Steuereinnahmen und Steuerarten im Überblick

Von Ralf Keuper

Die Steuereinnahmen in Deutschland lagen im Jahre 2017 bei knapp 750 Mrd. EUR. Dabei fällt der größte Anteil auf die Lohn- und Einkommenssteuer, die zusammen mit der Umsatzsteuer und weiteren Steuern, die von Gewerbetreibenden gezahlt werden müssen. Insgesamt betragen die Steuereinnahmen aus dieser Kategorie knapp 540 Mrd. EUR. Dabei entfallen die größten Posten auf die Lohnsteuer mit knapp 200 Mrd. EUR und die veranlagte Einkommenssteuer mit knapp 60 Mrd. EUR. Die hohen Einnahmen resultieren einerseits aus der hohen Konjunktur, die bereits seit mehreren Jahren anhält.

Einkommenssteuer und die kalte Progression



Deutschland ist eines der Länder auf der Welt mit den höchsten Steuereinnahmen überhaupt. Der Höchstsatz liegt bei 42 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Der Einstiegssteuersatz wurde von der Regierung mit 12 Prozent festgesetzt. Mit dem Einkommen steigt der Steuersatz dann kontinuierlich an. Dies wird als kalte Progression bezeichnet. Besonders ärgerlich ist dieses Phänomen bei einigen Lohn- und Gehaltserhöhungen. Fällt der Einkommensbezieher durch die Erhöhung seines Einkommens in die nächste Steuerklasse, kann es sein, dass er netto weniger Geld bekommt. Dies liegt dann an dem höheren Steuerabzug. In der Politik wird seit geraumer Zeit über die Abschaffung der kalten Progression diskutiert, doch bislang ist noch keine Änderung der Gesetze in Kraft getreten.



Bedeutung der Gemeindesteuern



Wie es der Name bereits verrät, werden diese Steuern von den Städten und Gemeinden vereinnahmt und verwertet. In den Bereich fallen die Grundsteuern und die Gewerbesteuern. Grundsteuern werden von allen Grundstückseigentümern eingefordert. Besitzer von Häusern und Wohnungen zahlen die Steuer direkt an die Stadt oder die Gemeinde. Mieter müssen sich anteilig an dieser Steuer beteiligen. Abhängig von der Größe der Wohnung erscheint die Steuer auf der Nebenkostenabrechnung, die einmal jährlich vom Vermieter erstellt werden muss. Je größer die Wohnfläche ist, desto höher ist der Anteil des Mieters in Bezug auf die Zahlung der Grundsteuer.
Bei den Grundsteuern werden die Kategorien A und B unterschieden. In die Kategorie A fallen gewerblich genutzte Grundstücke, etwa aus den Bereichen Handwerk und Landwirtschaft. Privat genutzte Grundstücke werden in der Kategorie B besteuert. Als Grundlage für die Steuer dient ein Hebesatz, der von der Stadt oder Gemeinde festgelegt wird.


Rückständige Steuern nachzahlen



Steuernachzahlungen, die vom Finanzamt nachgefordert werden, sind in der Regel innerhalb von vier Wochen zu zahlen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Einen Rechtsanspruch auf eine Ratenzahlung gibt es jedoch nicht. Es ist immer eine Einzelfallentscheidung. Sollte eine Ratenzahlung nicht bewilligt werden, ist das Geld mit dem Ablauf eines Monats nach der Zustellung des Bescheides zu zahlen. Andernfalls kann das Finanzamt Verzugszinsen berechnen. Diese orientieren sich an der Steuerschuld und können empfindlich hoch sein. Aus diesem Grund kann ein Kredit zur Überbrückung sehr hilfreich sein. Empfehlenswert ist die Nutzung eines Finanzierungsrechners, um das günstigste Angebot zu ermitteln. Gerade bei höheren Steuerschulden, die eine längerfristige Kreditaufnahme bedingen, ist ein günstigerer Zinssatz von Vorteil, denn er wirkt sich positiv auf die monatlichen Raten aus.

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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt Banken vor BigTech-Firmen

Von Ralf Keuper

Diese Warnung kommt reichlich spät: Wie in BIZ: Tech-Giganten bedrohen Existenz mancher Finanzinstitute zu erfahren ist, geht der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ, Agustin Carstens, davon aus, dass viele Banken demnächst von den sog. BigTech-Unternehmen, wie Google, Amazon oder Apple, aus dem Bankgeschäft verdrängt werden.

Bei allen Unterschieden der Bankdienstleistungen, die von Alipay, WeChat, Google, Apple und Amazon angeboten werden, ist der gemeinsame Nenner die gezielte Nutzung von Informationen. Es gibt eigentlich keinen Grund, der Amazon & Co. daran hindert, ihre Aktivitäten im Banking auszubauen.

Sehr wahrscheinlich ist, dass das Banking schon recht bald Bestandteil des Leistungsangebots Integrierter Technologiekonzerne sein wird (Vgl. dazu: Banking im integrierten Technologiekonzern). Diese werden Stand heute nicht von Banken geführt – auch nicht als Plattform, so verführerisch dieser Gedanke auch sein mag. Dazu fehlen zu viele wichtige “Zutaten”. Die Zeit reicht nicht mehr. Was bleibt ist der strategische Rückzug. Und auch hier wird die Zeit langsam knapp.

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Welt ohne Geld – Wie die Abschaffung von Banknoten vorangetrieben wird

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Mastercard und Microsoft planen gemeinsame Digital Identity – Lösung

Von Ralf Keuper

Wie u.a. in Mastercard and Microsoft forge digital identity partnership berichtet wird, will Mastercard zusammen mit Microsoft eine Lösung für die digitale Identifizierung auf den Markt bringen. Damit wollen die Partner das Problem unterschiedlicher Passwörter beheben und den Nutzern mehr Mitsprache bei der Verwendung ihrer Daten geben.

Zum Service:

The payments giant is working with Microsoft to upend this, vowing to create a service that allows individuals to enter, control and share their identity data their way-on the devices they use every day.

Noch ist weitgehend unklar, wie genau die Kooperation aussehen soll. Mit an Bord sind weitere Banken, Telekommunikationsunternehmen und öffentliche Verwaltungen.

The partners have so far offered little detail on their plans, simply saying that Mastercard will create services powered by Microsoft Azure and built in collaboration with leaders in the banking, mobile network operator and government communities.

Sieht eher nach einer zentralisierten Lösung aus. Es könnte aber auch sein, dass die Blockchain dabei zum Einsatz kommt. Microsoft ist nämlich einer der Treiber bei der Anwendung der Blockchain-Technologie für das Management Digitaler Identitäten (Vgl. dazu: Microsoft auf dem Weg zum Hub für Digitale Identitäten).

Die großen Banken gehen das Thema Digitale Identitäten/SSO mittlerweile etwas dynamischer an, wie eine aktuelle Stellenausschreibung von JP Morgan verdeutlicht. Dort wird nämlich ein Executive Director Digital Identity & Authentication Engineering LeadDigital Connectivity Services gesucht. Allerdings mit Schwerpunkt auf das Identity Access Management, also mehr oder weniger eine Inhouse-Lösung.

Bei Mastercard ist man fast schon missionarisch unterwegs, wie aus Reinventing Digital Identity for Global Touchpoints hervorgeht. Die digitale Identität und die damit verbundenen Daten gehören ausschließlich den Nutzern.

So why not draw up a Bill of Rights for Digital Identity? At Mastercard we already use one internally to guide our thinking on this. It places the consumer in control and covers privacy, ownership, transparency, security and several other areas. But at its heart it boils down to this: “I own my identity and I own my identity data.”

Einige Wochen vor Mastercard hat Visa seinen Hut in den Ring geworfen, wie in Visa Ready to Launch Digital identity System Based on Blockchain berichtet wird. Die Lösung richtet sich jedoch an Finanzinstitutionen (B2B).

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Relationship Banking and Information Technology: The Role of Artificial Intelligence and FinTech

Von Ralf Keuper

In den letzten Jahrzehnten wurde das Relationship Banking von dem Transaktion Banking an den Rand gedrängt. Die direkte persönliche Beziehung zum Kunden war für den Erfolg vieler großer Geschäfts- und Investmentbanken von untergeordneter Bedeutung. Der Bankier Siegmund Warburg traf die folgende Unterscheidung:

transactions

Channelling big sums of money from certain quarters which had a surplus to certain other quarters where there was a scarcity of funds .. trading in money and of moving funds.

relationship

… if we want to succeed, we must make up our mind to follow a policy of establishing new values and new procedures rather than to act mainly as traders and sellers of securities which we find relatively easy to dispose of. In others words, we must be aware that we are primarily bankers and only secondarily Stock Exchange traders (1964)  (in: Der Bankier Siegmund Warburg, oder: Die zeitlose Philosophie der Hochfinanz).

Mit der Verbreitung des Internet und bedingt durch den Umstand, dass die Kunden eine Filiale im Schnitt noch einmal im Jahr aufsuchen, hat sich die Kundenbindung weiter gelockert. Die Kundenschnittstelle wird häufig von Google, Amazon, Apple oder Facebook dominiert. Es droht der vollständige Verlust der Beziehung zum Kunden.

Wie also kann die Kundenbindung trotz fortschreitender Digitalisierung im Banking aufrecht erhalten und eventuell noch vertieft werden; welche Möglichkeiten bieten Fintech und der Einsatz der Künstlichen Intelligenz? Diese Frage behandeln die Autoren von Relationship Banking and Information Technology: The Role of Artificial Intelligence and FinTech.

Auf die neue Zeit angewandt, lässt sich das Relationship Banking wie folgt definieren:

In an environment filled with information asymmetries, relationship banking—in which banks form close ties with their customers through long-term cooperation (see Boot, 2000)—should not be dismissed as obsolete. A relationship bank reduces information asymmetries through intense acquisition of soft information—difficult to quantify, store and transmit in impersonal way (Liberti and Petersen, 2017)—proprietary in nature, typically throughout the long-term relationship with its clients. To act on soft information, a relationship bank retains substantial flexibility and discretion, and relies on confidentiality and trust.

Und weiter:

However, relationship banking needs to respond to substantial challenges due to IT-driven innovations (highlighted by e.g. Currie and Lagoarde-Segot, 2017). First, the potential drawback of relationship banking refers to its efficiency in comparison to transaction-driven technologies.  IT developments have increased efficiency in transaction banking (e.g., especially in payments, clearing and settlement, internet banking, and transaction lending), changing the role of distances in banking

Wenngleich die Stärke der Banken in der Verarbeitung und Bewertung sog. soft Information liegt, die sich nicht immer standardisieren und quantifizieren lassen, sind die Informationen, die sich aus dem Zahlungsverhalten, dem Zahlungsverkehr, also dem Transaktion Banking, gewinnen lassen, von besonderer Bedeutung. Deshalb sollten die Banken sehr darauf bedacht sein, bei der Zahlungsabwicklung mindestens einen Fuss in der Tür zu haben:

Banks should be careful not to lose the payments business. Not only the fees but also information gathered through payments matters. Information obtained by observing transactions in savings or checking accounts supports screening and subsequent monitoring of borrowers, and helps reduce loan defaults (Puri, Rocholl, and Steffen, 2017).

Nicht umsonst haben Google, Apple, Tencent und Alibaba den Zahlungsverkehr als erstes Banking-Segment adressiert. Allerdings geht es dabei nicht nur um Zahlungsinformationen zur Reduzierung von Kreditrisiken, sondern vor allem, um daraus Empfehlungen, z.B. für den Hauskauf, die nächste Reise, die passende Versicherung, ableiten zu können.

Fintech betrachten die Autoren unter Verweis auf die Finanzstabilität kritisch:

Whereas drastic innovations in FinTech may improve efficiency, the profit motive of FinTech companies may not always be aligned with the need for stability. For example, payment system stability (and more generally the stability in the financial systems infrastructure) is of paramount importance for the real economy. Innovations in payments may impact systemic stability and systemic concerns necessitate regulatory scrutiny (Pauget, 2016). How to ensure a level playing field without suffocating innovations and new entry by FinTech is therefore a crucial conundrum that the regulators need to solve (see Darolles, 2016, Philippon, 2016).

Die Zukunft des Relationship Banking liege daher darin, die Rolle der Bank als vertrauenswürdige Instanz zwischen den am Geld- und Informationsfluss beteiligten Akteuren zu erneuern.

In the future, one can even envision relationship banks acting as safe-keepers of proprietary information that can be transferred to third parties under the consent and approval of bank customers. A seamless fusion of banking operations with the FinTech solutions is possible Through application programming interfaces (APIs) that connect banking and FinTech softwares together. The regulators are following technological advances.

Die größte Herausforderung:

The challenge then refers to combining soft information that relationship banks gather and integrate it in decision making or potentially even share it with collaborative FinTech providers.

Derzeit seien die Risiken einer flächendeckenden Verwendung neuester Entwicklungen im Bereich Fintech und KI beträchtlich:

Another concern relates to IT-driven innovations in banking and consumer protection issues. If computers can beat the best humans at various games, can they also extract rents from financially uneducated, poor, or financially excluded borrowers? Inequality may increase due to redlining by computer algorithms built on existing inequalities. The impact of artificial intelligence in lending on inequality is largely unknown (Rainie and Anderson, 2017) and the issue of protecting humans from computers might deserve further scrutiny.

Insofern kommen die Autoren zu dem Schluss, dass sich die analoge Beziehung, welche die Banken über Jahrzehnte mit ihren Kunden aufgebaut haben, nicht vollständig durch ein überwiegend transaktionsorientiertes Banking ersetzen lässt.

We argue that relationship banks still have an edge when competing with transaction oriented banks, or FinTech companies. Although IT developments have made scalable transaction banking more cost-effective, it is argued that the road ahead for banks is to use IT to build upon relationship banking. The benefits of a branch network still exist, and human bankers cannot be fully replaced by artificially intelligent computers in lending just yet. However, their roles need to be rediscovered. Relationship banks need to adopt the technology, adjust to the changing customers’ needs, and respond to the regulatory demands.

Das Relationship Banking spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Stabilität einer Gesellschaft, so die Autoren. Relationship Banking vertritt die langfristige Perspektive – das, wenn man so will, Gemeinwohl:

We envision IT-savvy, long-term–oriented relationship banking as an anchor of stability that surpasses the notion of weathering financial and economic crises and extends into social changes. Relationship banks should then actively shape societies towards common long-term goals. The difficulty of defining such goals should not deter researchers and banks from tackling this important question.

Es geht also darum, auch in der Daten- und Plattformökonomie den Rat von Siegmund Warburg zu beherzigen:

establishing new values and new procedures rather than to act mainly as traders and sellers of securities which we find relatively easy to dispose of.

Diese neuen Werte sind heute und in Zukunft der Schutz der Kunden vor Ausspähung und allzu zudringlichen Blicken. Die Privatsphäre, der Schutz der personenbezogenen Daten, digitalen Identitäten und digitalen Vermögenswerte, die Einhaltung der dafür nötigen Standards und Prozeduren zur Bewertung von Algorithmen und die faire Verteilung der Erträge erfordert ein neues Rollenverständnis. Das Bankgeheimnis ist dabei von besonderer Bedeutung (Vgl. dazu: Bankgeheimnis 4.0). Die Beherrschung der Technologie alleine reicht dazu nicht aus.

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Bankiers verstehen nur selten von den Unternehmen genug, die siie beaufsichtigen und beraten sollen (Edzard Reuter)


Eine alte Faustregel besagt, dass Bankiers nur selten von den Unternehmen genug verstehen, die sie beaufsichtigen und beraten sollen.

Das trifft genauso auf den Bereich der Industrie im engeren Sinne wie auf Dienstleistungen zu. Die Erklärung liegt darin, dass jede Unternehmensführung zwei Dimensionen hat: das intellektuelle Durchdringen des für ein erfolgreiches Wirken benötigten Einsatzes von Menschen, Maschinen und Geld, zugleich aber, und das ist ganz und gar unverzichtbar, das nur aus unmittelbarer Nähe entstehende Wissen um die Märkte und die potentiellen Kunden eines Unternehmens wie auch um die Menschen, die in aller Welt dafür arbeiten. Das erste mag man mit gesundem Menschenverstand wenigstens einigermaßen beherrschen; das zweite erfordert ein Einfühlungsvermögen, das nicht auf Hörensagen, sondern nur auf konkretem Wissen beruhen kann.

Genau hier aber liegt das Problem: Viele Bankiers verwechseln jenes Hörensagen, das ein unverzichtbarer Bestandteil ihres eigenen Metiers ist, mit den wohlbegründeten Kenntnissen, die erforderlich sind, um daraus Beurteilung und Rat abzuleiten. Die Folge ist oft genug jenes auch für manche Unternehmensberater charakteristische Bestreben, sich selbst auf keinen Fall auf Entscheidungen festlegen zu lassen, die Risiken beinhalten. Hinter vorgehaltener Hand alles besser zu wissen, wiegt leicht, dafür womöglich haftbar gemacht zu werden, schon schwerer. …

Alfred Herrhausen war eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Innerhalb der Deutschen Bank galt er nicht zuletzt deswegen als Außenseiter, weil er ursprünglich aus einem Unternehmen der Energieversorgung kam. Weit mehr als die zwangsläufig auch bei ihm nur begrenzt vorhandenen spezifischen Erfahrungen in der verarbeitenden Industrie unterschied ihn allerdings der Mut, sich festzulegen, von vielen seiner Kollegen – zumal er verstanden hatte, dass dafür die Bereitschaft unerlässlich ist, sich intensiv und in Ruhe mit den sachlichen wie personellen Problemen vertraut zu machen, anstatt sich auf sein Gefühl zu verlassen, wes es manches Mal eher am Stammtisch beheimatet sein mag.

Quelle: Schein und Wirklichkeit. Erinnerungen

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“Banken bauen ihr Twint-Réduit, statt dass sie Apple Pay zulassen. Und Du findest das gut, Hans?”

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Blockchain für Privacy im großen Stil ungeeignet

Von Ralf Keuper

Eines der noch weitgehend ungelösten Probleme (öffentlicher) Blockchains, ist, dass es sich dabei im Grunde um ein offenes, digitales (Haupt-)Buch handelt, aus dem sich, wenngleich mit einigem Aufwand, rückverfolgen lässt, welche Person was für Transaktionen mit wem durchgeführt hat. Die Blockchain, ebenso wie ihre prominenteste Anwendung Bitcoin, ist nicht anonym, sondern lediglich pseudoanonym. Das ist auch der Grund weshalb der GNU-Guru Richard Stallmann Bitcoin durch sein Bezahlsystem Taler ablösen will. In dem Beitrag Richard Stallmann verschmäht Bitcoins und will neues Bezahlsystem wird Stallmann mit den Worten zitiert:

“Was ich mir wirklich wünsche, ist anonym in verschiedenen Geschäften einzukaufen, leider wäre dies für mich mit Bitcoin nicht möglich”. Die Verwendung einer Krypto-Börse würde letztlich der Regierung ermöglichen, ihn zu identifizieren

Ein weiterer Pionier, der erhebliche Zweifel an der Anonymität der Blockchain äußert, ist David Chaum. Chaum ist der Erfinder von Digital Cash und des Blinding Algorithm. In dem Interview Elixxir CEO David Chaum: “Blockchains Lack the Ability for Privacy at Scale” erläutert Chaum das Funktionsprinzip des Blinding Algorithm.

Die Ausgangsfrage, das Ausgangsproblem: 

“you see, back in the early 80s, the only way the consumer payment systems could work was using massive computers and banks, POS devices, and this kind of infrastructure. I wanted to find a way to allow for people to hold their own money in such a way that it couldn’t be taken from them and to be able to pay with it in such a way that they could not be linked to those payments.

Die Lösung:

So I invented this notion of a blind signature. Think of it like an ATM where you as a consumer would be able to get money out of the machine but only you would know the serial number of the notes.

This worked by a cryptographic blinding of the serial number, where the bank would have a signed version of your own serial number but they wouldn’t know what serial number you had chosen. Only you could remove the blinding. Then you could decide when you wanted to spend it and they wouldn’t know that is was the money you had withdrawn.”

Dass private Zahlungssysteme kriminellen Handlungen Vorschub leisten würden und damit eine Gefahr für die Gesellschaft sind, ist für Chaum absurd:

The idea that privacy of some payments could be hugely detrimental to society or that consumer privacy is at odds with the interest of society is really a farce. There are so many ways that large amounts of money are illicitly transferred through ownership schemes, foundations, offshore entities, uncut diamonds flying around the world, it’s ludicrous to say that my mother’s personal payments on a day to day basis could eventually impact national security. It’s silliness.”

Die Blockchain sei, so Chaum, aufgrund fundamentaler Defizite für die Sicherung der Anonymität ungeeignet:

Blockchain not only technically lacked the ability to scale but it also lacked the concept of aspects that would be needed for widespread consumer adoption, for meaningful privacy and scaling–for privacy at scale.

There are some blockchain-based technologies that provide some level of privacy but they’re the ones that seem to be the least scalable and, you know, they have some bad associations, and that’s a different thing. But if you want a consumer product, you can’t transparently and immutably put peoples’ payments online.

Alternativen:

You need privacy at scale and a level of security that would be acceptable to countries because they do not want other countries messing with their payment system or tracing their macroeconomics and their citizens and possibly being able to disrupt or disable their economies, and so on.

You need a different level of security and moreover, all this has to work in a way that’s as fast as consumers expect on the smartphone platform without burning up a load of data plan and battery and also while insulating them from any knowledge about the underlying platform.”

Trotz alledem: Ein Vorzug der Blockchain bleibt:

“The single most important thing that blockchain can bring to the world is adecentralized global secure playing field for all kinds of financial transactions and communication and new creative uses of computing.”

Crosspost von Identity Economy

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Die Deutsche Bank ist an strategischen Fehlentscheidungen, nicht an der IT, gescheitert

Von Ralf Keuper

Momentan wird erneut über die Gründe für den beispiellosen Niedergang der Deutschen Bank sinniert. Exemplarisch dafür ist der Kommentar des stellvertretenden Chefredakteurs des Manager Magazins, Sven Clausen. In Der selbst verschuldete Niedergang der Deutschen Bank macht er für die anhaltend schlechte Verfassung der Deutschen Bank die Tatsache verantwortlich, dass man dort zu spät oder gar nicht erkannt habe, dass Banken heute in erster Linie Technologieunternehmen sind.

Dieses Argument bekommt man derzeit häufiger zu hören und zu lesen. Das ist jedoch bestenfalls die halbe Wahrheit. Im Grunde ist es alter Kaffee. Dass Banken auch Technologieunternehmen sind, haben verschiedene Persönlichkeiten der Branche bereits vor Jahrzehnten erkannt (Vgl. dazu: Banking im integrierten Technologiekonzern).

Das Problem der Deutschen Bank lag auf der strategischen Ebene. Und hier wurden die Weichen bereits vor Jahrzehnten von Herrhausen, Christians, Kopper und Breuer falsch gestellt, als man sich entschloss, im internationalen Investmentbanking ganz vorne mitzuspielen. Ackermann, Jain und Fischen haben das noch verstärkt und der Entwicklung eine verheerende Richtung verliehen. Dass Banking bald Teil integrierter Technologiekonzerne wird, die Banken daher ihre Vorrangstellung in Finanzfragen verlieren werden und sie ihre herausgehobene Funkion als Instanz für die Beobachtung der Wirtschaft schon längst eingebüßt haben, ändert nichts an dem Befund.

Die Banken, vor allem die Deutsche Bank, haben sich in der Vergangenheit als Anwender der IT verstanden, nicht als Produzenten. Die strategische Bedeutung der Software für das eigene Geschäft hat man sträflich unterschätzt. Im Zuge der allgemeinen Outsourcing-Welle sah man in der IT nur einen Kostenblock, den es an den günstigsten Anbieter zu verlagern galt. Sie gehörte nicht zum “Kerngeschäft”. Auch sonst war und ist der Anteil externer IT-Dienstleister und -Berater bei der Deutschen Bank außergewöhnlich hoch; man hat sich in die Abhängigkeit von Zulieferern begeben, die verständlicherweise ein großes Interesse daran hatten, ihren eigenen Umsatz zu steigern und Beratertage zu fakturieren.  Dabei war man sich in der Bank an einigen Stellen durchaus im Klaren darüber, wohin sich das Banking als Folge der Verbreitung des Internet entwickeln würde bzw. könnte. Die Ideen wurden nur nicht umgesetzt (Vgl. dazu: Als Mannesmann und Deutsche Bank eine Internet-Bank gründen wollten). Es wurde mit anderen Geschäften schlicht zu viel Geld verdient. Man hatte es nicht nötig.

Erschwerend hinzu kommen die zahlreichen strategischen Schwenks der letzten, sagen wir, zwanzig Jahre im Privatkunden – und Firmenkundengeschäft. Einmal sollten die Privatkunden stärker berücksichtigt werden, wie mit Bank24, dann wieder nicht, dann wieder doch mit der Übernahme der Postbank. Die Regionen, insbesondere die Kopfstellen, verloren ihren Einfluss, was negative Auswirkungen auf die Kundenbindung vor Ort hatte. An die Stelle des Relationship Banking trat das Transaction Banking.

Dennoch: Die rückblickend verheerendste und aus eigener Kraft m.E. nicht mehr zu korrigierende Fehlentscheidung war der Einstieg ins Investmentbanking im großen Stil, dessen Folge ein Kulturwandel bzw. Kulturschock war, von dem sich die Bank bis heute nicht erholt hat und auch nicht mehr erholen wird. Fragen der Technologie sind dabei nicht unwesentlich. Allerdings ist die Technologie auch bei den großen Internetkonzernen, anders als vielfach angenommen, Mittel zum Zweck.

Für Jeff Bezos jedenfalls gilt das Motto:

Start with the customer and work backwards.

Deswegen bezeichnet Bezos Amazon auch nicht als Technologieunternehmen, sondern als Customer Company. Bei der Deutschen Bank haben sich zu viele hochrangige Mitarbeiter zu lange mit sich selbst und ihren eigenen (wirtschaftlichen) Interessen beschäftigt. Das ist der entscheidende Punkt.

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Deutsche Bank Wir fördern Zukunft – Alte Fernseh-Werbung

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