Marktübersicht Lösungen für die Gesamtbanksteuerung

Von Ralf Keuper

Die Gesamtbanksteuerung ist so etwas wie die “Königsdisziplin” der Banken-IT. Hier laufen die Informationen zusammen, die Auskunft über die Ertragssituation wie auch die verschiedenen Risikopositionen einer Bank geben. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Reports für die interne Steuerung (Risikocontrolling/Managementreporting) und für externe Adressaten wie Investoren und Aufsichtsbehörden. Insbesondere die Anforderungen an das aufsichtsrechtliche, regulatorische Reporting haben durch die neuen Bestimmungen seit Ausbruch der Finanzkrise, allen voran Basel III,  deutlich zugenommen. Daneben sind es Standards zur Rechnungslegung, wie der IFRS 9, die den Berichtsumfang erhöhen werden.

Für die Abdeckung der genannten Anforderungen und für die künftig noch zu erwartenden bedarf es inzwischen eigener Lösungen. So ist das Angebot an integrierten Lösungen für die Gesamtbanksteuerung in den letzten Jahren auch gewachsen. Einen guten Einstieg in den Themenkomplex liefert das Trendpapier Banksteuerung mit Business Analytics von Lünendonk. 

Mit dem Bank Analyzer schickt sich SAP einmal mehr an, einen Marktstandard zu etablieren. Inzwischen arbeitet die Lösung mit der In-Memory-Technologie HANA für echtzeitbasierte Informationsverarbeitung. Damit soll vor allem das Finanzreporting nach IFRS und US-GAAP unterstützt werden. Daneben verfügt der Bank Analyzer über Komponenten für die Meldewesenvorverarbeitung (Ermittlung Mindestkapitalanforderungen, GroMiKV, BiSta u.a.) und die Erfolgsmessung (Profitabilität)  – bzw. Steuerung (Aktiv-Passiv-Management). Im großen Stil eingesetzt wird der Bank Analyzer u.a. bei der Postbank, der Commerzbank, der NordLB und der Deka Bank.

Um den wachsenden Ansprüchen technisch überhaupt noch gerecht werden zu können, sind neben der entsprechenden Hardware und Infrastruktur vor allem analytische Applikationen nötig. Kaum verwunderlich daher, dass führende Hersteller von Business-Intelligence-Lösungen das Feld für sich entdeckt haben, wie z.B. der größte unabhängige Anbieter SAS. So verkündete das Unternehmen kürzlich nicht ohne Stolz, laut Chartis Research mit SAS High-Performance Risk und SAS Risk Management for Banking führender Anbieter von Technologie für die Umsetzung von Basel III zu sein. 

Die Sparkassenorganisation setzt in der Gesamtbanksteuerung neben ihrem Kernbankensystem OSPlus weitere spezialisierte Produkte wie SimCorp und MARZIPAN ein. Die Genossenschaftsbanken setzen auf ihre Eigenlösung VR Control mit den Modulen CBS (Vertriebssteuerung), KRM (Adressrisikosteuerung)  und ZIABRIS (Marktpreisrisikosteuerung).

Als quasi logische Ergänzung ihres Produktangebots haben die Hersteller von Kernbankensysteme ebenfalls Lösungen für die Gesamtbanksteuerung entwickelt wie KORDOBA mit K-Control und COR&FJA mit CORBAS ReCon .

Weitere Anbieter sind zeb associates mit ihrer Produktfamilie zeb//control und Value & Risk mit ihrer RiVa Suite. 
Etwas abseits vom allgemeinen Trend hin zu integrierten Lösungen, sind weitere Anbieter mit spezialisierten Lösungen für Teilbereiche der Gesamtbanksteuerung am Markt vertreten. Neben den bereits erwähnten SimCorp und MARZIPAN sind das Bearing Point mit dem Liquidity Ratio Analyzer, Muchnet für die Aktiv-Passivsteuerung und SDS mit f:Sub für die bilanzielle Abbildung von Finanzinstrumenten nach IFRS 9. 
Weiterer Anbieter in dem Segment ist die consultingpartner AG mit ihrem Produkt PRiMe für das Kreditportfoliomanagement. 

Ausblick
Der Trend der vergangen Jahre hin zu integrierten Lösungen für die Gesamtbanksteuerung dürfte sich, allein schon wegen der steigenden Anforderungen und der Komplexität des Themas, fortsetzen. Ebenso ist davon auszugehen, dass weitere Anbieter analytischer Applikationen aus dem Geschäftsfeld Business Intelligence das Thema für sich entdecken werden. Noch nicht abzuschätzen ist, ob und inwieweit es zu einer Annäherung der Lösungen für die Gesamtbanksteuerung einerseits und GRC-Lösungen andererseits kommen wird. Auch hier können neue Anbieter auf der Bühne erscheinen. Die Hersteller aus dem Bereich Kernbankensysteme stehen vor der Herausforderung, ihre Lösungen über den Kreis der Bestandskunden hinaus auch für Neukunden attraktiv zu machen. 
Für spezialisierte Anbieter dürfte der Markt auch in Zukunft noch Potential bieten. 
Bei allen Bestrebungen, integrierte Lösungen einzusetzen ist dennoch nicht davon auszugehen, dass sich eine Lösung als “der” Standard etablieren wird. Dafür ist das Thema zu vielschichtig – sowohl fachlich wie technisch.
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