masse genutzt. Fintech ist erwachsen geworden, mit allem was dazu gehört.

  • Welche Themen treiben dich derzeit besonders um?

Berufsbedingt natürlich das ganze Thema Rund um “digitale Identitäten” und damit einhergehend der Frage wie wir in Zukunft es schaffen digitale Identitäten so zu schützen, das nicht etwas passiert wie bei Equifax (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Hacker-Jackpot-Credit-Bureau-Equifax-gehackt-3824607.html) oder Cambridge Analytica. Was bei dem Thema „digitale Identität“ oft vergessen wird sind die damit verbunden Gefahren für den Konsumenten. Schon heute hinterlassen wir unwissentlich unzählige Spuren im Netz und geben Daten preis von denen wir es gar nicht wissen. Und da braucht es Alternativen, die auf der einen Seite dem Schutz der persönlichen Daten gerecht werden und auf der anderen Seite dabei helfen, Online-Prozesse wie Anmeldung, Registrierung, Vertragsabschlüsse zu vereinfachen.

Darüber hinaus natürlich die Entwicklungen in der Bankbranche und alles was im Zahlungsverkehr passiert. Und zwar aus der Nutzerperspektive. Selbst 10 Jahre nach Einführung des Smartphones, Dienste wie Google & co sind noch immer so viele Dinge so furchtbar kompliziert. Und diese Komplexität grenzt Menschen aus. Fintechs versuchen dieses Problem immer wieder zu lösen – mal mehr, mal weniger erfolgreich und natürlich ist in den letzten Jahren viel passiert. Aber verglichen mit anderen Entwicklungen noch zu wenig. In Asien nutzen fast eine Milliarde Menschen Wechat ein Großteil auch um Finanztransaktionen durchzuführen. Banking, Zahlungen, Mobile Payment – alles findet dort im Messenger statt. Und wir haben in Deutschland noch immer kein bankenübergreifendes System um jemanden schnell Geld zu senden. Asien funktioniert in vielerlei Hinsicht anders als der Westen und der Vergleich hinkt ein wenig. Trotzdem bleibt die Kernaussage die gleiche: ich glaube wir brauchen weniger Komplexität.

  • Maik, besten Dank für das Gespräch!
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