Drones, robots, mobile payments – Africa’s growing digital business | DW Documentary

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Moderne Bezahlmedien als Mittel zur Kundenbindung und Regionalförderung

Von Ralf Keuper

Dass sich Bezahlverfahren besonders gut für die Kundenbindung verwenden lassen, findet in den Banken und Sparkassen langsam Gehör. Angesichts der Aktivitäten der großen Internet- und Technologiekonzerne (BigTech) auf dem Gebiet, genannt seien Google Pay und Apple Pay, ist die Gefahr, dass die Kunden den Bezug zu ihrer Bank und womöglich zu ihrer Region verlieren, groß. Noch besteht allerdings die Chance, dass sich die Kunden und der Handel mit Lösungen, die weder eine große Umgewöhnung noch hohe Investitionen in Hardware und Software erfordern, halten lassen. Moderne Bezahlmedien, die den Kunden automatisch für seinen Kauf belohnen und den Händlern die Möglichkeit an die Hand geben, das Einkaufsverhalten ihrer Kunden beeinflussen zu können, sind ein geeignetes Mittel für die Banken und den Handel, um auch künftig noch an der Benutzerschnittstelle wahrgenommen zu werden.

Kartendschungel statt Kundennutzen

Wer die verschiedenen Angebote in Form von Rabattgutscheinen, Bonus-Apps und Payback wahrnehmen will, verliert schnell die Übersicht. Das Handling ist irgendwann unpraktisch. Wohl kaum ein Kunde wird auf Dauer zehn verschiedene Bonusprogramme auf seinen mobilen Endgeräten verwalten wollen. Auch hier gilt, dass diejenige Lösung, die alles aus einer Hand anbieten kann, den größten Kundennutzen stiftet. Die Bank oder Sparkasse agiert in diesem Fall als Vermittler zwischen Kunden und Handel, wobei nur soviel Daten wie unbedingt nötig offen gelegt werden und die Anonymität der Kunden gewährleistet ist.

Um so einen Fall handelt es sich bei paycentive (payment + incentive). Mit der digitalen Kundenbindungslösung kann die Bank- oder Kreditkarte gleichzeitig als Bonuskarte verwendet werden. Damit sind separate Kunden- oder Bonuskarten überflüssig.

Die Bankkarte als Bonuskarte

Die (Vor-)Geschichte von paycentive ist ein gutes Beispiel für den Wandel, der sich in den letzten zwanzig Jahren im Zahlungsverkehr vollzogen hat und bei bislang branchenfremden Mitbewerbern große Begehrlichkeiten weckt. Bereits im Jahr 1997 startete Firmengründer und CEO Oliver Dümpe (Foto) eines der ersten sozialen Netzwerke für Studenten in Deutschland, aus dem im Jahr 2001 die card4students hervorging. Die card4students wurde zusammen von der 4students AG und Barclaycard herausgegeben. Neben ihrer Funktion als normale VISA-Kreditkarte war sie als Bonuskarte bei über 10.000 Partnern vor Ort einsetzbar. Das Kreditkartenangebot war für die Studenten kostenlos. Aus card4students wurde im Jahr 2008 card4you in Kooperation mit der Deutschen Kreditbank (DKB). Die Karteninhaber erhielten damit Preisnachlässe oder andere Vergünstigungen. Was noch fehlte war die Einbindung in den Bezahlprozess. Im Jahr 2014 wurde mit paycentive die Verbindung der Belohnungs- mit der Bezahlfunktion realisiert.

Oliver Dümpe, Gründer und CEO von paycentive

Momentan sind mehr als 4.000 Unternehmen (Händler, Dienstleister, Gastronomen und Outlets) an die paycentive-Plattform angeschlossen; 38 Sparkassen haben die paycentive-Bezahlfunktion für ihre Kunden freigegeben, 5,5 Millionen Kunden können den Service nutzen. Die Kunden erhalten am Monatsende automatisch Gutschriften (Treuebonus) auf ihr Konto, wenn sie bei den teilnehmenden Handelspartnern einkaufen und mit ihrer Sparkassen-Card bezahlen. Die Kunden werden für den Einsatz der Sparkassen-Card belohnt. Der Handel profitiert, indem er neue Kunden gewinnt, seine Bestandskunden aktiviert und an sich bindet. Vor allem kleine und mittlere Händler, für die ein eigenes Loyalty-Programm zu kostspielig wäre, bekommen damit ein wichtiges Marketing-Instrument an die Hand. Kundentreue kann gezielt belohnt werden, ohne dass die Kunden ihre personenbezogenen Daten preis geben müssen.

Der Implementierungsaufwand auf Seiten der teilnehmenden Handelspartner und Banken/Sparkassen ist überschaubar. Paycentive ist mit allen gängigen Bezahlverfahren kombinierbar. Die Kostenstruktur von paycentive aus Sicht des Handels gleicht mehr der von iZettle als der von ingenico.

Kundenbindung, Datenhoheit und Datensparsamkeit gehen Hand in Hand

Die Daten, die während der Transaktion anfallen, bleiben unter der Hoheit der jeweiligen Sparkasse. Es werden keine personenbezogenen Daten nach außen gegeben.

Die Vorteile für die Beteiligten auf einen Blick

Bezahlen und Belohnen als Medienpraktik

Die Banken drohen im Zahlungsverkehr den Anschluss zu verlieren. Die Kundenschnittstelle wird dann von den großen Technologie- und Internetkonzernen wie Apple, Google oder Facebook dominiert. Die Bestrebungen von BigTech, wie sie aktuell durch das geplante internationale Zahlungssystem auf Initiative von Facebook deutlich zu Tage treten, zielen bewusst auf den Zahlungsverkehr, genauer auf die Bezahlmedien. Anders als die Banken und Sparkasse in ihrer Mehrzahl, betrachten Google & Co. den Zahlungsverkehr aus der Medienperspektive. Erst dann werden die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Services, die der Kunde als Mehrwert interpretiert, offensichtlich. Bezahlen und Belohnen als Medienpraktik. Bestes Beispiel dafür ist die Kombination von Apple Pay, Apple Card und Sign In with Apple. Die Banken und Sparkassen stehen vor der Herausforderungen diese Medienkombinationen nachzubauen. Der Vorteil der Regionalbanken mit ihrer Kundennähe und Vernetzung vor Ort, wird sich nur dann in die Digitalmoderne überführen lassen, wenn die Kunden und die örtliche Wirtschaft den Eindruck gewinnen, dass räumliche und persönliche Nähe nicht nur – aber auch – geldwerte Vorteile sind. Hierfür sind entsprechende Lösungen, die – bei minimalem Aufwand für die Beteiligten – für die Vernetzung und Abwicklung im Hintergrund sorgen, unabdingbar. Großes Potenzial bieten die Smart City (Mittelstädte) und Digitale Dörfer. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist, dass die personenbezogenen Daten der Kunden die Bank oder Sparkasse nicht verlassen, die Kunden also nicht ausgespäht und zum Produkt werden.

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Die Mediatisierung des Banking #1 – Banken müssen sich in Medienunternehmen wandeln

Von Ralf Keuper

Für einen langen Zeitraum besaßen die Geschäftsbanken das Quasi-Monopol auf das Medium Geld. Von den Banken nahm das Geld seinen Weg in den Wirtschaftskreislauf und kam immer zu ihnen zurück. Was in der Zwischenzeit mit dem Medium Geld geschah, welchen Formen der Verarbeitung und Interpretation es sonst noch ausgesetzt war, fiel nicht ins Gewicht. Was zählte war die Verbuchung als Zahlungseingang oder Zahlungsausgang – Soll und Haben. Die doppelte Buchführung lieferte das Grundgerüst für den Umgang mit dem Medium Geld. Geld war ein Einzelmedium, das mit anderen Medienformaten kaum in Berührung kam – und falls doch, trennten sich die Wege schnell wieder, wie zu Zeiten des Viktorianischen Internets. Andere Medien waren nur Hilfsmittel, um das Geld schnell und möglichst reibungslos vom Absender zum Empfänger zu leiten.

Mit der viel zitierten Digitalisierung, d.h. der zunehmenden Vernetzung der Menschen und Maschinen untereinander, begannen die anderen Medien, wie Smartphone, Messaging-Dienste, E-Moijs, intensiver mit dem Medium Geld zu interagieren. Die Einzelmedien taten sich zu Medien der Kooperation zusammen. In dem Zusammenhang werden zusätzlich die Begriffe Intermedialität, Medialisierung, Mediatisierung und Medienlogik verwendet. Wir wollen uns hier auf die Mediatisierung konzentrieren. Für Friedrich Krotz handelt es sich bei die Mediatisierung um einen gesellschaftlichen Metaprozess (Vgl. dazu: Mediatisierung:Fallstudien zum Wandel von Kommunikation). An der Universität Bremen wird die Mediatisierung am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung in neun Labs untersucht.

Definition Mediatisierung

Die Mediatisierung kommunikativen Handelns ist ein Theorieansatz der Kommunikations- und Medienwissenschaft, der sich mit der zunehmenden Durchdringung von Alltag und Kultur mit verschiedenen Formen der Medienkommunikation und den damit verbundenen Wandlungsprozessen auseinandersetzt. Im Kern geht es um das Wechselverhältnis zwischen dem Wandel von Kommunikation (z. B. durch die Verbreitung von neuen Medien) und dem Wandel von Kultur (Wikipedia).

Warum Technik nur eine Nebenbedingung des Wandels ist, erläutert Krotz:

Nicht so sehr die Technik ist nun maßgeblich für den Wandel, der die Kommunikationswissenschaft interessiert. Technik offeriert bekanntlich nur Potenziale, die sich die Menschen für die gedachten Zwecke, für andere Zwecke oder eben nicht aneignen – wie wir wissen, wurde etwa das Telefon vor mehr als hundert Jahren für ganz andere Zwecke erfunden als für mediatisierte interpersonale Kommunikation, nämlich für die Übertragung von Opernmusik und dergleichen in die Haushalte. Niemand hat auch vor zwei Jahrzehnten erwartet, dass das Mobiltelefon sich vor allem wegen der Möglichkeit der Versendung von Text- botschaften etablieren würde. Aus diesen und weiteren Gründen interessiert sich die Kommunikationswissenschaft für Technik eigentlich nur, insoweit sie Voraussetzung für Kommunikation ist – in ihrer Perspektive stehen Mensch, Kultur und Gesellschaft und damit eben Kommunikation im Mittelpunkt.

Über die Rolle der Digitalisierung:

.. es ist gerade ein Kennzeichen der Entwicklung und des Wandels von Kommunikation heute, dass die Digitalisierung von Daten und ihre Verarbeitung im Computer nicht auf die Medien der öffentlichen Kommunikation oder überhaupt auf die Medien beschränkt sind. Sie führt nicht nur oder auch nur in erster Linie zu einem neuen Fernsehen oder einer neuen Zeitung oder zu neuen Nutzungen dieser Medien. Stattdessen sind davon alle Bereiche menschlichen Lebens, das Netz der sozialen Beziehungen der Menschen insgesamt und darüber alle Bereiche von Kultur und Gesellschaft betroffen – jedenfalls „on the long run“: Es handelt sich um das Aufkommen einer neuen Basistechnologie, die der Erfindung des Verbrennungsmotor oder der Entdeckung der Elektrizität nicht nachsteht, die sich auf die Freizeit der Menschen ebenso wie auf Arbeit und Reproduktionstätigkeiten auswirkt, die Identität, Formen des Zusammenlebens und der Selbstdefinition der Menschen beeinflusst. Und die meisten Dimensionen des sozialen und kulturellen Wandels von heute, ob Individualisierung oder Globalisierung, sind durch die mediale Entwicklung in ihrer konkreten Form erst möglich geworden

Wenn dem so ist, dann geht es im Banking nicht um die Erörterung der Frage, ob die Digitalisierung zu neuen Formen der Filiale oder zur Abschaffung des Bargelds führt, sondern darum, in welche übergreifenden gesellschaftlichen und kulturellen Wandlungsprozesse es eingebunden ist. Welchen Auswirkungen haben der Wandel der Arbeitswelt, die Freizeitgestaltung, Individualisierung/Singularisierung und Fragen der Identität auf das Banking? Welche Veränderungen an der Organisationsform und der Unternehmenskultur sind nötig? Können Banken diesen Bedarf überhaupt noch decken oder ihm zumindest in Teilen entsprechen?

Krotz formuliert u.a. folgende These zur Mediatisierung:

Es entsteht heute eine Vielzahl neuer Medien, die die Kommunikationsumgebungen der Menschen bereichern und allgemeiner, verändern. Auch die alten Medien differenzieren sich aus. Dadurch entstehen neue Kommunikationsformen, neue Funktionen, die die Medien für die Menschen übernehmen und neue Zwecke, Kontexte und Sinnzusammenhänge, warum Men- schen Medien benutzen.

Welche Sinnzusammenhänge und Kontexte können im Banking durch den Einsatz nur Kommunikationsformen erschlossen werden? Welche Rolle übernimmt dabei der Zahlungsverkehr. Sofern der Zahlungsverkehr, wovon wir auf diesem Blog ausgehen, in Zukunft identitätsbasiert(er) wird, rücken andere Aspekte in den Vordergrund (Vgl. dazu: Was identitätsbasierte Zahlungen von anderen Zahlungsarten unterscheidet).

… it is important to realise the difference of digital identity transactions compared to payments. An important consideration is that the value of a digital identity transaction is difficult to determine because of the context sensitivity: the value depends on what you can do with it. Common business models in payments apply a fixed and/or ad valorum fee to transactions. In this way, these business models apply some sort of value based pricing as merchants (or consumers) are likely to accept a higher price for a transaction, as the amount transferred is higher. With digital identity the pricing might be dependent on the value the user and relying parties perceive (Quelle: Opinion Paper on Digital Identity: ‘From check-out to check-in’)

Mit identitätsbasierten Zahlungen gewinnt für die Teilnehmer der wahrgenommene Mehrwert an Bedeutung, d.h. zu was könnte die Transaktion mit ihrem Kontext und den dabei anfallenden Informationen sonst noch verwendet werden? Zu mehr Kundenbindung, besserem Service; für die Betrugsbekämpfung?

Wie auch immer. Banken müssen sich in Medienunternehmen und nicht – wie vielfach gefordert – in Technologieunternehmen wandeln. Die Mediatisierung ist der entscheidende Unterschied. Facebook bewegt sich mit dem Libra-Projekt in diese Richtung.

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Banken spielen schlechtes Innovationstheater

Von Ralf Keuper

Der amerikanische Soziologe Erving Goffman war der Überzeugung, dass wir im Alltag dazu neigen, eine Rolle zu spielen, um damit das Publikum und das eigene Ensemble zu beeindrucken (Vgl. dazu: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag). Zwar wissen im Grunde alle, dass es sich um eine Theateraufführung handelt, doch wird die Illusion so lange wie möglich aufrecht erhalten, bis die Realität die Fassade bröckeln lässt und mit der Zeit zum Einsturz bringt. Wohl dem, der die Bühne, z.B. altersbedingt, noch gerade rechtzeitig, vor dem Zusammenbruch der Kulisse, verlassen konnte. Weniger glücklich sind diejenigen dran, die das Stück unter widrigen Umständen und vor sich lichtenden Zuschauerreihen weiter aufführen müssen.

Die Banken spielen für die Kunden die Rolle des vertrauenswürdigen Mittelsmanns in Geld- und Finanzfragen. Zwar hat diese Rolle in den letzten Jahren einige tiefe Risse bekommen, jedoch stellen die Zuschauer fest, dass die anderen Akteure, die alternativ zur Verfügung stehen, nicht unbedingt die bessere Wahl sind. Anders verhält sich da schon, wenn es darum geht, wer die beste Innovations-Performance auf die Bühne bringt. Hier liegen Apple, Google & Co. in der Zuschauergunst klar vorne. Nicht nur gelingt es den Technologiekonzernen auf die Show echte Produkte und Services folgen zu lassen, die sich im Alltag der Zuschauer bewähren und als nützlich erweisen; nein, sie sorgen überdies dafür, dass die Vorstellungen in den Theatern der Banken immer häufiger vor leeren Rängen stattfinden. Eifrig sind die Banken bemüht, die Gunst der Zuschauer zurück zu gewinnen, indem sie Innovations-Theater spielen. Auch hier gilt es, die Rolle so gut und überzeugend zu spielen, dass es aus Sicht der Zuschauer unerheblich ist, ob es sich dabei um eine Illusion oder die Realität handelt. Indes, die schauspielerischen Fähigkeiten des Ensembles lassen ebenso zu wünschen übrig, wie die Qualität der Regieanweisungen; die Requisite orientiert sich noch immer an den 1980er Jahren (Vgl. dazu: Let‘s get digital, oder: Wenn Volksbanken versuchen cool und hip zu wirken). Das Ensemble setzt sich nicht nur aus eigenen Mitarbeiten, sondern auch aus unzähligen Strategie-, Management- und IT-Beratern zusammen, die leider allzu oft unkoordiniert dazwischen sprechen und sich nur selten an den Text halten und die Regieanweisungen gerne ignorieren. Meistens reicht es nur für kurze abgegriffene Sentenzen, die ihnen per Power-Point und vorgefertigten Textbausteinen souffliert werden. Das Publikum fühlt sich durch die Aufführung verwirrt; die Fortschrittlichen unter ihnen halten die Aufführung wegen der Konfusion für eine moderne Variante des Dadaismus, bis auch sie erkennen müssen, dass sich dahinter keinerlei Konzept oder Idee verbirgt. Selbst die alternative Theaterszene, Fintech genannt, lockt mit ihren Improvisationen mehr Zuschauer an, als die Banken mit ihrem altbackenen Programm. Die einzigen, die hin und wieder Gefallen an den Vorführungen finden, sind die Theaterkritiker (Medien), die sich hier mit den Problemen ihrer eigenen Branche wiederfinden.

Die Zuschauer verlassen derweil resigniert das Innovationstheater der Banken. Sie haben den Eindruck gewonnen, dass die Banken weder das Eine (Illusion) noch das Andere (Praxis) beherrschen. Es gibt bessere Aufführungsorte.

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“Mobile Payment” setzt die Banken unter Druck

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Geld als das “Medium schlechthin”

Von Ralf Keuper

Geld als Medium zu betrachten, fällt vielen Ökonomen bis heute schwer. Anders dagegen Karl Marx, der 1857 schrieb:

Das Geld ist das sachliche Medium, worein die Tauschwerte getaucht, eine ihrer allgemeinen Bestimmung entsprechende Gestalt erhalten.

Diese Aussage zitiert Jens Schröter in seinem Beitrag Das Geld und die Medientheorie. Darin geht Schröter der Frage nach, welchen Beitrag die Medientheorie zum besseren Verständnis der Funktionsweise und des Wesens des Geldes beitragen kann. Für Schröter ist Geld das “Medium schlechthin”.

Das Geld erst, so Schröter, hat den Markt und letztlich den Kapitalismus geschaffen – nicht umgekehrt. Geld ist demnach kein neutrales Medium:

Wenn aber Geld als Medium mit einer Eigendynamik wirklich ernstgenommen wird, dann ist – im Einklang mit historischer Forschung – der «Markt […] nicht Quelle des Geldes, sondern sein Produkt, ein Derivat monetärer Beziehungen, nicht ihr Ursprung.» .. .. Das wird auch dadurch gedeckt, dass es Geld schon lange vor dem Kapitalismus gab und dieser Geld erst zentral machte. Was das nun im Einzelnen heißt, wieso Geld (das ja viel älter ist als der ‹Kapitalismus›) nicht automatisch zur gesellschaftsweiten Ausdehnung der Marktförmigkeit geführt hat, ob es vor- und womöglich auch nachkapitalistisches Geld gab und geben kann oder nicht (oder gar eine postmonetäre Gesellschaft), ob vorkapitalistisches Geld überhaupt Geld ist, kann hier nicht diskutiert werden. Entscheidend ist bloß, dass eine Beschreibung des Geldes als Medium im Sinne der Medientheorie mit bestimm- ten Annahmen über die Neutralität des Geldes unvereinbar ist.

Die Materialität bzw. Stofflichkeit des Geldes spielt bei seiner Betrachtung als Medium häufig nur eine untergeordnete Rolle. Eine Ansicht, die sich trotz der Verbreitung des Buchgeldes so nicht halten lässt:

Bei reinem Buchgeld, etwa beim Online-Banking, besteht die Stabilität darin, dass der Zugang mit Passwörtern, Verschlüsselungen und dergleichen gesichert ist und aufwändige Backup-Vorrichtungen für den unbedingten Erhalt der Daten sorgen etc. Geld wird mitnichten immaterieller (die heutigen Banking-Netz-Infrastrukturen sind materieller als ein Haufen Goldstücke), die Materialität ändert sich nur: Und sie hat die Aufgabe, vor allem die Echtheit und Gültigkeit des Geldes zu stabilisieren – das ist eine technologische Bedingung des ‹Vertrauens›, das das Geld voraussetzt (zweite Stabilisie- rungsfunktion: Technologien des Vertrauens).

Die Medialisierung des Geldes geht einher mit der Digitalisierung aller Güter (Strukturelle Digitalität des Geldes).

Eine Schlussfolgerung:

Die medientheoretisch zentrale Frage nach der Materialität des Mediums, welches die Wertzeichen trägt, kann vorläufig so beantwortet werden, dass das Geldmedium wesentlich durch verschiedene Formen von Stabilität und durch Digitalität gekennzeichnet sein muss.

Geld kann also durchaus vollkommen digital sein, sofern die Stabilität gesichert ist. Damit ist die flächendeckende Verbreitung digitaler Währungen für die Zukunft wahrscheinlich(er). Aus Sicht der Medientheorie spräche jedenfalls nichts dagegen. Geld als das “Medium schlechthin” und nicht nur ein Zahlungsmittel. Vielleicht hat man das bei Facebook bereits erkannt und plant deshalb ein internationales Bezahlsystem auf Blockchain-Basis.

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Facebook baut internationales Zahlungssystem und “disrupted” sich selbst

Von Ralf Keuper

Während hierzulande paydirekt auf den nationalen Durchbruch hofft und Allianzen, wie die aktuelle mit Bluecode, versuchen, einen europäischen Quasi-Standard für das mobile Bezahlen zu etablieren, geht Facebook gleich mehrere Schritte weiter. Wie in Genf wird Zentrum für neue Facebook-Währung zu erfahren ist, soll die neue Facebook-Gesellschaft Libra Networks zum Nukleus der neuen (Welt-)Währung im Internet werden.

Weitere Beiträge der letzten Wochen zu dem Thema:

Ein Genfer entwickelt den Facebook-Coin

Bezahlsystem aus Genf soll die Finanzwelt aufmischen

Facebook-Bezahlsystem schlägt mit Libra Networks in Genf seine Zelte auf

Auf diesem Blog wurden die Aktivitäten von Facebook in FaceCoin als Digital Identity – “Central Bank of Facebook” vorgestellt.

Facebook will mit der neuen Währung ein neues Ökosystem für Finanzdienstleistungen etablieren.

Das Bezahlsystem soll auf einer permissioned Blockchain laufen. Zu Beginn können nur ausgewählte Partner und Institutionen teilnehmen. Facebook wird nur einen von mehreren Validator Noldes stellen. Später soll die Blockchain dann permissionless sein und damit – prinzipiell – allen Interessenten offen stehen.

Facebook selbst strebt keine dominante Position an. Das Bezahlsystem wird von der Libra Association verwaltetet. Änderungen am Bezahlsystem sind nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit möglich. Die digitale Währung wird mit mehren anderen (Fiat-)Währungen und Assets unterlegt. Kernelement werden die digitalen Identitäten der Nutzer sein. Die Libra Association strebt einen offenen Identitätsstandard an. Der Name der neuen Währung steht noch nicht fest.

Vorläufige Bewertung

Der Vorstoss von Facebook in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen kommt nicht unerwartet. Eher schon überrascht, dass Facebook mit der Blockchain-Technologie einen Ansatz wählt, der dem eigenen Geschäftsmodell, das auf Zentralisierung beruht, widerspricht. Demgegenüber könnte man einwenden, dass Facebook zunächst eine permissioned blockchain in Form einer Kooperation mehrerer Partner anstrebt, was ja auch wiederum eher zentralistisch ist. Andererseits setzt Libra auf einen offenen Identitätsstandard und plant, die Blockchain für alle potenziellen Partner zu öffnen. Facebook würde damit zunächst Macht und Einfluss abgeben. Im Grunde setzt Facebook die Planungen verschiedener Zentralbanken in die Praxis um und würde damit eine neue internationale Zentralbank mit potenziell 2,6 Mrd. Nutzern schaffen. Die Verwendung verifizierter Identitäten ermöglicht eine deutlich verbesserte Kundenansprache. Die üblichen Streuverluste der Online-Werbung ließen sich umgehen, womit sich natürlich das Geschäftsmodell vieler Medien- und Werbeunternehmen in Rauch auflösen würde. Davon wäre – Stand heute – auch Facebook betroffen. Auf der anderen Seite entstünden neue Geschäftsmodelle (Identity based marketing, Object Marketing, Fraud Management, Riskmanagement, Clearing). Ein brisantes Thema ist die Überwachung der Nutzer durch das neue Bezahlsystem.

Wenn nicht alles täuscht, ist Facebook gerade dabei, sich zu kannibalisieren, zu “disrupten”. Damit das funktioniert, muss man bei Facebook schon klare Vorstellungen von den darauffolgenden Schritten haben. Sollte das Projekt Erfolg haben, sehen die Banken und Medienunternehmen noch älter aus als ohnehin schon.

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Dezentrale versus zentrale Banksysteme

Von Ralf Keuper

Die Bankenlandschaft Deutschlands ist Ausdruck des föderativen Aufbaus unseres Landes. Die politische und wirtschaftliche Macht verteilt sich auf mehrere Zentren bzw. Einheiten. Kurzum: Deutschland ist dezentral organisiert. Im Banking wird das u.a. an dem Drei-Säulen-Modell sichtbar.

Im Zuge der Aufarbeitung der Finanzkrise von 2007/2008 ging der Beitrag Dezentrale versus zentrale Bankensysteme? Geographische Marktorientierung und Ort der Entscheidungsfindung als Dimensionen zur Unterteilung von Bankensystemen aus dem Jahr 2013 der Frage nach, ob und inwieweit dezentral organisierte Bankensysteme für die Volkswirtschaft von Vorteil sind.

Die Ausgangsthese:

Unsere These lautet, dass eine Klassifikation von Banken anhand der Abgrenzungsfaktoren „geographische Marktorientierung“ und „Ort der Entscheidungsfindung“ in eher dezentrale und zentrale Banken Erklärungskraft besitzt. Mit Erklärungskraft meinen wir einerseits, dass sich Unterschiede im Zentralisierungsgrad der Banken und nationalstaatlicher Bankensysteme empirisch finden lassen, und anderseits, dass die so klassifizierten Banken und Bankensysteme unterschiedliche Ergebnisse in Bezug auf den Zugang zu Kapital und eventuell auch in Bezug auf makroökonomische Indikatoren (z. B. Stabilität, Wachstum) zeitigen.

Besonderen Wert legen die Autoren auf den Ort der Entscheidungsfindung. Auch in Regionalbanken kann es durchaus vorkommen, dass die Entscheidung in der Zentrale und nicht direkt vor Ort, in der Filiale, getroffen wird. Es dürfte heutzutage sogar schon eher die Regel sein. Andererseits können zentral organisierte Banken, wie die Großbanken, einen Teil der Entscheidungskompetenz in die Regionen verlagern. Die Autoren sprechen in dem Zusammenhang von supraregionalen Banken. Mit anderen Worten: Inwieweit Entscheidungskompetenzen in die Regionen bzw. Filialen verlagert werden, ist nicht automatisch von dem Organisationsprinzip der Bankengruppe abhängig. Beispielhaft dafür ist mit Blick auf das Ausland Svenska Handelsbanken. Indes, supraregionale Banken sind bei ihrer Entscheidungsfindung an bestimmte, geschäftspolitische Bedingungen der Zentrale gebunden:

Auch wenn Finanzintermediäre mit supraregionaler Marktorientierung teilweise Entscheidungen an den Ort der Investition delegieren, hat die Kapitalherkunft für die Investition nicht die gleiche geographische Adresse wie die Investition. So hat ein Kreditberater einer Großbank, der beispielsweise in Essen bei einer Niederlassung angestellt ist, durchaus bis zu einer bestimmten Summe Entscheidungsautonomie, das Kapital speist sich aber nicht aus Essener Sparguthaben, sondern stammt aus der Guthabenseite der in Frankfurt am Main ansässigen Großbank oder vom internationalen Kapitalmarkt.

Regionalbanken sind dagegen auf andere Weise in ihrer Sicht eingechränkt:

Es besteht die Gefahr, dass regional orientierte Finanzintermediäre Risiken von Investitionen in neue Technologien oder Produktinnovationen nicht abschätzen können. Dies kann nicht nur bedeuten, dass ihnen notwendige Informationen für Kreditentscheidungen fehlen (Lock-in-Effekte), sondern auch, dass sie von ihren Kreditnehmern zu wenige Innovationen einfordern (vgl. AleSSAnDrini/ZAZZAro 1999, 85). So beobachtet beispielsweise ZADemACH (2009) in seiner empirischen Studie über das Münchener Mediencluster eine positive Wirkung internationaler Kapitalgeber.

Die räumliche Nähe, die Verbundenheit mit der Region, hat einige wesentliche Vorteile:

Die bloße Tatsache, dass eine Bank und ein Unternehmer ihren Standort in Frankfurt am Main haben, muss ihre Wissensaustauschfähigkeit noch nicht erhöhen. Wenn die Bank nur mit Großkunden und internationalen Geschäften vertraut ist, wird sie beispielsweise Schwierigkeiten haben, das Geschäft eines Kleinunternehmers zu verstehen. Geographische Nähe begünstigt räumliche Nähe, ist aber nicht mit dieser gleichzusetzen. Räumliche Nähe erleichtert folglich die Weitergabe von weichen und vertraulichen Informationen und ist ganz besonders dann wichtig, wenn andere Formen kognitiver Nähe schwach ausgeprägt sind. Räumliche Nähe kann dazu beitragen, Kenntnis und Verständnis zwischen Bank und Kunde zu verbessern.

Vorläufiges Fazit:

Das Kriterium „Ort der Entscheidunghgsfindung“ lässt sich nicht direkt aus der Statistik bestimmen. Es kann jedoch erstens vermutet werden, dass Finanzintermediäre mit viel Personal vor Ort auch dort entscheiden. Zweitens kann der rechtliche Status der Institute herangezogen werden. Zwar delegieren auch Großbanken Entscheidungen auf die regionale Ebene, jedoch liegt bei den ca. 430 rechtlich selbstständigen Sparkassen und ca. 1100 rechtlich selbstständigen Genossenschaftsbanken die Entscheidungsverantwortung auf der regionalen Ebene, wobei auch bei ihnen die Entscheidungskompetenz vor Ort durch Standardisierung limitiert ist.

Standardisierung kann sogar dazu führen, dass Entscheidungen einer zentral organisierten Bankengruppe mehr zum Vorteil des Kunden ausfallen, als bei seiner langjährigen Hausbank (Vgl. dazu: Wenn die Volksbank doch nicht dein Freund ist …).

Weiterhin:

Je stärker die Beschäftigten im Raum konzentriert sind, umso geringer ist das Unternehmenskreditgeschäft im Verhältnis zur Bilanzsumme. Besonders die Großbanken scheinen seit 1999 ihr Kreditgeschäft reduziert und gleichzeitig den Zentralitätsgrad ihrer Finanzintermediation erhöht zu haben. Im Kontrast hierzu weisen die Sparkassen und in ähnlicher Form auch die Genossenschaftsbanken eine hohe Konstanz sowohl in ihrer räumlichen Verteilung als auch im Unternehmenskreditgeschäft auf.

Mittlerweile haben sich mit BigTech und einigen Fintech-Startups neue Mitbewerber hinzugesellt, die man durchaus als vierte Säule bezeichnen kann, wobei BigTech noch weit darüber hinaus geht. Wie können die Regionalbanken ihren Vorteil, d.h. die räumliche Nähe und die dezentrale Entscheidungsfindung, angesichts eines Rückzugs aus der Fläche, erhalten? Was geschieht, wenn dieser Vorteil durch Standardisierung bzw. andere Verfahren aufgehoben werden kann? Wenn die Kunden ihre Bank auf dem Smartphone mit sich tragen, dann ist kaum mehr räumliche Nähe vorstellbar. Und wenn dann noch Anbieter imstande sind, den Kontakt mit den Kunden online fast permanent zu pflegen und die Gewohnheiten immer besser kennenzulernen, welchen Vorteil haben dann noch Regionalbanken bzw. dezentrale Banksysteme? Was passiert, wenn Amazon demnächst Regionalgesellschaften gründet, die u.a. auch Bankdienstleistungen für die Region anbieten?

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Digitalisierung treibt die Bank-IT an ihre Leistungsgrenzen #5

Von Ralf Keuper

Als der erste Artikel Digitalisierung treibt die Bank-IT in ihre Leistungsgrenzen im Februar 2014 auf diesem Blog erschien, war abzusehen, dass es nicht bei einem Beitrag zu dem Thema bleiben würde. Die Probleme, wie sie im Februar 2014 zu Tage traten, sind nicht verschwunden – im Gegenteil, sie haben noch an Umfang zugenommen.

In den letzten Jahren machte vor allem die Deutsche Bank mit IT-Problemen auf sich aufmerksam (Vgl. dazu: Systemausfälle bei der Deutschen Bank: Eine unendliche Geschichte?). Die damalige IT-Chefin, Kim Hammonds, trieben die Spaghetti-Infrastruktur bzw. die Dysfunktionen in der Bank an den Rand der Verzweiflung. Nun hat die Commerzbank mit einem Schlag gleich gezogen (Vgl. dazu: IT-Debakel bei Commerzbank und Comdirect. Jetzt droht Chaos).

Dabei handelt es sich um kein Problem einzelner Banken, sondern um ein Branchenproblem, wie die folgenden (aktuellen) Beiträge verdeutlichen:

Banks scramble to fix old systems as IT ‘cowboys’ ride into sunset

COBOL and the big tin bank

Nach Commerzbank-Panne: So düster ist es um die IT-Sicherheit unserer Banken bestellt

Auffallend bei den IT-Problemen der Commerzbank ist indes, dass die Alt-Kunden der Dresdner Bank kaum bis gar nicht betroffen sind (Vgl. dazu: Die IT-Strategie der ehemaligen Dresdner Bank).

Die Probleme sind vielfältiger Natur. Einerseits die noch immer veralteten Systeme, andererseits die Unübersichtlichkeit der Systemlandschaften mit ihren häufig verborgenen Abhängigkeiten, ebenso wie Banken-Fusionen, regulatorische Anforderungen und IT-Dienstleister, die sich in den letzten Jahren bei diversen Projekten selbstverwirklicht haben, der Know-How-Verlust durch das altersbedingte Ausscheiden von IT-Mitarbeitern und nicht zuletzt die gestiegene Anspruchshaltung der Kunden an den Service ihrer Bank (Mobile Banking, Online Banking usw.). Als wäre es damit noch nicht genug, kommen noch neue Mitbewerber (Fintech-Startups, BigTech) sowie neue Technologien (KI, Blockchain, VR) und diverse Cyberrisiken (Hackerangriffe) hinzu. Eine Herkulesaufgabe für jede IT-Abteilung.

Wer nun denkt, dass Fintech-Startups, die auf der grünen Wiese begonnen haben, frei von derlei Gebrechen sind, täuscht sich (Vgl. dazu: Auch die Solarisbank hat mit IT-Problemen zu kämpfen).

Fortsetzung folgt …

Weitere Informationen:

Designing a Governance Framework for the Global Financial Systems – Regulations and Promotion

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Die Zukunft der Finanzbranche – mit FinTech-Experte Boris Janek

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