Interview mit Rupert Spiegelberg (IDnow)

Rupert Spiegelberg, CEO von IDnow

Die Kunden sind es heute gewöhnt, den Großteil ihrer Geschäfte online zu erledigen. Das betrifft mittlerweile auch den Abschluss von Verträgen, wie die Eröffnung eines Bankkontos. Der Gang zur Bank oder zur Post, um ein Konto zu eröffnen, ist für viele Kunden daher keine echte Option. Hier kommt das Fintech-Startup IDnow ins Spiel. Mit seiner Video-Ident-Lösung ist es möglich, zuhause oder unterwegs ein Konto zu eröffnen. Inzwischen setzen zahlreiche Banken und Fintech-Startups die Lösungen von IDnow beim digitalen onboarding ein. Erst in dieser Woche wurde IDnow zum “Erfolgreichsten Fintech” gekürt. Im Gespräch mit Bankstil erläutert der neue CEO von IDnow, Rupert Spiegelberg (Foto), wie er das aktuelle Marktumfeld bewertet und wohin sich IDnow in den nächsten entwickeln will. 

  • Herr Spiegelberg, seit kurzem sind Sie der neue CEO von IDnow – welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

IDnow ist mit seinen Lösungen Wegbereiter einer sehr spannenden Entwicklung, bei der die Video-Identifizierung zum Vertrauensmoment der schnellen, sicheren und GWG-konformen Online-Transaktion wird. Unser Fokus liegt jetzt darauf, unseren Kunden die verschiedenen Einsatzbereiche für unsere AI-basierte Technologie zu erschließen, denn diese kann die Kosteneffizienz, Konversionsrate und Geschwindigkeit vieler digitalen Prozesse nochmals signifikant verbessern. Viele Kunden wollen unseren digitalen Onboarding-Service auch in ihren internationalen Märkten einsetzen, daher arbeiten wir mit vollem Einsatz an Lösungen, die den regulatorischen Anforderungen in ganz Europa entsprechen. 

  • Das digitale Onboarding ist bei vielen Banken noch ein Knack- bzw. Schwachpunkt – wie kann IDnow hier unterstützen?

Wir helfen Banken, die letzte große Lücke beim digitalen Onboarding zu schließen – die schnelle und bequeme GWG-konforme Identifizierung. Statt wie bisher am Bank- oder Postschalter erfolgt dieser Schritt bei IDnow per Video-Chat, auf dem Smartphone oder dem PC zuhause. Im Anschluss unterzeichnen die Kunden den Vertrag digital, denn mit IDnow eSign liefern wir auch gleich einen passgenauen Baustein für die qualifizierte elektronische Signatur (QES). Am Ende steht die vollständig digitale, papierlose und medienbruchfreie Vertragsstrecke. Unsere Lösung kann sehr flexibel in die Antragsstrecke der Bank eingebunden werden, so dass der Kunde gar nicht erkennt, dass er sich über uns und nicht die Bank selbst identifiziert. Damit gewährleisten wir einen nahtlosen Prozess, der die Konversionsrate positiv beeinflusst.

  • Warum ist das Digitale Onboarding für die Banken so wichtig?

Es geht vor allem um eine bessere User Experience, Kostenreduzierung und die Steigerung von Konversionsraten. Bei einem durchgängig digitalen Akquise-Prozess erhöht sich die Konversionsrate ganz erheblich – bei den Kunden von IDnow liegt die Steigerung bei über 50 Prozent. Es gibt Zielgruppen, die mit dem traditionellen Onboarding nicht oder nur marginal erreicht werden können. Das gilt besonders für junge Kundengruppen mit einem hohen Anspruch an Usability und Kundenzentrierung. Genau wie im analogen Leben zählt hier im Kundenerleben der erste Moment, die erste Begegnung mit dem neuen Anbieter. Ist das Erlebnis angenehm? Ist es technisch auf Augenhöhe? Wird mit meiner Zeit achtsam umgegangen? Die wahrgenommene Qualität im Onboarding-Prozess wird dabei zum Maßstab für die gesamte Qualitätswahrnehmung der Kunden. 

  • Die Digitalisierung, und mehr noch der Medienwandel führen dazu, dass die Banken häufig aus dem Blickfeld der Kunden verschwinden bzw. kaum noch wahrgenommen werden – wie kann IDnow dem entgegenwirken?

Es stimmt, dass die Face-to-Face-Begegnungen zwischen Banken und ihren Kunden im digitalen Zeitalter abnehmen. Durch die Automatisierung vieler Prozesse werden weitere Interaktionen in Zukunft wegfallen. Richtig eingesetzt kann unser Video-Ident-Verfahren dieser Tendenz entgegenwirken: Die Neukunden werden mit einem lückenlosen, bequemen Prozess an Bord geholt und können das Bankkonto oder die Kreditkarte sofort einsetzen. Das schafft einen hohen Vertrauensvorschuss in die technologische und kommunikative Kompetenz des Anbieters. Anders gesprochen: Wenn Banken ihren Kunden ein technisch ausgereiftes digitales Onboarding-Erlebnis bieten, positionieren sie sich als digitale Leader – und zwar an einer Stelle, an der die Kunden dies sehr bewusst wahrnehmen. Viele unserer Kunden werben deshalb aktiv damit, dass sie beim Onboarding unsere Video-Ident-Lösung anbieten. Darüber hinaus bilden unsere Ident Spezialisten den ersten Kontakt zu den Endkunden. Aufgrund unserer flexibel anpassbaren Prozesse können die Banken diesen nach ihren Vorstellungen gestalten. Wenn sie sich für unsere SaaS-Lösung entscheiden, können sie den Prozess um weitere Schritte wie Upselling oder Beratung ergänzen.   

  • Führt die beschriebene Entwicklung nicht auch dazu, dass der Bedarf an Komplettanbietern, die das Thema Onboarding, Signing und identity based marketing – branchenübergreifend – aus einer Hand anbieten, steigt?

Es gibt einen gesunden Wettbewerb in unserem Markt und wir schließen nicht aus, dass es eines Tages bei den ganz großen Akteuren auch Komplettlösungen geben wird. Momentan entwickelt sich der Banken- und Versicherungsmarkt aber eher zu einem modularen Gefüge, in dem wichtige Prozesse wie die Video-Identifizierung zugekauft werden. Mit IDnow als Partner können unsere Kunden bereits Video-Ident mit integrierter elektronischer Unterschrift anbieten.

  • Wie schätzen Sie die Auswirkungen der neuen regulatorischen Bestimmungen wie PSD2, GDPR, eIDAS und e-Privacy auf das Geschäftsmodell von IDnow und seiner Kunden ein?

Wir sehen in diesen neuen Bestimmungen zum einen notwendige Sicherheitsregularien, die das Vertrauen der Kunden in digitale Produkte/Prozesse fördern. Zum anderen sind sie eine Chance für neue Produkte. Einen sehr positiven Einfluss auf unser Geschäftsmodell hat die eIDAS-Verordnung. Durch sie wurde eSigning in allen EU-Mitgliedsstaaten harmonisiert. Unsere Lösung IDnow eSign basiert auf dieser Verordnung und entspricht seit Beginn den technischen Anforderungen. Europaweit nutzen sie bereits zahlreiche Firmen.

  • Welchen Einfluss werden Digitale Währungen und die Blockchain-Technologie auf die strategische Ausrichtung von IDnow haben?

In DACH sind wir jetzt schon der größte Anbieter von Identifikations-Lösungen für Kryptowährungs-Plattformen und andere Geschäfte rundum Blockchain. Wir sehen in diesem Bereich ein großes Wachstumspotenzial. Blockchain ist unserer Ansicht nach die ideale Plattform für die sichere und reibungslose Identifikation für digitale Transaktionen. Deswegen beschäftigen wir uns auch mit diesem Bereich.

  • In den USA wird bereits mit identitätsbasierenden digitalen Währungen (AML Bitcoin) experimentiert – was halten Sie davon?

Es bleibt abzuwarten, wie sich AML Bitcoin entwickeln. Generell ist es unser Ziel, AML-Compliance für alle Kryptowährungen anzubieten.

  • Welche Rolle wird die eID in Zukunft bei der Identifizierung im Internet übernehmen – ist Estland ein Sonderfall oder werden demnächst alle Länder in Europa dem Beispiel folgen? 

Estland ist in Sachen Digitalisierung die absolute Nummer 1 und hat damit natürlich auch eine Vorbildfunktion. Dort gibt es bereits viele Einsatzmöglichkeiten für die eID. Daher ist die Akzeptanz dort auch entsprechend hoch. Das ist bei uns bis jetzt nicht der Fall. Hierzulande liegt die Nutzungsrate im Promillebereich. Sie ist schwierig anzuwenden, da zum einen Lesegeräte nicht besonders nutzerfreundlich sind und es zum anderen immer noch technische Schwierigkeiten gibt.

  • Wie grenzt sich IDnow von Single Sign On – Initiativen wie Verimi und Yes ab?  

Grundsätzlich funktionieren diese Systeme nur dann, wenn eine initiale Identifikation stattgefunden hat. Das ist das Geschäftsmodell von IDnow.

Wir sehen die zentrale Datenspeicherung sowohl aus Datenschutz- als auch aus Sicherheitsgründen als sehr problematisch. Allein in 2016 wurden weltweit 1,1 Mrd. Identitäten geklaut. Unserer Meinung nach geht der Trend zu dezentralen Speicherungen wie z.B. Blockchain.

  • Der amerikanische Marketing-Vordenker Ted Levitt hielt es für die wichtigste Aufgabe von Unternehmen sich zu fragen, im welchem Geschäft sie eigentlich tätig sind: In welchem Geschäft wird IDnow in fünf Jahren tätig sein?

Wir werden uns weiterhin mit dem digitalen Onboarding und Identitäten beschäftigen, allerdings in viel mehr Ländern und einer Menge anderer Branchen.

  • Herr Spiegelberg, besten Dank für das Gespräch!
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Bitcoin und die Provokation der “Blockchain-Economy”

Von Ralf Keuper

Unter den zahlreichen Beiträgen, die sich mit dem Potenzial der Blockchain und der digitalen Währungen auseinandersetzen, sind nur wenige, die von Soziologen verfasst wurden. Dabei ist das Thema eigentlich prädestiniert für Großtheorien wie der Systemtheorie oder Spezialdisziplinen wie der Finanz- oder Techniksoziologie.

Da leistet der Beitrag Bitcoin und die Provokation der “Blockchain-Economy”  Abhilfe, der von Michael Paetau verfasst wurde, der am Internationalen Zentrum für Soziokybernetische Studien in Bonn forscht. Nach Paetau stellen digitale Währungen unser Verständnis dessen, was Geld ist, auf den Kopf.

Ein Blick in die Geschichte zeige, dass das Geld und seine Funktion nicht ohne die jeweilige Gesellschaftsstruktur und das darin vorherrschenden Produktions und Distributionssystem verstanden werden kann. Beispielhaft dafür ist das alte Griechenland:

Bei Aristoteles ist dies ganz klar formuliert, wenn er den Zusammenhang der freien Bürger der Polis auf den Warentausch gründet und dem Geld die Funktion zuspricht, diese Gemeinschaftsleistung zu garantieren.Was die Einheit der Gemeinschaft erzeugt, ist der Bedarf an Produkten, die andere zur Verfügung stellen. Auf dem Markt, aber »als eine Art austauschbarer Stellvertreter des Bedarfs ist das Geld geschaffen worden, aufgrund gegenseitiger Übereinkunft. Und es trägt den Namen ›Geld‹ (nomisma), weil es sein Dasein nicht der Natur verdankt, sondern weil man es als ›geltend‹ gesetzt (nomos) hat und es bei uns steht, ob wir es ändern oder außer Kurs setzen wollen«. Letztlich ist Geld also »jenes Ding, das als Wertmesser durch ein gemeinsames Maß und somit Gleichheit schafft«.

Als Gegenbeispiel führt Paetau das Geldsystem der Sumerer an, das lange vor dem der alten Griechen bestand:

Ein Blick auf ältere Gesellschaften im Osten des antiken Griechenlands, vor allem in Sumer der Uruk-Zeit (ca. 3000 v.u.Z.) zeigt, dass hier in einer Gesellschaft, in der der gesellschaftliche Reichtum nicht über Warentausch sondern durch ein komplexes System der von Tempelbürokratien verwalteten Produktion, Lagerung und Verteilung der Güter geregelt wurde, eine andere Form von Geld benötigt wurde, nämlich eine Form der gegenseitigen Aufrechnung von Schulden und Forderungen, dokumentiert mit einer für diesen Zweck geeigneten Schrift und Arithmetik, verwaltet in einem Buchhaltungssystem auf Tontafeln gespeichert. Also, wie man heute unter entwickelteren Verhältnissen des Finanzwesens erkennt, eine Art von virtuellem Geld, die das vorwegnimmt, was viele tausend Jahre später in Europa, in einem auf Münzgeld aufbauendem System als schrittweise Ablösung des Geldes von seiner angeblich primordialen Form beschrieben wird. Nämlich als im 16. Jahrhundert, mit der Verbreitung von Wechseln, der Einführung des »Scudo de Marchi«, und anschließender Verbreitung von Banknoten, Schecks, Kreditkarten bis hin zum digitalen Geld sich eine schrittweise Ablösung des Geldes von einer irgendwie gearteten materiellen Substanz durchsetzte.

Für unsere Zeit stellt Paetau fest:

Es lässt sich also festhalten, dass wir heute aus einer Situation des entwickelten kapitalistischen Finanzwesens heraus behaupten können, dass wir den Geldbegriff abstrakter fassen müssen, als es im Mainstream der Wirtschaftswissenschaften geschieht, indem wir anerkennen, dass Geld zunächst ein System von Kreditkonten und ihrer Verrechnungen ist, und dann erst eine bestimmte Form als Münze, Wechsel, Banknote oder eben Bitcoin annehmen kann.

Bereits im Jahr 1970 wagte der Bankhistoriker Volkmar Muthesius die Prognose:

Demnächst werden wir es vielleicht erleben, dass das Buchgeld in seiner heutigen Form seinerseits gewissermaßen abstirbt und ersetzt wird durch Datenspeicher, durch elektronische Vorgänge in Speichergeräten, womit ein weiteres Stadium der Entstofflichung, also einer speziellen Art von Abstraktion sich vollziehen wird – wer vermöchte zu sagen, ob es das letzte sein wird? (Quelle: Bankhistorische Fundstücke – Volkmar Muthesius)

Ähnlich weitsichtig war Marshall McLuhan, der von einer neuen Informationsbewegung des Geldes sprach:

Heute stellt die Technik der Elektrizität den Geldbegriff selbst in Frage, da die neue Dynamik menschlicher gegenseitiger Abhängigkeit von zerlegenden Medien wie etwa dem Buchdruck auf allumfassende oder Massenmedien wie den Telegrafen übergeht (in: Die magischen Kanäle).

Heute ist die Blockchain das neue zerlegende und – das ist ein neues Phänomen – wieder verbindende Medium – als Blockkette.

Insofern erscheinen digitale Währungen als ein fast schon natürliches Phänomen; als nächster Schritt der gesellschaftlichen Evolution, oder Transformation, womit es aus seiner rein technischen Betrachtung gelöst und als Teil eines übergreifenden sozialen Prozesses zu sehen ist:

Als »Medium« besitzt es (das Geld, RK) die Eigenschaft, lange Ketten von sozialen Handlungen dadurch zu beeinflussen, dass einzelne Entscheidungen durch das Medium selbst prädisponiert sind, beispielsweise ob man etwas kaufen möchte oder nicht. Welche Form dieses Medium annimmt, ist immer das Resultat eines komplexen Zusammenwirkens unterschiedlicher Faktoren, seien sie geographischer, technologischer oder auch interessengeleiteter Art. Sie ist immer eingebettet in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um adäquate Formen der Steuerung des ökonomischen Systems, um die Steuerung der Produktion, der Akkumulation, der Administration, der Verteilung und des Austausches des gesellschaftlichen Reichtums. Und selbstverständlich ist das beim Thema Cryptocurrency nicht anders.

Wenn sich der Charakter des Geldes in der beschriebenen Weise ändert, Währungen also noch digitaler und abstrakter werden, bleibt das nicht ohne Einfluss auf die jeweiligen Institutionen, die bislang für die Verteilung des Geldes zuständig waren und seinen Wert garantierten, wie Banken und Nationalbanken.

Wir werden sehen.

Ein ausgesprochen wichtiger Beitrag.

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Glaubenskrieg in der Bitcoin-Community

Von Ralf Keuper

Wenn in einer Glaubensgemeinschaft Angehörige mit der gängigen Lehre hadern und sich entschließen, eine eigene Gemeinschaft zu gründen, spricht man häufig von Abspaltung, Häresie oder auch Reformation. Bei Kryptowährungen bezeichnet man einen solchen Vorgang als “Hard Fork”, wie vor wenigen Monaten, als sich Bitcoin Cash von Bitcoin abspaltete. Für diesen Donnerstag stand mit SegWit2x ein weiterer bevor. Dieser wird aber nicht zustande kommen, wie u.a. in Bitcoin Fork überraschend abgebrochen, Kurse reagieren berichtet wurde. Dennoch bestehen die Abspaltungstendenzen fort, wie in Chaostage bei Bitcoin zu lesen ist. Über die Jahre sei eine Art “Bürgerkrieg” zwischen Entwicklern, Minern und Predigern entstanden, bei dem sich die Fronten mittlerweile unversöhnlich gegenüberstehen. Jede Änderung an der Verarbeitungskapazität birgt in sich das Risiko einer Abspaltung. Dabei werden Argumente vorgebracht, die an überwunden geglaubte Zeit erinnern. Es ist dabei u.a. von Machtkonzentrationen die Rede, womit in erster Linie die großen Miner gemeint sind; selbst der Gegensatz Arm gegen Reich – also Ungleichheit – kommt vor. Im Bitcoin-Lager scheint ein Bruderkrieg ausgebrochen zu sein (Vgl. dazu: Der Bruderkrieg im Bitcoin-Lager). Die Börsen sind – mal wieder – verunsichert. Für Mark Dittli ist Bitcoin ohnehin eine Blase, wie im Lehrbuch.

Als Anfang 2016 der Bitcoin-Entwickler Mike Hearn öffentlich das Bitcoin-Experiment für gescheitert erklärte, war die Irritation eher gering (Vgl. dazu: Ist das Bitcoin-Experiment gescheitert?).

Damals schrieb Nathaniel Popper in A Bitcoin Believer’s Crisis of Faith:

The current dispute, though, is a reminder that the Bitcoin software — like all computer code — is an evolving product of the human mind, and its deployment is vulnerable to human frailties and divergent ideals.

Menschlich, allzumenschlich halt

Weitere Informationen:

The Forks and Fights Behind Bitcoin’s Turbulence

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Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution # 3sat Wirtschaftsdokumentation # Bitcoin

 

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Finanzdienstleistungen im Umbruch – Konsequenzen für die Qualifikationsentwicklung von Bankangestellten

Von Ralf Keuper

Der einst attraktive Beruf des Bankkaufmanns bzw. der Bankkauffrau ist zum Auslaufmodell geworden. Es ist gut möglich, dass der Bankkaufmann demnächst auf der Liste der ausgestorbenen Berufe auftaucht. Die Banken und Sparkassen kämpfen mit einer Strukturkrise, die große Ähnlichkeit mit der im Bergbau und in die Stahlindustrie der 1980er und 90er Jahre hat. Wie ernst die Lage ist wurde erst kürzlich deutlich, als der Chef der Deutschen Bank mit der Aussage zitiert wurde, dass in seinem Haus jeder zweite Beschäftigte überflüssig sei (Vgl. dazu: Jeder zweite Deutschbanker ist überflüssig – sagt der Bankchef). Die Arbeit vieler Bankangestellter kann von Softwarerobotern übernommen werden. Die Zahl der Beschäftigen im Bankgewerbe hat von 2002 bis 2015 um ca. 20 Prozent abgenommen, die der Auszubildenden sogar noch mehr (Vgl. dazu: Brauchen Banken mehr Personal?).

Was ist passiert – gab es in der Vergangenheit erste Warnsignale oder kam die Entwicklung überraschend?

Im Jahr 2002 erschien die Studie Finanzdienstleistungen im Umbruch – Konsequenzen für die Qualifikationsentwicklung von Bankangestellten Branchenbericht zum Projekt Trendqualifikationen als Basis zur Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Darin sprachen die Autoren bereits von einer Strukturkrise, in der sich die Bankenbranche zu dem Zeitpunkt bereits befand, wobei sie u.a. den damaligen Chef der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, zitierten. Dieser sagte im November 2001:

Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einer Strukturkrise, die ernsthafter und fundamentaler ist als bisher angenommen.

Erst kürzlich hat Breuer in einem Interview von sich gegeben, dass er von einer Karriere in einer Bank dringend abrate (Vgl. dazu: Ex-Deutsche-Bank-Chef: “Bank-Karriere? Ich würde abraten”). Bereits im Jahr 1990 sorgte der Deutsche Bank – Vorstand Ulrich Cartellieri mit der Aussage für leichte Unruhe, wonach die Bankenbranche das gleiche Schicksal wie die Stahlbranche teilen werde (Vgl. dazu: Suche in allen Winkeln).

Die Autoren der erwähnten Studie halten als wesentliche Merkmale des Strukturwandels fest:

Seinen sichtbaren Ausdruck findet der Strukturwandel in einer Reihe von Trends, die diesen Prozess kennzeichnen und zugleich vorantreiben. Dazu gehören vor allem eine durch die Globalisierung hervorgerufene neue Wettbewerbssituation, Veränderungen des Kundenverhaltens und der Kundenerwartungen, eine sich völlig neu formierende Anbieterlandschaft, zu der auch bisher nicht im Finanzdienstleistungsbereich tätige Unternehmen gehören, und nicht zuletzt die Verfügbarkeit vielfältiger neuer technischer Möglichkeiten und der Zwang, diese auch zu nutzen.

Besondere Dynamik ging von den neuesten Entwicklungen der Informationstechnologie aus, die heute unter dem Schlagwort “Digitalisierung” zusammengefasst werden:

In ganz besonderem Maße wird die Entwicklung im Bereich der Finanzdienstleistungen durch den Megatrend technologische Entwicklung geprägt. Insbesondere der rasante Siegeszug der Informations- und Kommunikationstechnologien mit PC, Internet und vernetzter Automatentechnik eröffnete nicht nur eine Fülle neuer Vertriebswege, sondern hat das Bank- und Versicherungsgewerbe insgesamt revolutioniert. Vo allem setzte damit ein Prozess tief greifender Veränderungen in der gesamten Aufbau- und Ablauforganisation der Unternehmen der Finanzbranche ein. Das betraf sowohl die interne Reorganisation in den von uns nur punktuell in die Untersuchung einbezogenen Marktfolgebereichen als auch die Kundenbereiche.

Bereits damals kursierte das Konzept des “Store-Banking”.

Andere Institute gestalten Ihre Bank so um, dass diese nicht mehr den traditionellen Vorstellungen entspricht, um den Kunden mit Hilfe innovativer Kompositionen wieder für die Bank zu interessieren. Sie setzen auf emotionale Bindung des Kunden an die regionalen Dienstleister und an die Bank, indem sie eine wechselnde Vielfalt unterschiedlicher Angebote von gewerblichen Kunden in der Bank präsentieren und vertriebsmäßig unterstützten. Das Konzept des Store-Banking basiert auf dieser Idee und hat sich ständig weiterentwickelt. Begonnen mit einer konsequenten Veränderung der Bank zu einem Bank-Store folgt es mehr und mehr dem Prinzip des genossenschaftlichen Gedankens und bietet in der Region Erfolgspartnerschaft, Problemlösungskompetenz, institutsneutrale Bankberatung und “betriebswirtschaftliches Coaching” für Handwerker, kleine Mittelständler und Selbständige als Kernpunkte ihres Unternehmenskonzeptes an

Die Bank müsse sich in Zukunft an die veränderte Geschwindigkeit im Datenaustausch anpassen:

Die Möglichkeit des schnellen und zeitnahen Austauschs von wichtigen, kunden- oder bankspezifischen Daten wird nach Auffassung aller Experten auch künftig an Bedeutung gewinnen. Internet- und Medienkompetenz, d. h. die Fähigkeit zum kompetenten Umgang mit allen zur Informationsbeschaffung, -verarbeitung und -übermittlung notwendigen Medien erlangen damit für den Bereich der Finanzdienstleistungen nicht nur als berufsfeldübergreifende Qualifikation, sondern auch als spezialisiertes Tätigkeitsfeld eine herausragende Bedeutung.

Die Autoren definierten die Qualifikationsprofile:

  • Bankfachverkäufer/in,
  • Finance-Lifestyle-Consultant,
  • FinanceInfo-Broker(-in) und
  • Fullservice-Produkt-Designer(-in)

Bewertung:

Die Studie zeigt, dass bereits zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts die Herausforderungen an das Geschäftsmodell der Banken und die Ausbildung ihres Nachwuchses bekannt waren. In den Jahren darauf, so viel kann angesichts der aktuellen Situation festgestellt werden, hat man es versäumt, die Qualifikation der Mitarbeiter an die Neuen Realitäten anzupassen. Auch die Studie ging damals noch davon aus, dass es ausreichend sei, die Qualifikationen der Mitarbeiter an den neuen technologischen Möglichkeiten auszurichten, wobei Technologiekonzerne als Trendsetter anerkannt wurden. Noch nicht auf dem Bildschirm hatte man jedoch die Variante, dass die Technologiekonzerne selber ernsthafte Mitbewerber werden können. Fairerweise muss man zugeben, dass Amazon, Google und facebook zu dem Zeitpunkt noch keine ernsthaften Mitbewerber waren; facebook war noch nicht einmal gegründet. Das Smartphone kam erst Jahre später. Dennoch hat man den Eindruck, dass in den Banken bis heute die Vorstellung vorherrscht, durch Förderung der Medien- und Technikkompetenz ihrer Mitarbeiter und evtl. durch Kooperationen mit Fintech-Startups könne die Lücke geschlossen werden. Wir haben es mittlerweile mit einer neuen Situation zu tun: Als neue Organisationsform haben sich die digitalen Plattformen zwischen die Kunden und Banken geschoben. Das Mediennutzungsverhalten hat sich mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke und des Smartphones gravierend gewandelt. Das Banking ist integraler Bestandteil des Medienwandels geworden. Die Banken haben ihr Informationsmonopol und ihre digitale Souveränität verloren.

Was folgt daraus für die Ausbildung und für die Weiterbildung? Was kann, was will man den Mitarbeitern in Zukunft (noch) bieten? Mehr technische Qualifikation, Rückbesinnung auf den Auftrag einer Bank in der Informationsgesellschaft, Wiederbelebung des Relationship-Banking, Erprobung neuer Organisationsformen, Wandel in einen Technologiekonzern mit Banklizenz (Beyond Banking) oder in eine Bank ohne Bankbilanz (ING), Aufbau einer eigenen digitalen Plattform? Reichen dazu die Zeit und die Mittel noch aus?

So viel scheint sicher: Der gute alte Bankkaufmann ist Vergangenheit.

Weitere Informationen:

Brauchen Banken mehr Personal?

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Connecticut Green Bank

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Leemon Baird über seine Motivation Hashgraph zu entwicklen

We can use the cloud to collaborate on a business document, or play a game, or run an auction. But it bothered me that “cloud” meant a central server, with all the costs and security issues that implies.  It bothered me a lot.

It should be possible for anyone to create a shared world on the internet, and invite as many participants as they want, to collaborate, or buy and sell, or play, or create, or whatever.  There shouldn’t be any expensive server. It should be fast and fair and Byzantine.  And the rules of the community should be enforced, even if no single individual is trusted by everyone. This should be what the internet looks like.  This is my vision for how cyberspace should run.  This is what we need.

But no such system existed.  Whenever I tried to design such a system, I kept running into roadblocks. It clearly needed to be built on a consensus system that didn’t use much computation, didn’t use much bandwidth, and didn’t use much storage, yet would be completely fair, fast, and cheap.

I would work hard on it for days until I finally convinced myself it was impossible. Then, a few weeks later, it would start nagging at me again, and I’d have to go back to working intensely on it, until I was again convinced it was impossible.

This went on for a long time, until I finally found the answer. If there’s a hashgraph, with gossip about gossip, and virtual voting, then you get fairness and speed and a math proof of Byzantine fault tolerance. When I finally had the complete algorithm and math proof, I then built the software and a company. The entire process was a pretty intense 3 years.  But in the end, it turned out to be a system that is very simple.  And which seems obvious in retrospect.

Quelle: A New Approach to Consensus: Swirlds HashGraph

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Die Deutsche Bank wird digital: Joris Hensen über die Digitalfabrik und dbAPI

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Authentifizierte Machine-to-Machine-Zahlungen

Von Ralf Keuper

Es ist absehbar, dass Maschinen demnächst Zahlungen an andere Maschinen durchführen werden. Bei IOTA beispielsweise will man die Machine-to-Machine-Zahlungen mittels Blockchain und einer eigenen Kryptowährung ermöglichen. Laut IOTA befinden wir uns ohnehin auf dem Weg zur Machine Economy (Vgl. dazu:  IOTA – Kryptowährung für Maschinen, oder: Autonome Maschinen bezahlen autonome Maschinen). Weitere Beispiele sind tilepay (Vgl. dazu: tilepay Internet of Things Micropayments Platform – Internet of Things Data Marketplace) und SOFiA (Vgl. dazu: Smart Objects und Smart Finance Ansätze (SOFiA)).

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt der Chip-Hersteller Intel, wie in Reibungslose Fintech – Sicherheit für schnelle Bezahlmethoden im Internet der Dinge zu lesen ist.

Bislang bereitet bei den Machine-to-Machine-Zahlungen die sichere Authentifzierung noch Probleme. Doch auch dieses Problem lässt sich laut Intel relativ leicht beheben. Nötig ist dazu die Einführung eines neuen Begriffs bzw. einer neuen (technischen) Rolle, nämlich die des Zahlungsagenten:

Dennoch liegt das Konzept authentifizierter Machine-to-Machine-Zahlungen nicht außerhalb unserer Reichweite, folgt man Dr. Farhaan Mohideen, EMEA Lead, Secure Payments and Mobility, Retail Solutions Division bei Intel. Er sieht zwar die Notwendigkeit zu wissen, wer die Zahlung vornimmt, fokussiert jedoch lieber einen anderen Ansatz: „Wir sollten nicht mehr über Zahlungsinstrumente sprechen, sondern uns mehr mit Zahlungsagenten in Verbindung mit der Maschine befassen. Der Zahlungsagent wird zusätzlich zu der Zuordnung des Zahlungsinstruments eines Benutzers und der Autorisierungsfunktion eine Reihe weiterer Merkmale haben. Diese Autorisierung wird an eine Reihe von Bedingungen geknüpft sein, z. B. das Zahlungslimit, die Art der Waren und Dienste, deren Kauf gestattet ist und wann der Besitzer des Zahlungsinstruments kontaktiert werden muss, falls diese Bedingungen für die Genehmigung der Zahlung nicht eingehalten werden.“

Um diese Ziel zu erreichen, verwendet Intel die Software Guard Extensions (SGX):

Die „sicheren Enklaven“ der SGX sind geschützte Programmcode- und Datenbereiche, die ein Trusted Execution Environment (TEE) bilden, das zum Betriebssystem des Geräts hin abgeschirmt und so dem Zugriff durch Hacker entzogen ist. Bei der zukünftigen starken Verbreitung von IoT-Bezahlsystemen wird das Vorhandensein identifizierbarer vertrauenswürdiger Daten in Form solcher SGX-Enklaven das Vertrauen in die Genehmigung von Transaktionen mit geringem Risiko unter Abwägung des Interesses an reibungslosem Bezahlen gegenüber möglichem Betrug stärken.

Die Lösung verwendet auch die Blockchain-Technologie (Vgl. dazu: Intel® Technology – Securing Enterprise Blockchains und SGX and cryptocurrencies).

With Intel SGX, blockchain data can be kept in encrypted form until it is needed for a transaction. It is then decrypted in a secure enclave where only permitted participants can view it.

Zusammen mit dem chinesischen Internet-Konzern Tencent, zu dem auch WeChat gehört, forscht Intel an Einsatzmöglichkeiten der Blockchain im Bereich IOT, wie in Tencent Taps Intel’s Hardware for IoT Blockchain Solution berichtet wird. Wenige Monate zuvor gab Tencent die Arbeiten an der Blockchain-Plattform TrustSQL bekannt.

The firm – the maker of popular social services such as QQ and WeChat – is planning to use the technology to offer digital asset management, authentication and “shared economies”, among others services. The new platform, dubbed “TrustSQL”, is envisioned as a three-part system, incorporating the core chain layer, a product and service layer, and an application layer. (Quelle: Internet Giant Tencent is Building a Blockchain Platform).

Das wächst was zusammen …

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Open Banking Hub der Swisscom geht offiziell an den Start

Von Ralf Keuper

Die Swisscom gab in dieser Woche die Lancierung eines Open Banking Hubs bekannt, wie u.a. in Swisscom erläutert das Business-Modell des Open Banking Hubs  und in der Pressemitteilung Swisscom lanciert Open Banking Hub berichtet wurde. Der Open Banking Hub bietet zwei Modelle: Zum einen wäre da die Sandbox-Variante. Dort haben die Banken die Möglichkeit, mit Services zu experimentieren. Das andere Modell sieht die produktive Nutzung des Open Banking Hubs vor.

Die Swisscom lässt sich den Zugang zum Hub wie auch ihre Dienstleistungen (Transaktionsabwicklung, Compliance, Datensicherheit, Betrieb) bezahlen. Primäres Ziel ist es, sich als Integrator für das Open Banking zu positionieren – sowohl für Banken wie auch für Fintech-Startups (Vgl. dazu: APIs and FinTech: What’s next?).

Im Grunde handelt es sich um klassisches Business Process Outsourcing ergänzt um den Ökosystem-Gedanken – in der Summe so etwas wie Banking as a Service. Das wiederum hat große Ähnlichkeit mit dem Value Chain Position Profit – Modell von Slywotzky (Vgl. dazu: Geschäftsmodellinnovation im Banking: Value Chain Position Profit).

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