Gefahr durch Derivate (Charlie Munger)

Das Problem am Derivatehandel ist, dass es für Banker sehr schwer ist, sich selbst zu kontrollieren, wenn sie problemlos bergeweise Geld verdienen. Sie lassen sich von den Überschüssen gern mitreißen und geraten dadurch in ernste Schwierigkeiten. Wenn es wirklich schlimm wird, können sie das Finanzsystem in die Luft jagen, den Aktienmarkt absaufen lassen, die Wirtschaft zerstören und Millionen Menschen arbeitslos machen. …

Der Derivatemarkt ist derzeit größer 20 Prozent größer als 2008, als wir das letzte Mal eine Finanzkrise hatten, an der Derivate beteiligt waren. … Jedes Mal, wenn die US-Regierung auch nur andeutet, sie werde den Derivatehandel regulieren, schwärmt ein Heer von Banklobbyisten in Washington aus und stoppt dies, indem es unsere Kongressmitglieder daran erinnert, wem sie wirklich gehören. Doch es kommt noch besser, denn bedenken Sie: Es gibt niemanden – ganz richtig, niemanden – in der Regierung, in der Welt der Wissenschaft oder in den Banken selbst, der wirklich alle Gefahren begreift, die in der größten Finanzblase lauern, die die Welt je gesehen hat.

Quelle: Das Tao des Charlie Munger

Weitere Informationen:

UBS, CS: Zwei Derivate-Granaten vor Zündung?

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Banking in der Plattformökonomie #6

Von Ralf Keuper 

Für den Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, geht der größte Veränderungdruck für das Banking von der Plattformökonomie aus (Vgl. dazu: „Die Plattformökonomie ist der gewaltigste Umbruch für das Bankgeschäft.“) ; eine Position, die auf diesem Blog bereits seit Jahren vertreten wird. Sewing sieht die Banken gegenüber Google, Amazon, Alibaba & Co. jedoch nicht auf verlorenem Posten. Das größte Kapital der Banken seien ihre Kunden sowie, man staune, die Regulierung.

Über eine geringe Anzahl von Kunden können sich Amazon, Alipay & Co. wahrlich nicht beklagen. Allein Alipay wird von mehreren hundert Millionen Nutzern, u.a. für das mobile Bezahlen, verwendet; eine Zahl, die von der Deutschen Bank nicht annähernd erreicht wird. Sicherlich können die Banken für sich reklamieren, durch die Regulierung über verifizierte Identitäten und personenbezogene Daten ihrer Kunden zu verfügen. Jedoch – auch dieses Problem können Amazon & Co. elegant lösen, entweder, indem sie die Dienste von ID-Providern in Anspruch nehmen, diesen Service durch Übernahmen selbst anbieten oder aber den Umweg über PSD2 gehen, d.h. sich die nötigen Daten nach der Einwilligung der Kunden direkt bei den Banken abzuholen. Die Plattformen können diese Regulierungslücke relativ schnell schließen. Die Banken jedoch müssen gleich mehrere fehlende Verbindungen (Hardware, Software, Medien, Logistik) herstellen, für welche die nötige Expertise und Zeit schlicht fehlen (Vgl. dazu: Die Bank als Plattform? Zu viele Missing Links …).

 

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Die Bankenkrise und Bankenreform von 1931

Persönlich hatte Reichskanzler Brüning seit dem 13. Juli ein tiefes Mißtrauen gegen viele der führenden Bankiers gefasst. Er glaubte, dass die Reichsregierung über das Ausmaß der Krise irregeführt und falsch informiert worden sei, und verstand daher unter Bankenreform eine personelle Säuberung. “Die Persönlichkeiten, die mit dem Odium der Fehlschläge belastet sind, müssten so weit eliminiert werden, wie es mit Rücksicht auf die Kontinuität der technischen Gesamtführung irgend möglich ist”. Die beiden schwächsten Banken wurden zusammengelegt, und dem Aufsichtsrat der neuen Danat-Dresdner Bank gehörten mit Frisch (Dresdner) und Bodenheimer (Danat) nur noch zwei Aufsichtsratsmitglieder der beiden alten Banken an. Auch die anderen Grossbanken sahen sich von Brünings Diktat betroffen. So wurden von den Direktoren der Deutschen Bank ein Drittel und von denen der Commerzbank die Hälfte entlassen. Dies war der Preis für die umfangreichen Kapitalzuschüsse des Reichs im Rahmen der Reorganisation: 1932 stammten 91 Prozent des Kapitals der Dresdner Bank, 70 Prozent des Kapitals der Commerzbank und 35 Prozent des Kapitals der Deutschen Bank aus Mitteln der öffentlichen Hand.

Quelle: Harold James: Deutschland in der Wirtschaftskrise 1924-1936

Weitere Informationen:

80 Jahre Bankenkrise 1931: Großbanken gerettet, Demokratie verloren

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“Das System ist genau gleich anfällig wie vor 10 Jahren”

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Banking Exchange 2018 (BEX18)

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Mobile Payments: Alipay und WeChat um Lichtjahre voraus – die neuen “Magischen Kanäle”

Von Ralf Keuper

Bei den mobilen Bezahllösungen setzen Alipay und WeChat noch auf Jahre den internationalen Standard, wie in Chinese payment giants are lightyears ahead zu erfahren ist. Allerdings handelt es sich bei den beiden Lösungen um weitaus mehr, als nur um Applikationen für das mobile Bezahlen. So wirbt Alipay bereits seit geraumer Zeit damit, eine globale Lifestyle-SuperApp zu sein. Die Nutzer können über Alipay z.B. Reisen buchen und ihr Geld anlegen. Gleiches gilt für WeChat, das sich in den letzten Jahren zu einem Ökosystem entwickelt hat (Vgl. dazu: Das WeChat-Ökosystem (Dokumentationsfilm)).

WeChat hat sich in den letzten Jahren zu einem ecosystem of connectivity entwickelt, das Communication, Commerce und Entertainment umfasst. Die Nutzer können mittlerweile mit den Medien kommunizieren, statt nur Empfänger von Informationen zu sein. Die Unternehmen reagieren darauf, indem sie eigene WeChat-Accounts anlegen, um Teil des Kommunikationsflusses zu sein. Banking ist ein Baustein davon.

Es handelt sich also auch um Medienplattformen, die einen großen Einfluss darauf ausüben, wie die Nutzer Angebote und Dienstleistungen wahrnehmen; letztlich geht es um die Deutungsmacht, d.h. wie kann ich die Nutzer in eine bestimmte Richtung lenken. Banken fehlt diese Möglichkeit. In gewisser Weise sind Mobile Payments die neuen “Magischen Kanäle”, von denen seinerzeit der Medienphilosoph Marshall McLuhan sprach.

McLuhan kam u.a. zu dem Ergebnis:

.. Geld ist Teil eines dynamischen Systems; isoliert hat es keine sinnvolle Bedeutung. Als Übertragungs- und Verstärkungsmittel hat es außergewöhnliche Kraft, etwas durch etwas anderes zu ersetzen. Informationstheoretiker sind zu dem Schluss gekommen, dass das Ausmaß, in dem ein Mittel durch ein anderes ersetzt werden kann, zunimmt, wenn die Information an Umfang zunimmt (in. Die magischen Kanäle. Understanding Media).

Es hat den Anschein, als würden Alipay und WeChat Geld in seiner Funktion als Übertragungs- und Verstärkungsmittel nutzen, um damit den Umfang an Informationen, die über ihre Kanäle transportiert werden, zu erhöhen bzw. neue Kombinationen zu bilden (Payments, Entertainment, Geldanlage, Logistik, Reise, Gastronomie, Freizeit …).

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‘We build our own technology’ based on consumer needs: Ant Financial

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Blockchain in der Praxis. Funktionsweise und Anwendungsfälle

Von Ralf Keuper

Ein weiterer Leitfaden, der sich mit dem Potenzial der Blockchain-Technologie für verschiedene Branchen beschäftigt: Blockchain in der Praxis Funktionsweise und Anwendungsfälle. Ein Anwendungsszenario kommt aus dem Banking (One Pay FX).

Folgende Aussage aus dem Leitfaden erscheint mir aus der Banking-Perspektive wichtig:

Auch wenn die dezentrale Technologie klassische Intermediäre als Sicherheitsinstanz überflüssig macht, so bedarf es ggf. noch einer dritten Instanz, wie eines technischen Supports. Wenn in solchen Technologien Smart Contracts mit komplexeren Sachverhalten abgebildet werden, wird wahrscheinlich darüber hinaus eine betriebswirtschaftliche Erklärungsinstanz notwendig.

Das überschneidet sich mit einigen Aussagen/Zitaten des Beitrags Trust Center, Vetrauensnetzwerke und digitale Notare auf diesem Blog:

Wenn es auch noch nicht durchgängig Praxis ist, so spricht einiges dafür, dass Kontrollinstanzen unter dem Gesichtspunkt von Vertrauensbildung in erster Linie in die Hände neutraler Dritter (Trusted Third Parties) gelegt werden sollen. Dies sind die neuen Broker, der Vermittler (middlemen) in Neztwerken und elektronischen Diensten. Sie übernehmen u.a. klassische Notarfunktionen für das Netz, wie Identifikation, Authentifikation, Verifikation oder Kryptografie-Kontrolle bzw. Überwachung der elektronischen Unterschrift. Sie sollen vertrauenswürdige Antworten auf die Fragen geben, auf welche Dienste und Vermittlungsleistungen, auf welche Suchdienste, auch welche Qualitätseinschätzungen oder überhaupt auf welche elektronischen Transaktionsformen auf welcher Kryptografie-Grundlage man sich verlassen kann.

Hier öffnet sich ein breites Feld für neue Aktivitäten einer Vielzahl von Organisationen, deren Hauptzweck es ist, Transaktionen in Netzwerken nachvollziehbar und vertrauenswürdig zu machen. Wer diese Mittler sein werden, ist im einzelnen unentschieden. Sicherlich wird es keine einzelne institutionelle Lösung geben, sondern vielfältige Organisationen – kleine, mittlere und große Unternehmen, Banken, Industrie- und Handelskammern, Gewerbeaufsichten, Überwachungsvereine, wissenschaftliche Gesellschaften, Interessenverbände, Unternehmensberatungen, Forschungsinstitute, Bürgerinitiativen … – werden hier aktiv werden und werden versuchen, sich für ihre Kunden durch vertrauensbildende Maßnahmen zu legitimieren. ….

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Das Internet als Ur-Infrastruktur für das Banking

Von Ralf Keuper

Ohne stabile Infrastrukturen wäre das Leben in einer modernen Gesellschaft nicht möglich; schon ein Stromausfall von wenigen Stunden macht uns diese Abhängigkeit bewusst. Als Forschungsgegenstand führt die Infrastruktur eher ein Schattendasein. Anders an der Universität Siegen: Dort beschäftigt man sich intensiver mit der Bedeutung der Infrastruktur für die Wirtschaft und Gesellschaft (Vgl. dazu: Zum Begriff der Infrastruktur). Dirk van Laak veranschaulicht in seinem Buch „Alles im Fluss“. Die Lebensadern unserer Gesellschaft – Geschichte und Zukunft der Infrastruktur das stille Wirken der Infrastruktur (Wasser, Elektrizität, Transport, Gesundheit, Finanzen, Verkehr, Internet ..). Van Laak versteht unter Infrastruktur

alles Stabile, das notwendig ist, um Mobilität und einen Austausch von Menschen, Gütern und Ideen zu ermöglichen

Um ihr Geschäft betreiben zu können, benötigen Banken heutzutage eine Vielzahl von Infrastrukturen. Neben den klassischen, wie Wasser- und Stromnetzen, gehört sei ca. 20 Jahren auch das Internet dazu. Das Internet dient in erster Linie dem Austausch von Daten und Informationen sowie der Vernetzung von Personen und Unternehmen. Auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär: Statt Wasser und Strom werden Datenpakete übertragen – was sollte daran für Banken besonders sein? So wenig wie die Wasserversorger oder Stromkonzerne Ambitionen gezeigt haben, in das Bankgeschäft einzusteigen, so gering ist die Bereitschaft der Internetkonzerne in neue Geschäftsfelder vorzustossen, die über die reine Informationsbereitstellung und Vernetzung hinaus gehen. Das mag auf Telekommunikationsunternehmen und Internet-Provider zutreffen – für Google, Amazon, Alibaba & Co. gilt das nicht. Zeitgleich mit dem Aufkommen des (kommerziellen) Internet, sind die Infrastrukturen den Marktkräften überantwortet worden:

Coincident with the rise of the Internet, infrastructures of all kinds became “splintered” and unbundled, relying on competition, market mechanisms, and segmentation of users into the privileged and the less privileged who were offered different services (or no service at all). While from 1975 to the present the Internet itself was splintering (Bar et al. 1995 ; Kesan and Shah 2001 ) , in Graham and Marvin’s view, the Internet (and telecommunications) was the single most important infrastructure “leading [the] shift towards the splintering of mass markets under forces of global capitalism and privatization” (233–4) by providing a model of a privately managed, transnationally funded distributed system apparently free from the old-fashioned meddling of government planning (Quelle: The Internet as Infrastructure).

Das Internet wurde zur Vorlage, zu einem mentalen Modell für andere Branchen – die Ur-Infrastruktur:

Under the regime of splintering urbanism, the organization of the Internet has now become the mental model used to think about the future of other systems like transport (e.g. smart roads, dynamic road pricing, the driverless car) or electrical power (e.g. the smart grid). The Internet, the newest infrastructure, has become an infrastructural primitive or template for its parents: a model privately organized system of distributed computation–the ur -infrastructure (ebd.).

Die aktuellste Ausprägung dieser Entwicklung ist die sog. Plattformökonomie, d.h. die Bildung von Oligopolen, die weite Teile des Geschäfts, das über das Internet abgewickelt werden, beherrschen (Amazon, Google, facebook, Microsoft, Baidu, Tencent, Alibaba). Die Ur-Infrastruktur dominiert die anderen; sie birgt für Plattformunternehmen bzw. digitale Plattformen die Möglichkeit, eine Branche nach der anderen ins Visier zu nehmen. Es ist quasi eine zwingende (Expansions-)Logik.

Insofern sind die Herausforderungen in anderen Infrastrukturen, wie in der IT-Infrastruktur, zwar nicht nicht zu vernachlässigen (Vgl. dazu: Die Zukunft der Infrastruktur in der Banken-IT: Wer sich nicht anpasst, wird verschwinden); an dem beschriebenen strukturellen Defizit vermag jedoch auch die beste IT-Infrastruktur wenig zu ändern.

In ihrem Vortrag Das Internet: Technische Infrastruktur für das digitale Zeitalter – Funktionsweise, Gestaltungs- und Kontrollmöglichkeiten plädiert Prof. Dr. Claudia Eckert für Alternativen (ab Min. 44)

Nötig dazu sind internationale Standards und regulatorische Bestimmungen, wie die GDPR. Gleiches gilt für die Themen Entnetzung und sichere Datenkommunikation (Verschlüsselung und der Schutz der Digitalen Identitäten).

Die Forcierung des Einsatzes von Open Source-Lösungen und der Blockchain-Technologie als Alternativen scheint vor diesem Hintergrund – nicht nur für die Banken – geboten. Eine Wiederbelebung des Genossenschaftsgedankens wäre wünschenswert (Daten-Clouds, Personal Data Banks, Identity Banks, Genossenschaft 4.o). Wie Claudia Eckert in ihrem Vortrag veranschaulicht, arbeiten Google, facebook, Microsoft und andere mit der Verlegung von Glasfaser- und Unterseekabeln schon längst an dem Aufbau kontrollierter Netzbereiche um dadurch noch souveräner zu werden.

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Architecture & Finance (The European Association for Banking and Financial History e.V.)

It is interesting to see how the buildings presented in this collection reflect the time they where built in, the corporate governance structure and commonly shared values of societies and citizens. Further, the nuanced differences of national ideals are strikingly obvious almost everywhere. For example, the German Bundesbank is built in a ‘brutal style: an honest architecture.’ It seems impossible to imagine how German values could be better reflected. Of course these statements only go so far before they become their own cliché. But as we all know, clichés come from somewhere – there may be a grain of truth. ‘Craftsmanship and precision (as expressed in the building of the Swiss National Bank) embody the core facets of Swiss national identity.’Isn’t that what we all would consider ‘Swiss’?

Quelle / Link: Architecture & Finance

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