Credit Scoring auf Blockchain-Basis: Bloom

Von Ralf Keuper

Seit einiger Zeit gibt es Bestrebungen, das Credit Scoring zu modernisieren und an den digitalen Alltag der Kunden anzupassen. Beispielhaft dafür sind affirm, Kreditech, Big Data Scoring und bonify.

Einen Schritt weiter geht Bloom mit seinem Bloom Protocol – Decentralized credit scoring powered by Ethereum and IPFS.

Zur Philosophie:

Bloom is a standardized, programmable ecosystem to facilitate on-demand, secure, and global access to credit services. Bloom presents a novel approach to credit risk assessment allowing both traditional fiat lenders and digital asset lenders to issue compliant loans on the blockchain while increasing competition to lower fees and improve borrower experience at every layer of the credit issuance process.

Die drei Hauptbestandteile: 

1. BloomID (Identity Attestation): BloomID creates a global secure identity, allowing lenders to offer compliant loans globally, without forcing borrowers to expose personal information.

2. BloomIQ (Credit Registry): BloomIQ is a system for reporting and tracking current and historical debt obligations that are tied to a user’s BloomID.

3. BloomScore (Credit Scoring): The BloomScore is a metric of consumers’ creditworthiness. This decentralized score is similar to FICO or VantageScore score, but with updated models. …

Der Kreditvergabe bzw. Risikoprozess

1. Loan originator creates contract detailing the amount of the loan, the repayment schedule, and the requirements of the risk assessment

2. User reviews and agrees to the contract

3. External attesters and stakers agree to verify identity and creditworthiness based on loan originator’s set of desired attesters and stakers

4. Organizations update contracts with personally identifiable information (PII) requirements that they need to fulfill attestations such as “name”, “address”, “date of birth”

5. User attaches encrypted details for each attester and staker to their BloomID contract using the public keys of the respective parties

6. Identity verifier attests to the user’s provided data

7. RiskCo pays alternative data provider (Telco) for anonymized transaction history

8. RiskCo uses additional payment history information to decide whether to stake user

9. Requirements all met. Borrower can withdraw credited funds

Wesentliches Element ist die Digitale Identität, hier die Bloom ID, der Nutzer. Wir werden in Zukunft noch weitere Modelle sehen, die nach ähnlichen Prinzipien arbeiten. Bloom könnte eines der führenden werden. Das klassische Credit Scoring könnte dadurch ersetzt, zumindest jedoch ergänzt werden. Das Credit Scoring wird Bestandteil eines größeren Ökosystems, dessen Zentrum die Digitalen Identitäten sein werden.

Identiy is the new money (David Birch).

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The Data Dollar Store: Bezahlen mit Daten

Von Ralf Keuper

In London hat Kaspersky Lab einen Shop eröffnet, in dem man mit seinen Daten bezahlen kann, wie u.a. in Inside the store that only accepts personal data as currency berichtet wird. Der Store hat den bezeichnenden Namen The Data Dollar Store. Kaspersky schreibt zu dem Experiment, das auf zwei Tage ausgelegt ist:

We’ve opened the world’s first shop using this new currency: The Data Dollar Store. For two days only, The Data Dollar Store will sell exclusive products created by world-famous street artist, Ben Eine. Money won’t get you anywhere. So, when you decide what the art is worth to you, don’t think what you’re willing to pay – think what you’re willing to share.

Zu den Geschäftsregeln heisst es in dem eingangs erwähnten Beitrag:

.. to acquire the mug, you had to hand over three photos, or screenshots of your WhatsApp, SMS and email conversations, to Kaspersky. To buy the t-shirt, it had to be the last three photos on your Camera Roll — so you couldn’t be selective — or the last three messages on your phone.

So neu ist das Experiment nicht. Bereits im Jahr 2014 war The Datenmarkt im Hamburger Stadtteil Eppendorf für einige Tage geöffnet. Dort konnte man mit seinen Facebook-Daten bezahlen (Vgl. dazu: The Datenmarkt – How your data becomes a currency).

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Blockchain-Technologie als Schlüssel für die Zukunft? – Prof. Dr. Hans Ulrich Buhl

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Blockchain Demo (adesso)

This blockchain demo helps you to understand the basic principles behind the blockchain technology.

Link: Blockchain Demo

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Thomas Mayer („Die neue Ordnung des Geldes“)

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Banken bauen weltweit Stellen im großen Umfang ab

Von Ralf Keuper

Seit einigen Jahren bauen die Banken weltweit Stellen im großen Umfang ab. Zu den wenigen mir bekannten Studien, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen, zählt der Job Loss Survey 2013 von Uni Global Union. Darin wurden 26 Länder aus allen Kontinenten untersucht.

Für das Jahr 2012 halten die Autoren fest (Hervorhebung von mir):

In total, in 23 banks which account for over 3 million workers, 105’950 jobs were lost in 19 banks and 7’872 were created in 4 banks, for a net loss of 98’450 jobs in 2012. At the same time, the same banks made some enormous profits, in the range of 1 to 28 billion dollars. Crédit agricole and Uni Credit are the only banks that lost money last year.

Hier eine Auswahl von Meldungen vom Herbst 2016 bis heute (außerhalb Deutschlands):

Die eingangs erwähnte Studie nennt die Bereiche mit den größten Jobverlusten:

Worldwide, front line and back office jobs are most often being lost. IT jobs follow but these losses are only half as prevalent as the previous two. Highly qualified jobs are also being cut in Denmark, Finland, Greece, Spain, and UK as well as in Venezuela and Ghana. Legal and compliance jobs are being cut in Ireland, Spain and Venezuela. They are being created in The Netherlands, Luxembourg, Denmark, The United Kingdom, Iceland and Sweden.

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Bankenbranche auf den Spuren der Stahlindustrie #3

Von Ralf Keuper

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, geht davon aus, dass in seinem Haus in den nächsten Jahren zahlreiche Jobs durch Automatisierung ersetzt werden, wie u.a. in Deutsche Bank CEO: A ‚big number‘ of our staff will be replaced by technology zu erfahren ist.

In our banks we have people behaving like robots doing mechanical things, tomorrow we’re going to have robots behaving like people ..

We have to find new ways of employing people and maybe people need to find new ways of spending their time… The truthful answer is we won’t need as many people.

Dass in dieser Form so deutlich auszusprechen, ist neu. Zwar erscheinen immer wieder Meldungen, die über Filialschließungen im großen Stil berichten; in so drastischen Worten hat das in der Vergangenheit eigentlich nur Ulrich Cartellieri ausgedrückt, wenngleich unter anderen Vorzeichen.

Die Digitalisierung wird m.E. in der Summe, d.h. auf die Gesamtwirtschaft übertragen, nicht zu einem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen führen; eher noch wird der Bedarf steigen. Allerdings wird die Bankenbranche von der Automatisierung mit einigen Jahrzehnten Verspätung mit voller Wucht erfasst – ähnlich wie zuvor die Stahlindustire und demnächst die Automobilindustrie. Hinzu kommt noch eine tiefgreifende Veränderung der Branchenstruktur, die es neuen Mitbewerbern relativ leicht macht, in das Bankgeschäft vorzustossen; ganz abgesehen von den Entwicklungen im Bereich Blockchain/Kryptowährungen und dem veränderten Mediennutzungsverhalten der Kunden. Es sind schlicht zu viele Faktoren, die sich gleichzeitig ändern.

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Paydirekt hat kein Start-, sondern ein Strukturproblem

Von Ralf Keuper

Das Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen, Paydirekt, wartet noch immer auf seinen Durchbruch. Mit derzeit 1,3 Millionen registrierten Nutzer ist man davon noch weit entfernt. Um die Akzeptanz bei den Nutzern und Händlern zu erhöhen, hat man in der jüngeren Vergangenheit bereits zu einigen nicht ganz unumstrittenen Maßnahmen gegriffen (Vgl. dazu: Paydirekt: Mit Brechstange und Nudging).

Nun scheint es so, als stünde eine großen Investitionsoffensive unmittelbar bevor, wie in Deutsche Banken – Mit der dicken Keule gegen Paypal zu erfahren ist. Ganz unabhängig davon, ob die Investitionen tatsächlich geleistet werden – das eigentliche Problem wird damit nicht behoben – Paydirekt hat kein Start-, sondern ein Strukturproblem, d.h. alle Maßnahmen, die darauf abzielen, die Akzeptanz zu erhöhen und die Startphase hinter sich zu lassen, greifen zu kurz, da die Branchenstruktur sich bereits zu sehr gewandelt hat.

Doch zunächst ein kurzer Rückblick.

Strategische Wendepunkte im Banking: Die 1980er Jahre

Die Banken und vor allem die Sparkassen leiden unter strategischen Entscheidungen aus den 1980er Jahren, die auf eine Branche ausgerichtet waren und noch sind, die so nicht mehr existiert.

Die Sparkassen haben damals die Chance verstreichen lassen, mit der S-Card die technologische Marktführerschaft zu übernehmen und für mehr Wettbewerb unter den Banken zu sorgen (Vgl. dazu: Wie die Sparkassen ihre Chance auf Innovationsführerschaft verspielten – eine kontrafaktische Betrachtung). Eine weitere Gelegenheit für Innovationen in der deutschen Bankenbranche bot sich, als die großen Kreditkartenunternehmen auf den Markt drängten (Vgl. dazu: Banking in der Retrospektive: Als die Kreditkarte den Eurocheque ablösen sollte).

Schon damals, im Jahr 1987, bemerkte ein Autor im manager magazin:

Bislang konnten die deutschen Kreditinstitute ihre Position als Universalpartner in Gelddingen spielend behaupten. Nun wird es ernster: Es sind die klassischen Bereiche des Bankgeschäfts, die die Konkurrenz im Visier hat. Wer den Kunden mit der Karte erst einmal an sich gebunden hat, so das Kalkül der Geldbranche, wird ihn auch für seine breite Palette von Finanzdienstleistungen gewinnen.

Mit der EC-Karte konnte die Banken den Vorstoss zwar abwehren, sahen sich aber mit dem Aufkommen des Internet nicht veranlasst, an neuen Bezahlverfahren zu arbeiten. Erst als es zu spät war, und Anbieter wie Paypal bereits große Teile des Marktes für Online-Bezahlen erobert hatten, reagierte man – und auch das nur halbherzig.

Inzwischen ist das im obigen Zitat erwähnte Szenario eingetreten: Apple Pay, Amazon, Alibaba und Paypal haben sich zwischen die Banken und die Kunden geschoben. Sie können den Kunden auf ihren Plattformen neben Bank- auch weitere Dienstleistungen anbieten. Die alte Rolle der Banken als Universalpartner in Gelddingen ist obsolet.

Ein weiterer strategischer Wendepunkt war die Einführung des POS.

Die Erfolgschancen des POS wurden damals als gering eingeschätzt:

Die Datenverbundsysteme werden erst dann wirklich wettbewerbsrelevant, wenn der Handel bei der Automation des Zahlungsverkehrs mitspielt und elektronische Ladenkassen installiert. Die sogenannten Point-of-Sale-Terminals (POS) sind jedoch bisher äußerst umstritten. Der Handel scheut die zusätzlichen Kosten und veranschlagt die Zeitersparnis gering (in: Partner ohne Netz, mm 2/1986)

Bereits damals kam der Hinweis, die Banken könnten, sofern sie sich nicht einigen und das große Potenzial, das aus der Automatisierung des Zahlungsverkehrs resultierte, ignorieren würden, den Anschluss an die Marktentwicklung verlieren.

Die  mm-Autoren Günter Heismann und Stefanie von Viereck bemerkten dazu:

Sollte die Automation so rasch vorangetrieben werden, dass das Know-how des Bankfachmannes zweitrangig wird, hätten Elekronikkonzerne und Softwarehäuser beträchtliche Chancen, dem Kreditgewerbe durchaus lukrative Segmente des Stammgeschäftes streitig zu machen (ebd.).

Der Fall ist eingetreten.

Ausnahme HBCI – Vorläufer des Open Banking

Bei aller Kritik, muss man den hiesigen Banken bescheinigen, dass sie mit der Lancierung von HBCI eine für die damalige Zeit echte Innovation geschaffen haben, die bereits viel von dem vorweg nahm, was heute unter dem Schlagwort Open Banking kursiert.

Die Regeln der Plattformökonomie – der Gegner ist (nicht nur) Paypal

Die Banken und Sparkassen tun sich – aus nachvollziehbaren Gründen –  ausgesprochen schwer damit, die Regeln der Plattformökonomie zu verstehen und zu akzeptieren. Früher wären die Sparkassen von den Kunden und Händlern unter Beifall begrüßt worden, wenn sie ihnen ein Bezahlverfahren geboten hätten, mit dem sie im Internet bequem und sicher bezahlen können. Der Unterschied zu früheren Zeiten besteht darin, dass es zu dem Zeitpunkt bereits Alternativen (nicht nur Paypal) gab, die bei den Endkunden und Händlern zu beiderseitigem Nutzen im großen Stil verwendet wurden. Statt Jubel schlug den Banken und Sparkassen ein kalter Wind entgegen – eine für sie ungewohnte Situation. Auf sie hatte scheinbar keiner gewartet.

Aber nicht nur die Banken haben den Wandel zu spät erkannt – auch Versandhäuser wie Otto haben den Trend unterschätzt. Das eigene Online-Bezahlverfahren Yapital musste seinen Betrieb einstellen, als absehbar war, dass ein Durchbruch nicht zu realisieren war.

Struktur- und Medienwandel kann mit großen Investitionen weder aufgehalten noch rückgängig gemacht werden

Mit Investitionen, auch wenn sie im dreistelligen Millionenbereich liegen oder noch deutlich höher ausfallen, ist dieser Strukturwandel weder aufzuhalten noch im eigenen Sinne umzubiegen. Das Geschäft hat sich verlagert – und zwar vor allem auf die großen digitalen Plattformen mit ihren Lösungen für das mobile und online-Bezahlen und ihrer Kombination aus Software, Hardware, Logistik, Entertainment und Sozialen Netzwerken. Zum jetzigen Zeitpunkt kommen die Banken nicht an den großen Internetkonzernen vorbei, wenn sie ihre Kunden im Netz erreichen wollen. Solange dieser strukturelle Nachteil anhält, wird Paydirekt kein Verkaufsschlager.

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Robert S. Shiller: Bitcoin ist Paradebeispiel einer Blase

Von Ralf Keuper

Robert S. Shiller hat sich in der Vergangenheit bereits öfters kritisch zu Bitcoin geäußert. (Vgl. dazu: Die Bitcoin-Blase (Robert J. Shiller))

In einem Interview mit Quartz bekräftigt Shiller seine Skepsis. Für ihn trägt die Kursentwicklung von Bitcoin deutliche Züge einer klassischen Spekulationsblase – eines Irrationalen Überschwangs, wie der Titel seines wohl bekanntesten Buches lautet.

Warum er dieser Ansicht ist:

The best example right now is bitcoin. And I think that has to do with the motivating quality of the bitcoin story. And I’ve seen it in my students at Yale. You start talking about bitcoin and they’re excited! And I think, what’s so exciting? You have to think like humanities people. What is this bitcoin story? …

If you look at the third edition of Irrational Exuberance, I’m arguing that there’s a fundamental deep angst of our digitization and computers, that people wonder what their place is in this new world. What’s it going to be like in 10, 20, or 30 years, and will I have a job? Will I have anything?

Somehow bitcoin fits into that and it gives a sense of empowerment: I understand what’s happening! I can speculate and I can be rich from understanding this! That kind of is a solution to the fundamental angst.

Seine Hauptaufgabe sieht Shiller darin, die Bitcoin-Story, das Bitcoin Narrativ zu dekonstruieren. Mitverantwortlich für die Entstehung von Spekulationsblasen seien, so Shiller, die Medien (Vgl. dazu: Fintech und die Verantwortung der Medien). Angefangen habe das mit dem Buchdruck, der jedoch erst im 16. Jahrhundert seinen Durchbruch erlebte und begann, die öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen. Das Internet setzte diese Entwicklung nur fort.

Things have always gone viral, it’s the nature of civilization, but it got stronger with the printing press, much stronger. And then around the 1600s they invented the idea of weekly newspapers that told you what happened this week. And that really went like wildfire. People loved newspapers.

The internet takes it to another dimension. But I have a sense it’s not as important as the printing press.

Von ICOs hat Shiller bislang, wie er in dem Interview bekundete, noch nichts gehört. Das überrascht schon ein wenig …

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Bert Flossbach und Erik Podzuweit streiten über Indexfonds (ETF)

Von Ralf Keuper

In Bert Flossbach ätzt gegen Robo-Marktführer wird über ein Streitgespräch zwischen dem aktiven Investor Bert Flossbach und dem Gründer von Scalable Capital, Erik Podzuweit, berichtet. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob börsengehandelte Indexfonds (ETF) gut für den Kapitalmarkt sind oder nicht. Flossbach lastet den ETF an, dass sie die Unternehmen, anders als aktive Investoren, nicht kontrollieren würden. Dem hält Podzuweit u.a. entgegen, dass der Einfluss von aktiven Fondsmanagern auf die Unternehmen überschätzt werde. Unternehmen scheitern nicht so sehr an übertriebenen Kursbewertungen, sondern daran, dass die Kunden sich von ihnen abwenden.

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