Ein neu­es empi­ri­sches Paper zum US-Ban­ken­sek­tor lie­fert erst­mals har­te Zah­len zu dem, was bis­lang nur ver­mu­tet wur­de: Die Ein­füh­rung von Gene­ra­ti­ver KI kos­tet Ban­ken kurz­fris­tig rund 4,3 Pro­zent­punk­te Eigen­ka­pi­tal­ren­di­te – eine „Inno­va­ti­on Tax” (Inno­va­ti­ons­tri­but), der klei­ne­re Insti­tu­te exis­ten­zi­ell bedroht, wäh­rend Groß­ban­ken ihn als Inves­ti­ti­on ver­bu­chen kön­nen. Gleich­zei­tig ent­steht durch die Ver­wen­dung iden­ti­scher KI-Model­le eine neue Form sys­te­mi­scher Kopp­lung (algo­rith­mi­scher Kopp­lung), die weit über klas­si­sche Bilanz­ver­net­zung hin­aus­geht. Für die deut­sche Ban­ken­land­schaft mit ihrer stark aus­ge­präg­ten Ver­bund­struk­tur bedeu­tet dies: Was als Effi­zi­enz­pro­gramm kom­mu­ni­ziert wird, ist in Wahr­heit ein struk­tu­rel­ler Kon­so­li­die­rungs­schock – und der Gap zwi­schen Ankün­di­gung und Wirk­lich­keit, zwi­schen PR und öko­no­mi­scher Rea­li­tät, war bei kei­ner Tech­no­lo­gie­wel­le größer.


I. Das Pro­duk­ti­vi­täts­pa­ra­do­xon hat jetzt einen Preis

Seit dem Launch von ChatGPT Ende 2022 ver­geht kaum eine Quar­tals­prä­sen­ta­ti­on einer Bank ohne Ver­weis auf die trans­for­ma­ti­ve Kraft von GenAI. Cost-Inco­me-Rati­os wer­den sin­ken, Pro­duk­ti­vi­tät stei­gen, neue Geschäfts­mo­del­le ent­ste­hen – die Erzäh­lung ist ein­heit­lich und opti­mis­tisch. Ein aktu­el­les empi­ri­sches Paper[1]The Inno­va­ti­on Tax: Gene­ra­ti­ve AI Adop­ti­on, Pro­duc­ti­vi­ty Para­dox, and Sys­te­mic Risk in the U.S. Ban­king Sec­tor zeich­net nun ein prä­zi­se­res, weit­aus ambi­va­len­te­res Bild.

Öko­no­men haben am Bei­spiel des US-Ban­ken­sek­tors die ers­ten zwölf Mona­te brei­ter GenAI-Adop­ti­on unter­sucht und dabei ein dop­pel­tes Mus­ter iden­ti­fi­ziert: Im Quer­schnitt sind die Ban­ken, die GenAI ein­set­zen, tat­säch­lich die pro­duk­tivs­ten Insti­tu­te – aber nicht, weil die Tech­no­lo­gie sie pro­duk­ti­ver gemacht hät­te, son­dern weil die pro­duk­tivs­ten Insti­tu­te als ers­te adop­tie­ren. Der kau­sa­le Effekt der Ein­füh­rung selbst i…