Mobile Banking and Financial Inclusion: Rückt das Bankless Banking näher?

Von Ralf Keuper

In dem Paper Mobile Banking and Financial Inclusion. The Regulatory Lessons gehen die Autoren Michael Klein und Colin Mayer der Frage nach, wieviel Regulierung das Mobile Banking benötigt. In ihrer Argumentation konzentrieren sie sich auf den Mobile Payment-Dienst M-Pesa in Kenia. Insofern ist der Titel ein wenig irreführend, da es sich weniger um Mobile Banking als vielmehr um Mobile Payments handelt. Interessant an dem Paper sind neben den regulatorischen Fragestellungen auch die Auswirkungen von Mobile Payments auf die Geschäftsmodelle der klassischen Banken. M-Pesa ist für diese Entwicklung exemplarisch.

Zwar sehen die Autoren für den Bereich Mobile Payments durchaus Regulierungsbedarf – nur berührt dieser kaum Fragen der herkömmlichen Bankenaufsicht (prudential regulation). Ihre ablehnende Haltung begründen die Autoren u.a. damit, dass M-PESA lediglich die Versorgung der Marktteilnehmer mit Bargeld sowie die Clearing-Funktion übernimmt, darüber hinaus aber keine Geldschöpfung betreibt. 
Die Bankenaufsicht würde nach diesem Modell eher die Rolle eines Nachtwächters bzw. eines Chronisten / Ober-Buchhalters übernehmen. Damit liegen die Autoren auf der Linie der Weltbank, die regulatorischen Bestimmungen im Bankwesen grundsätzlich skeptisch gegenübersteht – daran hat auch die Finanzkrise nichts wesentlich geändert. Daher verwundert es nicht allzu sehr, dass das Paper auf der Homepage der Weltbank zum Download zur Verfügung steht. 

Selbst beim Thema Geldwäsche bzw. Anti Money Lendering (AML) sehen die Autoren die cash merchants als Vermittler kaum bis gar nicht in der Pflicht. 

Insgesamt überwiegt die Furcht, regulatorische Bestimmungen würden die Innovationsfähigkeit und den Wettbewerb unnötig beschränken.  
Eine Ausnahme machen die Autoren lediglich bei der Frage, wie M-PESA den „Bodensatz“ der Einlagen investiert. Ein darüber hinaus gehender Regulierungsbedarf wird dagegen verneint. 

Ansonsten genügen nach Ansicht der Autoren für Mobile Payments – Anbieter wie M-PESA die typischen gesetzlichen Bestimmungen für den Einzel- und Grosshandel. 

Zu Fragen der Bankenregulierung kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Argumentation der Autoren in weiten Teilen plausibel. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob man auf Dauer mit einer „Regulierung Light“ diesem wachsenden Marktsegment noch gerecht werden kann und ab wann wir auch hier in den Bereich der systemischen Risiken gelangen – die „Too big to fail“ – Problematik möge dagegen ganz an uns vorüberziehen 😉

Für mindestens ebenso interessant wie die Behandlung der regulatorischen Fragestellungen sind die Gedanken der Autoren zur mittel- bis langfristigen Entwicklung für die Zukunft der klassischen Banken. 

Weitgehend befreit von der „Bürde“ der Regulierung und durch technologische Führerschaft erscheint das Bild eines Bankless Banking gar nicht mehr so utopisch.

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