„Es werden ganze Banken verschwinden” – Tom Dapp im XING Talk

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Moven wird zu einer “gewöhnlichen” Bank mit Anschluss an ein großes digitales Ökosystem

Von Ralf Keuper

Moven, das Banking-Startup von Brett King (bekannt durch seinen provokativen Podcast Breaking Banks) schlägt einen Kurs ein, der wie ein Schritt zurück wirkt. Wie u.a. in Moven Gets Funding from SoftBank, Looks to Returns to Roots with Bank Acquisition berichtet wird, will Moven die 23 Millionen Dollar, welche der japanische Mischkonzern SoftBank in das Banking-Startup investiert, für den Kauf einer klassischen Bank verwenden. Die Kommentatoren vergleichen den Schritt mit der Citizen Bank of Weir, die bislang für Moven die Transaktionsabwicklung übernahm (Vgl. dazu: Citizen Bank of Weir – die etwas andere Regionalbank aus Kansas).

Von SoftBank erhofft sich Moven einen besseren Zugang zum asiatischen Markt, vor allem in Japan (Vgl. dazu:  Moven to receive funding from SoftBank, plans to buy bank ).

Erst gestern gab SoftBank die Übernahme des Messaging-Dienstes Line bekannt. Line will eine eigene Division Financial Services aufbauen. Dort sollen neben Versicherungen auch Darlehen angeboten werden. Seit 2014 bietet Line in Japan seinen mobilen Bezahldienst Line Pay an. Künftig sollen auch Kryptowährungen in Line Pay integriert werden.

Es hat den Anschein, als würde Moven Bestandteil des SoftBank-Ökosystems im Banking (Vgl. dazu: SoftBank übernimmt Mehrheit an Line – ein weiteres globales Ökosystem im Banking entsteht).

Damit beschreitet Moven einen ähnlichen Weg wie andere Challenger Banken zuvor; genannt seien Bank Simple und Fidor. Allerdings hat sich Moven mit SoftBank an ein großes digitales Ökosystem angeschlossen, das längst nicht nur auf das Banking beschränkt ist, sondern einen ähnlichen Ansatz verfolgt, wie Google, Amazon, Facebook und Alibaba (GAFA). An Alibaba ist SoftBank übrigens mit ca. 30 Prozent beteiligt.

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What Is Bitcoin? Netflix Original – BANKING ON BITCOIN

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SoftBank übernimmt Mehrheit an Line – ein weiteres globales Ökosystem im Banking entsteht

Von Ralf Keuper

Der japanische Telekommunikationskonzern SoftBank ist eine eher unbekannte Größe im Banking. Wie umfangreich die Aktivitäten des Konzerns im Banking sind, wurde auf diesem Blog vor bald drei Jahren in SoftBank – die unterschätzte Macht im Banking thematisiert.

SoftBank ist einer der größten Aktionäre von Alibaba. Auch sonst ist das Unternehmen als Investor äußerst umtriebig (Vgl. dazu: Masayoshi Son: Softbank-Chef ist Herr der Roboter). In Indien beabsichtigt SoftBank, das nächste Alibaba zu entdecken und aufzubauen (Vgl. dazu: Auf der Suche nach dem zweiten Alibaba).

In das Gesamtbild fügt sich die Übernahme des japanischen Messaging-Dienstes Line daher mühelos ein (Vgl. dazu: SoftBank buys into Line’s mobile service in Japan). Line  zählt derzeit monatlich 168 Millionen aktive Nutzer.  Das Unternehmen will sich laut Wikipedia im asiatischen Raum gegen WeChat, Daum Kakao, Hike sowie in Europa gegen What’s App und den Facebook Messenger behaupten.

Im Jahr 2014 lancierte Line seinen Bezahldienst Line Pay (Mobile Payments auf Schiffsreise: Line, Braintree, Stripe & Co. besetzen die Kommandobrücke). Line Pay arbeitet derzeit mit 30 japanischen Banken zusammen und wird von 30 Millionen Japanern genutzt. Vor wenigen Wochen kündigte Line an, Krpytowährungen in Line Pay zu integrieren (Vgl. dazu: LINE: Japans beliebteste Chat-App integriert Kryptowährungen). Dabei soll es nicht bleiben: Wie gestern bekannt wurde, wird Line eine Division Financial Services gründen. Der Unternehmenszweig soll auch Versicherungen und Darlehen anbieten (Vgl. dazu: Chat app Line announces plan for cryptocurrency services, loans and insurance).

Angesichts dessen ergibt der Erwerb der Aktienmehrheit von Line durch SoftBank durchaus Sinn. SoftBank, die Vermutung liegt nahe, will sich als weiteres digitales Ökosystem neben Alibaba, Google, Amazon, facebook und Apple etablieren. Finanzservices sind darin ein wichtiger Mosaikstein.

Weitere Informationen / Update:

Moven to receive funding from SoftBank, plans to buy bank

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Die Geld- und Währungspolitik der ersten Zentralbank Deutschlands und ihre Lektionen für die Gegenwart – Interview mit Dr. Matthias Wühle

Dr. Matthias Wühle

Die Geschichte der ersten Zentralbank Deutschlands, der 1876 gegründeten Reichsbank, liefert nicht nur für Historiker reichlich Anschauungsmaterial für die Bewertung der gegenwärtigen Situation auf den Finanzmärkten. In dem Zeitraum von 1875-1914 durchlief die Reichsbank nahezu alle Phasen und Krisen, die für eine Notenbank typisch sind. Diesen für die Bankgeschichte Deutschlands so wichtigen Zeitabschnitt untersuchte Dr. Matthias Wühle (Foto) in seinem Buch Geld-und Währungspolitik der Reichsbank 1875-1914, das auf diesem Blog vor einigen Tagen besprochen wurde. Im Interview mit Bankstil erläutert Wühle, der im Bereich Corporate Communications bei NewMark Finanzkommunikation in Frankfurt tätig ist, welche Lehren sich aus der Geschichte der Reichsbank und der ersten deutschen Einheitswährung mit Blick auf die aktuellen Themen, wie Digitale Währungen, ziehen lassen.

  • Herr Dr. Wühle, was hat Sie zu ihrer Untersuchung veranlasst – was macht den Zeitraum zwischen 1875-1914 aus bankhistorischer Sicht so interessant?

Die Untersuchung führte ich im Rahmen meines Magisterstudiums an der Uni Frankfurt am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte bei Prof. Dr. Werner Plumpe durch. Ursprünglich wollte ich lediglich herausfinden, wie erfolgreich die Diskontzinspolitik der Reichsbank gewesen ist; denn die Idee, durch Leitzinsänderungen Wirtschaftspolitik zu betreiben, hat an Aktualität und Bedeutung bis heute nichts verloren. Im Laufe meiner Studien merkte ich dann erst, wie facettenreich das Thema Geldverfassung zu diesem Zeitpunkt gewesen ist – und dass die Zinspolitik eigentlich nur einen unbedeutenden Teil der währungspolitischen Diskussion ausgemacht hat.

  • Was waren für Sie die wichtigsten Erkenntnisse – gab es überraschende Momente?

Überraschende Momente gab es viele. Die Einführung der Banknoten zu 20 und 50 Mark im Jahr 1906 musste beispielsweise durch Überwindung hoher Widerstände durchgesetzt werden, vor allem von Seiten der Wirtschaft. Auch die Hintergründe dieser Banknotenreform überraschten. So klagte die Reichsbank nach der Jahrhundertwende über verstärkten Goldabfluss. Dem begegnete die Reichsbank üblicherweise mit einer Anhebung des Diskontsatzes, um einen Anreiz für Kapitalimporte zu schaffen. Doch dieser Mechanismus schien um 1905 ausgehebelt. Gleichzeitig versuchte die Reichsbank die noch kursierenden Silbertaler außer Kurs zu setzen, was auf die Silberpreise drückte und den für Gold ansteigen ließ. Zwischen 1905 und 1907 klagte die Wirtschaft über einen Diskontzins von bis zu 6,03 Prozent. Erst die Emission von Banknoten von 20 und 50 Mark ließen die Goldmünzen wieder in den Geldkreislauf zurückkehren und der Zins sank wieder auf ein erträgliches Maß. Zuvor galten ausschließlich Banknoten über 100 Mark als gedeckt. Für den kleinen Zahlungsverkehr verließ man sich bis dahin auf Kurantmünzen – und auf sogenannte Reichskassenscheine, die eine umlaufende Staatsschuld darstellten und offiziell als nicht gedeckt galten. Dieses Geld-Provisorium erwies sich jedoch als außerordentlich robust, da deren Emission auf die Bevölkerungszahl beschränkt war – und somit knapp gehalten wurde.

  • Welche Parallelen zur heutigen Situation gibt es?

Eine interessante Parallele sehe ich in der Diskussion über den Sinn oder Unsinn von Bargeld bzw. dessen Abschaffung, beziehungsweise in der Frage der Währungsdeckung durch Edelmetall. Infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs stieg die Nachfrage nach Geld gegen Ende des 19. Jahrhunderts an, der die Reichsbank nicht ausreichend nachkommen konnte, da deren Möglichkeiten infolge der Golddeckung sehr beschränkt waren. Zwar gab es mit der Palmer-Regel bereits eine Hintertür aus einem allzu engen Golddeckungs-Korsett, doch reichten auch diese Spielräume irgendwann nicht mehr aus. Die Handelskammern setzten sich schon früh für eine Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ein. Aber erst nach zähem Ringen trat 1908 das erste Scheckgesetz in Kraft, was im Prinzip bereits jene Vergrößerung der Geldmenge darstellte, die auch heute noch von Kritikern abfällig mit „Fiat Money“ bezeichnet wird. Tatsächlich sind sich Wirtschaftshistoriker darin einig, dass in der Geburtsstunde des Girokontos einer der wichtigsten Weichenstellungen für den darauf folgenden Wirtschaftsaufschwung zu suchen ist.

  • Seit einiger Zeit wird das Für und Wider digitaler Währungen, wie Bitcoin, diskutiert. Die Zentralbanken tun sich mit einer eindeutigen Aussage schwer – ist das ein gutes oder eher schlechtes Zeichen?

Ich sehe das als ein Zeichen einer gesunden Skepsis. Die sicher auch notwendige Offenheit gegenüber Innovationen darf nicht dazu verleiten, sich pauschal allen Einflüssen zu öffnen. Zu groß ist die Verantwortung von Zentralbanken, über die Währungsstabilität zu wachen und gleichzeitig die Wirtschaft in Schwung zu halten. Zudem sehen die Zentralbanken in den Kryptowährungen zu recht Konkurrenten und fürchten damit Kontrollverlust. Übrigens war mit der Einführung des Buchgeldes 1908 tatsächlich auch ein Kontrollverlust der Reichsbank verbunden, da infolge des aufkommenden Giralgeldes der Bedarf nach Bargeld zurückging. Banken waren damit von der Reichsbank weniger abhängig und verwässerten damit in gewisser Weise auch die Kontroll- und Steuermöglichkeiten der Reichsbank. Insofern ist also die Zurückhaltung der Notenbanken gegenüber Kryptowährungen gar nicht so unbegründet.

  • Eine Währung lebt von dem Vertrauen, das die Menschen darin setzen. Nur so konnte die Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehr durch die Reichsbank gelingen. Lässt sich dieser Befund auch auf die digitalen Währungen übertragen?

Zum Teil. Vertrauen ist eine wichtiges Kriterium für Währungen, das in der Vergangenheit schon viel seltsamere Währungssubstitute genossen haben, man denke dabei nur an amerikanische Zigaretten im Nachkriegsdeutschland. Vertrauen in die Staatswährung haben Regierungen schon oft missbraucht. Beispiele dafür sind die große Inflation, die nach dem ersten Weltkrieg die Bevölkerung traumatisierte und deren Folgen bis heute das Unterbewusstsein der deutschen Sparer prägt. Auch die Währungsreformen nach dem zweiten Weltkrieg und jene im Zuge der deutschen Wiedervereinigung stellten Enteignungen an Privatvermögen dar. Der Deutsche ist also in dieser Hinsicht ein mehrfach gebranntes Kind. Kryptowährungen mögen Einigen daher als die ultima ratio erscheinen, sich staatlichen Manipulationsversuchen zu entziehen. Ich bezweifle jedoch, dass das allein für eine digitale Währung schon ausreicht, um sich erfolgreich neben Nationalwährungen zu etablieren. Denn bei allen Bedenken: Die Geschichte der Reichsbank vor 1914 zeigt, dass man Währungspolitik auch sehr erfolgreich und umsichtig führen kann. Am Vorabend des ersten Weltkrieges galt die Mark als eine der erfolgreichsten und begehrtesten Währungen der Welt, aber das war sie nicht im luftleeren (oder digitalen) Raum, sondern weil sie ein Spiegelbild einer erfolgreichen Volkswirtschaft darstellte. Genau dieses Spiegelbild fehlt der Kryptowährung. Sie ist sozusagen der Vampir unter den Währungen. Und das macht sie anfällig für Spekulationen.

  • Die Reichsbank war für ihre Zeit, vor allem was die organisatorischen Aspekte betrifft, ausgesprochen modern. Was können heutige Zentralbanken und Geschäftsbanken daraus lernen?

Die Verantwortlichen der Reichsbank befanden sich streckenweise im Blindflug. Denn sie waren mit Problemen konfrontiert, die bis dahin einmalig waren. Es gab auch kaum Präzedenzfälle, auf die man hätte zurückgreifen können. Das gab ihr die große Verantwortung, bestimmte Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen zu tätigen. Zusätzlich mussten sich Reichsbank-Vertreter vor dem Reichstag, gegenüber den Handelskammern und gegenüber einer kritischen Medienöffentlichkeit verantworten. Die Entscheider in der Reichsbank stellten dabei ihren Pragmatismus unter Beweis. Ein Beispiel dafür sind die beiden Theorien Banking Theorie und Real Bills Doktrin. Die Vertreter beider Theorien standen sich unversöhnlich gegenüber. Die Reichsbank schaffte es, beide Theorien miteinander zu vereinen und mit der Palmer-Regel einen dritten Weg zu versuchen. Diese sah eine fünfprozentige Steuer auf ungedeckten Notenumlauf vor. Dies sollte sich als kluge Entscheidung erweisen, die neue Spielräume ermöglichte.

  • Welche Konsequenzen hätte die Verwirklichung einer bargeldlosen Gesellschaft – ist das ein Kontinuum oder ein Bruch?

Für die Wirtschaft ist der bargeldlose Verkehr ein wichtiges Kriterium, Güter- und Geldkreislauf mit möglichst geringen Kosten zu betreiben. Dies trieb zunächst im Kaiserreich das Wechselgeschäft voran, der Frühform des bargeldlosen Verkehrs. Allein im Zeitraum 1896 bis 1900 hatte sich das Wechselgeschäft im Vergleich zum Zeitraum 1876 bis 1880 nahezu verdoppelt. Anhaltendes Wirtschaftswachstum und eine deutliche Zunahme der internationalen Handelsaktivitäten führte letztendlich 1906 zu einer Liquiditätskrise, die die Problematik goldgedeckten Bargeldes vor Augen führte. Hier setzte die Reichsbank mit einer Reihe von Lösungen an. Eine davon war das Scheckgesetz von 1908, das die Einführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs darstellte. Ob eine vollständig bargeldlose Gesellschaft notwendig oder erwünscht ist, lässt sich von diesem Standpunkt nicht sagen, da die Interessen der Wirtschaft nicht unbedingt dieselben sind, wie die der Verbraucher. Hier gibt es aktuell sogar ziemlich gegensätzliche Standpunkte. Aus meiner Sicht stellt aktuell ein paralleles Bestehen von Buch- und Bargeld kein Problem dar. Das kann in 100 Jahren natürlich schon anders aussehen.

  • Die Frage, was Geld eigentlich ist, beschäftigt die Ökonomen seit Jahrzehnten, ohne dass eine Klärung herbeigeführt werden konnte. Heute bezahlen wir im Internet mit unseren Daten – müssen wir den Geld- bzw. Währungsbegriff womöglich überdenken?

Eines der zentralen Währungskriterien hatten Sie schon selbst genannt: Akzeptanz. Diese kann entweder spontan aus bestimmten Situationen heraus entstehen, wie das bei Zigaretten auf dem deutschen Schwarzmarkt nach 1945 der Fall gewesen ist. Oder die Akzeptanz wird institutionell hergestellt, etwa durch die Notenbank. Die Geschichte hat außerdem gelehrt, dass Akzeptanz in keiner dieser beiden Fälle eine Selbstverständlichkeit ist. Im Gegenteil: Es gibt viele Beispiele, bei denen Notenbanken an der Bevölkerung vorbei Geld gedruckt hat, z.B. bei Hyperinflationen. In diesem Fall griff die Bevölkerung auf Ersatzwährungen zurück: Der Euro, der Schweizer Franke, der US Dollar oder Gold wird immer gern als Substitut genommen. Eine andere wichtige Frage ist die der Golddeckung. Bis zum ersten Weltkrieg schien eine Golddeckung für eine stabile Währung unerlässlich. Diesen Gedanken hat man spätestens mit der Aufgabe des Bretton-Woods-System Anfang der Siebziger Jahre zu Grabe getragen. Zuletzt scheiterte 2014 eine Volksabstimmung in der Schweiz, die den Franken zu einer Golddeckung verhelfen wollte. Heute gelten Währungen durch die Volkswirtschaft gedeckt. Der Wert bestimmt sich also durch das erwirtschaftete BIP. Das eröffnet neue Spielräume – aber auch neue Probleme, wie die Euro-Schuldenkrise gezeigt hat.

  • Der Informations- und Datenfluss hat durch die Verbreitung des Internet wie auch des Smartphones ungeahnte Ausmaße erreicht. Können Zentralbanken und Banken ihrer Rolle als (Finanz-)Intermediäre und Beobachtungsdistanz der Wirtschaft unter diesen Umständen überhaupt noch gerecht werden – fehlt ihnen dazu nicht die Datenbasis? 

Bereits in der Kaiserzeit hat die Reichsbank an Kontroll- und Beobachtungsbedeutung eingebüßt. Die Einflussmöglichkeiten der Notenbanken sind auch heute eher begrenzt, die Handlungsspielräume gerade in der Zinspolitik sind eingeschränkt. Auf der anderen Seite ermöglicht die Blockchain-Technologie neue Möglichkeiten, z.B. für die Unternehmensfinanzierung oder bei der Verhandlung und Überwachung von Verträgen. Hier sehe ich z.B. eine weitaus größere Zukunft für Blockchain als im Bereich Kryptowährungen. Banken werden ihre führende Position nur dann aufrechterhalten können, wenn Sie frühzeitig auf eine leistungsfähige IT setzen.

  • Herr Dr. Wühle, welche weißen Flecken gibt es Ihrer Ansicht sonst noch in der bankhistorischen Forschung – welche Herausforderungen sehen Sie?

Sicher sind Finanzkrisen eine der spannendsten Themen der Bankgeschichte. Selbst ein auf dem ersten Blick so erfolgreicher und prosperierender Zeitraum wie der der Reichsbank-Geschichte von 1875 bis 1914 hat zahlreiche krisenartige Situationen durchlitten: Es gab z.B. eine Goldabflusskrise, eine Silberschwemme, eine Verschlechterung der Wechselqualität, eine Liquiditätskrise und eine Immobilienkrise. Und da sind die politischen Krisen, wie die Marokkokrise von 1905 noch nicht mit eingerechnet, die ebenfalls wirtschaftliche Auswirkungen und Ursachen hatte. Hinzu kommt: Fallende Zinsen wurden ebenso als Krise gesehen wie steigende Zinsen. Und schließlich beginnt die frühe Reichsbankgeschichte mit einer Krise, dem Gründerkrach und endet mit dem ersten Weltkrieg wiederum in einer solchen. Für Bankhistoriker sind sicher die jüngsten Krisen wie z.B. die Subprime-Krise von 2007 oder die griechische Schuldenkrise von 1910 am interessantesten, da sich daraus am ehesten Rückschlüsse für die aktuelle Ordnungspolitik ziehen lassen.

  • Herr Dr. Wühle, besten Dank für das Gespräch!
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Woran denken Sie bei einer holländischen Bank? – Bankenwerbung Commercial

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Der Kulturwandel der Deutschen Bank

Von Ralf Keuper

Als Folge der diversen Gerichtsprozesse und Verfahren, in welche die Deutsche Bank seit Jahren wegen diverser Delikte verwickelt war und noch ist, gelobte das Institut einen Kulturwandel einzuleiten. Einige Meldungen der letzten Zeit lassen die Vermutung zu, dass hier noch “Luft nach oben” ist:

Auch die prognostischen Fähigkeiten der Bank haben scheinbar noch nicht ihr altes Niveau erreicht, wie aus Die peinliche Euro-Prognose der Deutschen Bank hervorgeht.

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Das Zeitalter des Data Banking ist angebrochen

Von Ralf Keuper

Daten als Vermögenswerte zu interpretieren, die es vor unbefugtem Zugriff und zudringlichen Blicken zu schützen gilt, wurde bislang vorwiegend mit dem drögen Thema Datenschutz in Verbindung gebracht. Weitgehende Einigkeit herrschte, dass es sich dabei um ein notwendiges Übel handele, mit dem sich kein bzw. kaum Geld verdienen lasse. Überhaupt sei das eine typisch deutsche Diskussion, Ausdruck von “German Angst”. Im Ausland sei das ohnehin kein Thema (Vgl. dazu: Datenschutz im Banking kein Thema mit hoher Priorität bei den Nutzern?) In der Fintech-Startup-Szene und in Teilen der klassischen Medien hält sich bis heute, wenngleich mit abnehmender Tendenz, hartnäckig die Auffassung, eine gelungene Customer Journey und Innovation auf der einen und Datenschutz auf der anderen Seite seien nur schwer unter einen Hut zu bringen (Vgl. dazu: New Banking: Datenschutz contra Innovation?). Der Datenschutz werde generell überbewertet, wie das Verhalten der Nutzer im Internet jeden Tag aufs Neue bestätige. Dort würden die Nutzer für die Inanspruchnahme “kostenloser Services” oder personalisierter Angebote mit ihren Daten bereitwillig bezahlen.

GDPR, Blockchain und Kartellrecht zwingen Facebook & Co. zum Strategiewechsel

So oder so: Daten sind über die Jahre zu einer Währung, zu einem Vermögenswert geworden, der eine ganze Industrie am Leben hält. Die Zeiten, in denen die personenbezogenen Daten für sog. Datenkraken wie Google oder facebook mehr oder weniger frei zugänglich waren, neigen sich dem Ende zu. Neue regulatorische Bestimmungen wie die GDPR und ePrivacy-Richtlinie zwingen Google, facebook & Co. dazu, sich intensiver als bisher mit dem Thema Datenschutz und Privatheit zu beschäftigen und mit neuen Services darauf zu reagieren (Am 28. Januar ist Data Protection Day: Quo vadis Digitales Geschäftsmodell?). Weiterer Anpassungsdruck geht von der Blockchain-Technologie aus. Hinzu kommt noch die anhaltende Diskussion darüber, ob man die Internetkonzerne nicht zerschlagen sollte.

Data Banking – die neue Kategorie im Banking 

Mit ihren jüngsten Entscheidungen tragen die Internetkonzerne einer Entwicklung Rechnung, die laut Wired darauf hinaus laufen wird, dass wir demnächst Bankkonten für unsere personenbezogenen Daten führen werden (From GDPR to blockchain, we’re getting more power over our data. Get ready for individual bank accounts for your personal data). Die Personal Data Bank nimmt Gestalt an. Auf die Entwicklung reagiert haben auch die Startups aus dem Umfeld der selbstverwalteten Digitalen Identitäten, wie Sovrin und Blockstack. In Deutschland bezeichnet sich Idento.one explizit als Personal Data Banking Provider. Dort betrachtet man die personenbezogenen Daten der Nutzer als Vermögenswerte (Vgl. dazu: Personenbezogene Daten sind Vermögenswerte – idento.one-Gründer Hannes Bauer im Interview).

Das Banking wird um eine neue Kategorie, die des Data Banking, erweitert. Einer der ersten Beiträge, der sich mit diesem Phänomen, wenngleich noch in etwas anderer Form, beschäftigte, war Schweiz setzt auf Data-Banking. Dort heisst es u.a.:

Die Diskretion ist so gross wie im Private Banking, im Bankengeschäft mit den Reichsten. Statt Safes stehen hinter Sicherheitsschleusen Gitterkäfige. …

Die Schweiz hat als «Datenbank» drei entscheidende Vorteile: Erstens ist im Vergleich zu vielen Staaten das Datenschutzgesetz streng. «Es braucht ein gerichtliches Verfahren, wenn Behörden den Zugang zu verdächtigen Daten erzwingen wollen», erklärt Grüter. Auch hier ziehen Brancheninsider die Parallele zur Bankenwelt: «Das Datenschutzgesetz ist das Bankgeheimnis der IT-Branche», sagt Francisco Alvarez von Schneider Electric IT Schweiz.

Data Banking umfasst nicht nur die Verwaltung der personenbezogenen Daten der Nutzer, sondern auch die der Unternehmen. Benötigt werden Datentreuhänder, entweder als neutrale Instanz, wie sie u.a. die Allianz für die Autodaten fordert, oder als Betreiber von Rechenzentren, die höchsten Sicherheitsstandards genügen, wie von Microsoft und T-Systems (Vgl. dazu: Die Microsoft Cloud mit deutscher Datentreuhand – Banken und Fintech-Unternehmen erneut nur Zaungäste). Für Unternehmen sind vor allem die Produktionsdaten von hohem Wert (Vgl. dazu: Vom Wert der Unternehmensdaten).

Wie andere Vermögenswerte im Banking auch, so müssen die Kundendaten durch ein spezielles Risikomanagement geschützt werden (Vgl. dazu: Customer data is a liability).

Eine der ersten Banken, die diesen Wandel erkannt hat, ist die AriseBank, die aus dem Bereich des dezentralisierten Banking kommt (Vgl. dazu: AriseBank: Die Banking Revolution – aus alt mach neu). Weitere werden folgen.

Data Banking – zwischen digitalen Plattformen und Dezentralisierten Lösungen

Die jüngsten strategischen Entscheidungen von Google und facebook in Sachen Data Privacy und Digitale Identitäten sowie die Positionierung von Apple in dem Segment, zeigen, dass die Internetkonzerne dabei sind, ihr Geschäftsmodell den neuen Gegebenheiten anzupassen. Auf der anderen Seite bringen sich Anbieter wie Idento.one in Stellung. Dazwischen bewegen sich die klassischen Banken und Lösungen wie Verimi und YES. Das Dilemma der Banken ist, dass sie weder das Organisationsmodell Plattform noch dezentrale Ansätze wie die Blockchain-Technologie  beherrschen – es widerspricht ihrer Kultur und ihrem Organisations- und Führungsverständnis, das sich nach wie vor an geschlossenen, proprietären Systemen und zentralisierter Datenhaltung orientiert.

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Martin Walser über Fritz Seidenzahl: „Hundert Jahre Deutsche Bank“ (1970)

Martin Walser, 43, ist der Autor der Romane „Halbzeit“ und „Das Einhorn“ sowie der Theaterstücke „Eiche und Angora“ und „Überlebensgroß Herr Krott“. — Fritz Seidenzahl schrieb das Jubiläumsbuch „Im Auftrage des Vorstandes der Deutschen Bank“. — Eberhard Czichon, 34, Autor des von Walser erwähnten Buches über Hermann Josef Abs, ist Historiker In Ost-Berlin. Gegen ihn und den Kölner Pahl. Rugenstein Verlag, der Czichons Buch In der Bundesrepublik vertreibt, haben Abs und die Deutsche Bank eine Klage auf „Unterlassung diffamierender Behauptungen“ erhoben: Czichon habe von Abs ein völlig verzerrtes und unwahres Lebensbild gezeichnet, um ihn zu einer negativen Symbolfigur des Monopolkapitals aufzubauen und als überzeugten Nazi-Anhänger mit maßgeblichem Einfluß auf die NS-Hierarchie darzustellen.

Quelle / Link: Martin Walser über Fritz Seidenzahl: „Hundert Jahre Deutsche Bank“ 

Weitere Informationen:

Ein neues Buch zeigt, wie Konzerne bis in die jüngste Zeit ihre Rolle in der NS-Zeit beschönigten. Ganz vorne mit dabei: die Deutsche Bank

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Die Spur des Geldes – “Münzen und Mächte” – Entstehungsgeschichte der Währungen

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