paydirekt: Schon jetzt ein Rohrkrepierer? #3

Von Ralf Keuper
Eine weitere Folge aus der beliebten Serie: Wird Paydirekt ein Hit oder ein Flop? Die Diskussion teilt sich weiter in zwei Lager: Diejenigen, die an einen Erfolg von Paydirekt glauben, auch wenn die Sparkassen wohl erst im nächsten Jahr dazu stossen werden, auf der anderen Seite die Skeptiker, die nicht mehr an den Erfolg glauben – Erfolg im Sinne von Paydirekt überholt in Deutschland Paypal. Persönlich zähle ich mich zum Lager der Skeptiker. 
Hier eine Auswahl einiger Beiträge der letzten Tage:
Einzig der letzte Beitrag ist überwiegend optimistisch. Natürlich ist die Auswahl subjektiv und keinesfalls vollständig. Dennoch bin ich der Auffassung, dass sie das gegenwärtige Stimmungsbild unter den Experten gut einfangen. Die Tatsache, dass auf einen positiven Beitrag drei negative Beiträge kommen, bedeutet ebenfalls nicht, dass die Sache klar ist.
Machen wir uns bewusst: In einem der höchst entwickelten Industrieländer der Welt, der führenden Wirtschaftsnation Europas, versehen mit dem weltweit dichtesten Banken-Filialnetz, fühlen wir uns veranlasst, den erfolgreich über Paydirekt abgewickelten Kauf einer Dartscheibe am 17.08.2015 um 10:46 als epochales Ereignis zu feiern! Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
Wie auch immer. Gehen wir davon aus, dass sich Paydirekt, allen Geburtswehen zum Trotz, neben PayPal und den anderen Bezahlverfahren behaupten kann. Ein großes Plus von Paydirekt ist die enorme Kundenbasis von 50 Millionen Girokonten unter seiner Hoheit. Inzwischen kann man sich auf der Seite paydirekt.de einen ersten Eindruck verschaffen. Ein weiteres Argument:

paydirekt als deutsches Unternehmen unterliegt deutscher Regulierung sowie den deutschen Datenschutzbestimmungen, die weltweit als besonders streng gelten. So wird gewährleistet, dass Sie mit paydirekt online so sicher zahlen können, wie Sie es von Ihrer Bank oder Sparkasse zu Recht erwarten.

Das ist zumindest aus Marketing-Sicht geschickt. Hier sind PayPal und andere Anbieter in letzter Zeit in die Kritik geraten.
Nur reicht das aus? Auch an PayPals langfristigem Erfolg wird mittlerweile gezweifelt. Zu sehr habe sich das Unternehmen auf seinen Lorbeeren ausgeruht und den Trend zum Mobile Commerce verschlafen. Hier dominieren Apple, Amazon und Alibaba die Szene. Angesichts dessen ergibt die gestern bekannt gegebene Akquisition von Modest durchaus Sinn, da sie der Tatsache Rechnung trägt, dass dass Einkaufen über mobile Endgeräte („contextual commerce“) an Bedeutung noch gewinnen wird. Vor wenigen Wochen übernahm PayPal den Dienst für internationale Geldtransfers, Xoom. In eine ähnliche Richtung bewegt sich Paytm. Die nächste Stufe bahnt sich mit Identity 3.0 bereits an. 

Mit Identity 3.0 verschiebt sich die Authentifizierung noch mehr in Richtung der großen Player wie Amazon, PayPal und Apple. Insbesondere Apple mit seiner AppleID werden große Chancen eingeräumt, die Identity 3.0 dominieren zu können (Eigenzitat)

Kurzum: Selbst wenn es den deutschen Banken mit Paydirekt gelingt, verlorenes Terrain zurückzugewinnen, ist die Entwicklung bereits mehr als einen Schritt weiter. Noch mal zehn oder fünfzehn Jahre abwarten, kann sich die Branche auch in Deutschland nicht leisten. Das wird künftig deutlich schneller gehen müssen, sofern sich man sich völlig aus dem Stammgeschäft verabschieden will. 
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