Kilian von Steiner: Bankier, Mäzen und Intellektueller

Von Ralf Keuper
Zu den Bankiers des 19. Jahrhunderts, deren Bekanntheitsgrad im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Wirkung steht, gehört zweifellos Kilian von Steiner
Bei der Gründung der Württembergischen Vereinsbank, die großen Anteil an der industriellen Entwicklung im Königreich Württemberg hatte, war Kilian von Steiner eine der treibenden Kräfte. Auf Wikipedia heisst es:

Von Steiner bzw. der Vereinsbank gingen zahlreiche weitere Gründungen aus. So waren er oder die Vereinsbank an der Gründung der Württembergischen Notenbank und der Stuttgarter Gewerbekasse, der Deutschen Bank in Berlin, der Rheinischen Creditbank in Mannheim, der Deutschen Vereinsbank und der Deutschen Effecten- und Wechselbank in Frankfurt am Main, der BASF, der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Untertürkheim und der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen an der Steige beteiligt.

Das Schaffen des schwäbischen Bankiers beschreibt das Buch Kilian Steiner und die Württembergische Vereinsbank
Aus Anlass der Enthüllung der Büste von Kilian von Steiner in seiner Geburtsstadt Laupheim würdigte der damalige Direktor des Schiller-Nationalmuseums, Dr. Ulrich Ott, das Schaffen des Bankiers in dem Vortrag „Ein Großer, aber kein Berühmter“.
Ott zitiert darin aus der Grabrede von Gustav von Schmoller, der ein langjähriger Freund von Kilians war:

Man hat ihn ein Geschäftsgenie genannt; ich möchte sagen, er hatte große geniale Züge, aber sie waren in erster Linie solche der Willensenergie, der Verstandesschärfe, der Herzensgüte und der Gemütswärme. Es will mir vorkommen, seine ganzen Geistes- und Gemütskräfte seien, wie man es nur‘ bei wenigen begnadigten Menschen trifft, von besonders starker Erregbarkeit und besonderer Feinheit gewesen; er beobachtete besser als andere, seine Fähigkeit Menschen und Verhältnisse zu durchschauen, in ihren Effekten zu schätzen, war größer; alle Eindrücke auf seine Seele waren stärker, seine Anschauungsbilder von der Welt waren lebendiger, seine Fähigkeit zu handeln, weitumspannende Verhältnisse konzentriert als Einheit zu fassen, war größer als bei anderen Menschen. Er hatte, was für den handelnden Menschen das wichtigste ist, ein seltenes Augenmaß für richtige und rasche Einschätzung der Kräfte, der Menschen, der Verhältnisse, die ihm gegenüberstanden; er sah stets das Große sofort groß, das Kleine klein. Und deshalb stimmten auch seine Erwartungen mit den späteren Folgen.

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