Zur Geschichte des Papiergeldes

Das Papiergeld ist ähnlich wie das Metallgeld Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses. Historisch zurückführen läßt es sich auf zwei Grundformen: die Quittung und den Schuldschein. Die Quittung wurde für hinterlegtes Metallgeld ausgestellt. Sie wurde im Laufe der Zeit übertragbar, und schließlich entwickelte sich aus ihr die Banknote, die ganz allgemein den Anspruch an die Bank verbriefte, den auf der Note genannten Betrag jederzeit auf Verlangen wieder in Münzgeld umgewechselt zu bekommen. Aus dem Schuldschein entstand das Staatspapiergeld, das auf dem Kredit des Staates beruhte. Es wurde im allgemeinen nicht eingelöst, mußte aber von allen öffentlichen Kassen angenommen werden. Außer diesen beiden Hauptarten, die in der Praxis oft ineinander übergingen, kam es verschiedentlich zur Ausgabe von Notgeld, das vorübergehend fehlendes Münzgeld ersetzen sollte. Die Verwendung von Papiergeld setzte neben der Kenntnis der Papierherstellung und dem Gebrauch von Schrift und bald auch Druck eine staatliche Organisationsform voraus, innerhalb welcher verbriefte Ansprüche anerkannt wurden und notfalls auch durchgesetzt werden konnten.

Die genannten Voraussetzungen waren sehr früh in China gegeben, das bekanntlich das erste Land war, das Papiergeld gebrauchte. Vorläufer des Papiergeldes in Form von Depositenscheinen, die für eingezahltes Geld ausgegeben wurden und an anderen Orten wieder eingelöst werden konnten, gab es unter Kaufleuten schon während der Tang-Dynastie (7. und 8. Jahrhundert); diese Papiere wurden von den Chinesen »Fliegendes Geld« genannt. In der folgenden Epoche der Fünf Dynastien (10. Jahrhundert) und der Sung-Dynastie (10. und 11. Jahrhundert) kam es zu Papiergeldemissionen größeren Umfangs, und zwar zuerst in der Provinz Szetschuan. Die Süd-Sung-Dynastie (12. und 13. Jahrhundert), die Tartaren-Dynastie (12. Jahrhundert), die Mongolen-Dynastie (13. und 14„ Jahrhundert) und die Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert) setzten die Papiergeldausgabe durch staatliche Behörden fort. Nach zeitgenössischen Berichten sowie späteren Untersuchungen war der Umfang des Papiergeldumlaufs vom 12. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts fast vergleichbar mit dem moderner Staaten; Münzen haben in dieser Zeit offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Auch die Behördenorganisationen und die bis ins Detail gehenden gesetzlichen Bestimmungen über Herstellung und Ausgabe der Scheine, Regelung des Umlaufs und Einziehung muten durchaus modern an. …

Quelle / Link: Frühzeit des Papiergeldes. Beispiele aus der Geldscheinsammlung der Deutschen Bundesbank

Weitere Informationen:

Fotoserie von Heinrich Holtgreve zur Geldgeschichte 

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