Ban­ken suchen hän­de­rin­gend Abneh­mer für 56 Mil­li­ar­den Dol­lar an Ora­cle-Bau­kre­di­ten, die durch künf­ti­ge Ope­nAI-Lea­sing­zah­lun­gen besi­chert sind. Invest­ment-Gra­de-Ratings sol­len insti­tu­tio­nel­le Inves­to­ren anlo­cken, wäh­rend die Spreads längst Junk-Ter­ri­to­ri­um signa­li­sie­ren. Was nach tech­ni­schem Refi­nan­zie­rungs­de­tail aus­sieht, offen­bart die fra­gi­le Archi­tek­tur der gesam­ten AI-Infra­struk­tur-Finan­zie­rung – und zeigt, wie eine neue Asset-Klas­se auf pro­ji­zier­ten Nar­ra­ti­ven statt rea­li­sier­ten Cash­flows entsteht.


Die Abhän­gig­keits­kas­ka­de

Die Struk­tur ist von bestechen­der Ein­fach­heit – und genau das macht sie so pre­kär: Ora­cle (Ver­schul­dungs­grad 4,3) finan­ziert Rechen­zen­tren durch Bau­kre­di­te, besi­chert durch Lea­sing­ver­trä­ge mit Ope­nAI, das 14 Mil­li­ar­den Dol­lar Ver­lust für 2026 pro­gnos­ti­ziert und Pro­fi­ta­bi­li­tät erst 2029 erwar­tet. Jedes Glied die­ser Ket­te mul­ti­pli­ziert das Risi­ko, jede Ver­zö­ge­rung pflanzt sich durch das gesam­te Sys­tem fort.

Min­des­tens 56 Mil­li­ar­den Dol­lar haben Ban­ken bereits in die­se Kon­struk­ti­on gesteckt, wei­te­re 45–50 Mil­li­ar­den sol­len 2026 fol­gen. Das Pro­blem: Die tra­di­tio­nel­len Pro­jekt­fi­nanz­ban­ken sind aus­ge­las­tet. “Wir haben jede Pro­jekt­fi­nanz­bank ange­zapft”, bestä­tigt ein Ban­ker, “aber es gibt nur so vie­le Ban­ken.” Die Kapa­zi­täts­gren­zen sind erreicht, nicht weil das Kapi­tal fehlt, son­dern weil Kon­zen­tra­ti­ons­ri­si­ko-Limits grei­fen. Kei­ne Bank will mit zu viel Expo­sure in einer ein­zi­gen, hoch­spe­ku­la­ti­ven Wet­te ste­cken bleiben.

Also beginnt die Suche nach neu­en Käu­fer­schich­ten – und damit das eigent­li­che Spiel der Risikoverteilung.

Rating als regu­la­to­ri­scher Türöffner

Die Kre­di­te erhiel­ten Invest­ment-Gra­de-Ratings, eine Sel­ten­heit für Bau­kre­di­te, die durch noch nicht exis­tie­ren­de Cash­flows besi­chert sind. Das Rating erfüllt hier kei­ne qua­li­ta­ti­ve, son­dern eine funk­tio­na­le Auf­ga­be: Es öff­net den Zugang zu Ver­si­che­run­gen und kon­ser­va­ti­ven insti­tu­tio­nel­len Inves­to­ren, die ohne die­ses Label regu­la­to­risch gar nicht kau­fen dürfen.

Gleich­zei­tig spre­chen die Spreads eine ande­re Spra­che: 3−4,5 Pro­zent­punk­te über SOFR für neue­re Ora­cle-Pro­jek­te – Kon­di­tio­nen, die ein­deu­tig im Junk-Bereich lie­gen. Die Diver­genz ist offen­sicht­lich: Das Rating sagt “Invest­ment Gra­de”, der Preis sagt “Hoch­ri­si­ko”. Was hier ent­steht, ist kei­ne Fehl­be­wer­tung, son­dern eine bewuss­te Ratings-Arbi­tra­ge: Das Label wird genutzt, um Kapi­tal zu mobi­li­sie­ren, das sonst nicht mobi­li­sier­bar wäre.

Die­se Mecha­nik ist nicht neu. Vor der Finanz­kri­se funk­tio­nier­te Struc­tu­red Cre­dit nach ähn­li­chem Mus­ter: Ratings als Ver­pa­ckung, um risi­ko­rei­che Assets an risi­ko­aver­se Inves­to­ren zu ver­kau­fen. Der Unter­schied: Damals waren es wenigs­tens exis­tie­ren­de Immo­bi­li­en mit rea­li­sier­tem Cash­flow. Hier geht es um Rechen­zen­tren, deren Wert voll­stän­dig davon abhängt, dass Ope­nAI sei­ne Lea­sing­zah­lun­gen leis­ten kann – und Ope­nAI lebt von der Annah­me, dass die Kapi­tal­märk­te wei­ter­hin bereit sind, 14 Mil­li­ar­den Dol­lar Jah­res­ver­lust zu finan­zie­ren, bis irgend­wann 2029 Pro­fi­ta­bi­li­tät erreicht wird.

Die Para­do­xie der Überzeichnung

Ora­cle emit­tier­te kürz­lich 25 Mil­li­ar­den Dol­lar in Bonds und erhielt Orders über 129 Mil­li­ar­den – eine spek­ta­ku­lä­re Über­zeich­nung. Gleich­zei­tig stei­gen die CDS-Spreads auf Höchst­stän­de. Wie passt das zusammen?

Die Ant­wort liegt in der Seg­men­tie­rung des Inves­to­ren­mark­tes. Ver­schie­de­ne Käu­fer­grup­pen ver­fol­gen völ­lig unter­schied­li­che Strategien:

  • Must-buy” Inves­to­ren – Tech-fokus­sier­te Fonds und KI-The­men­in­ves­to­ren brau­chen Ora­cle-Expo­sure für ihre Man­da­te. Sie kön­nen nicht abseits ste­hen, wenn KI-Infra­struk­tur die zen­tra­le Wet­te ihres Port­fo­li­os ist.
  • Yield-See­king Inves­to­ren grei­fen zu, weil Ora­cle bei 4%+ über SOFR mehr bie­tet als klas­si­sche Invest­ment-Gra­de-Papie­re in einem Niedrigzinsumfeld
  • Sophisti­ca­ted Hedgers kau­fen die Bonds und sichern sich gleich­zei­tig über Cre­dit Default Swaps ab. Die­se Grup­pe erklärt die hohen CDS-Spreads: Sie wol­len das Expo­sure, aber nicht das unge­hedg­te Risiko.

Die mas­si­ve Über­zeich­nung ist also kein Ver­trau­ens­be­weis, son­dern Aus­druck unter­schied­li­cher Risi­ko­a­pe­ti­te und Hedging-Not­wen­dig­kei­ten. Der Markt ist nicht blind opti­mis­tisch – er ist struk­tu­rell gezwun­gen zu kau­fen, wäh­rend er gleich­zei­tig absichert.

KI-Infra­struk­tur als Asset-Klasse

Was bei Ora­cle pas­siert, ist nicht iso­liert. Ähn­li­che Syn­di­zie­run­gen lau­fen bei ande­ren Hypers­ca­lern, in euro­päi­schen Tech-Finan­zie­run­gen, über­all dort, wo KI-Infra­struk­tur gebaut wird. Fak­tisch ent­steht gera­de eine neue Asset-Klas­se mit eige­nen Rating-Metho­den, eige­nen Inves­to­ren­pools, eige­nen Risikotransfer-Mechanismen.

Die ent­schei­den­de Fra­ge: Basiert die­se Asset-Klas­se auf rea­li­sier­ten Cash­flows oder auf pro­ji­zier­ten Narrativen?

Bei Oracle/​OpenAI ist die Ant­wort ein­deu­tig: Ope­nAI ist nicht pro­fi­ta­bel, die Lea­sing­zah­lun­gen sind Zukunfts­ver­spre­chen, die Rechen­zen­tren sind Bau­rui­nen, die erst Wert haben, wenn AI-Nach­fra­ge sich tat­säch­lich in zah­lungs­fä­hi­ge Kund­schaft über­setzt. Alles hängt an der Pro­gno­se: 300 Mil­li­ar­den Dol­lar über fünf Jah­re, expo­nen­ti­ell stei­gen­de KI-Nach­fra­ge, Ope­nAI als domi­nan­ter Play­er im Enterprise-AI-Geschäft.

Das ist kei­ne Inves­ti­ti­on in bestehen­de Cash­flows, son­dern eine Wet­te auf ein Sze­na­rio. Wenn das Sze­na­rio ei…